Bilder:

 

Tourdaten für 2004 :

28.08. Kreuth - Ostbayernhalle
29.08. Karlsruhe - Europahalle
31.08. Wiener Neustadt - Arena Nova
01.09. München - Olympiahalle
03.09. Ulm - Messe
05.09. Basel - St.Jakobs-Halle
07.09. Mannheim - Maimarkthalle
08.09. Koblenz - Oberwerthhalle
10.09. Saarbrücken - Saarlandhalle
11.09. Stuttgart - Schleyerhalle
13.09. Hannover - Preussag Arena
15.09. Leipzig - Messehalle
17.09. Berlin - Velomax
18.09. Berlin - Velomax
20.09. Magdeburg - Bördelandhalle
22.09. Münster - Münsterlandhalle
23.09. Bremen - Messehalle 7
25.09. Frankfurt - Festhalle
26.09. Frankfurt - Festhalle
28.09. Riesa - Erdgas-Arena
30.09. Erfurt - Messe
02.10. Dortmund - Westfalenhalle
03.10. Dortmund - Westfalenhalle

       

       

       

   

   

   

   

   

 

   

   

       

   

 

Die Band :

Stephan Weidner 
 
Geb.: 29.05.1963
Größe: 1.80m
Instrument: Bass, Gesang, Akustik Gitarre


Stephan Weidner wurde am 29. Mai 1963 um 12:57 in Alsfeld bei Kassel geboren und wuchs mit seinen drei Schwestern Carmen, Conny und Moni Weidner auf. Sein Vater Karl-Heinz Weidner verließ die Familie als Stephan 3 Jahre alt war. Stephan wuchs als Frankfurter Straßenjunge auf. Er hat keinen Schulabschluss und keine Berufsausbildung. Am 25.12.1980 gründete er mit Kevin und Pe die Punkband Böhse Onkäls.

Kevin Russell 

 

 

Geb.: 12.01.1964
Größe: 1.85m
Instrument: Gesang

Kevin wurde am 12. Januar 1964 in Hamburg - Rahlstedt geboren. Sein Vater war englischer Pilot und seine Mutter war Alkoholikerin. Er hat Schiffsmechaniker gelernt. Kevin hat 1980 mit Stephan und Pe die Punkband Böhse Onkäls gegründet.


Matthias "Gonzo" Röhr 



Geb.: 16.04.1962
Größe: 1.87m
Instrument: Gitarre

Gonzo wurde am 16. April 1962 im Elisabethenkrankenhaus in Frankfurt-Bockenheim geboren. Er hat bei der Marine Universalfräser gelernt. Er kam 1981 als viertes Mitglied zu den Böhsen Onkelz.


Peter "Pe" Schorowski 

 



Geb.: 15.06.1964
Größe: 1.79m
Instrument: Schlagzeug

Pe wurde am 15. Juni 1964 um 23 Uhr in Hösbach geboren. Er wohnte dort zusammen mit seinen Eltern und seinen drei Brüdern. Er hat als Beruf Schweisser gelernt. 1980 gründete er mit Stephan und Kevin die Punkband Böhse Onkäls.

Die Geschichte der Band:

Böhse Onkelz" ist eine der erfolgreichsten deutschen Rockbands. Wegen ihren ausländerfeindlichen Texten in ihrer Anfangszeit, Anfang der achtziger Jahre, sind sie in der öffentlichkeit immer noch sehr umstritten. So werden sie von vielen extrem Linken gehaßt und verdammt, ebenso von vielen extrem Rechten, die merkten, daß die Böhsen Onkelz doch nicht ihrem Ideal entsprachen. Von sich selbst und von vielen ihrer Fans werden sie aber geradezu vergöttert.

Als Anregung für unsere Jahresarbeit in unserem WP2-Kurs "Am Fremden Geschmack finden" haben wir die "100 Projektideen für die Pädagogische Praxis zum Thema Fremdenhaß und Rechtsradikalismus (Schule gegen Gewalt)" bekommen, die das Nürnberger Projektbüro Schule im März 1993 zusammengestellt hat. Unter der Nummer 92 steht folgendes:

"Wie böse sind die bösen Onkels? Die neuen Rechten setzen nicht mehr auf den Badenweiler Marsch oder die erste Strophe des Deutschlandliedes. Fast unbemerkt ist ihnen der Einbruch in die Rock-Szene gelungen. Die Schuelerinnen und Schueler untersuchen solche Texte und starten eine Umfrage unter den lokalen Radiosendern: Wo haben sie ihre "Schmerzgrenze"?"

Kommentar eines Fans: "Verstehe ich das richtig: Die Onkelz werden hier als Speerspitze der Neuen Rechten angesehen?! Oder wo sonst ist den 'Rechten' der 'Einbruch' gelungen (sehr martialische Wortwahl...)? Bei so einem Unsinn könnte es einem tatsächlich die Sprache verschlagen"

"Hört nicht ihr Gerede - glaubt nicht ihre Lügen - Hirne voller Scheiße die sich selbst betrügen - sie haben es versucht - doch es nie geschafft - ihre Lügen sind unsere Kraft..." ("10 Jahre" LP: "Es ist so weit", 1990)

Als wir uns diese 100 "pädagogischen" Vorschläge durchgelesen haben, mußten wir oft lachen, weil die Vorschläge insgesamt schon recht dämlich sind (siehe Nummer 99 wo vorgeschlagen wird, die Schüler Baseball spielen zu lassen, damit sie merken, daß der Baseballschläger nicht nur für rechtsradikale Gewalt gebraucht werden kann). Bei Nummer 92 sind wir dann hängengeblieben, weil dort die Böhsen Onkelz (mal wieder) als eine rechtsradikale Band dargestellt werden, die ein eben solches Publikum haben. Dadurch wird allen, die diese Projektvorschläge lesen, ein falsches Bild dieser Rockband und ihrer Fans vermittelt. Es wäre wohl pädagogisch richtiger, die Schüler die Wahrheit über diese Band selbst herausfinden zu lassen, anstatt ihnen schlechtrecherchierte Halbwahrheiten vorzulegen. Schon an der überschrift "Wie böse sind die Bösen Onkels" wird klar, daß sich die Autoren wohl kaum näher mit den Thema Böhse Onkelz, die sie hier ja so scharf kritisieren, beschäftigt haben. Denn schon allein der Name der Band wurde falsch geschrieben.

Diese vorurteilsgeprägte Aufgabenstellung in einem Text, der ja eigentlich eine gute pädagogische Absicht verfolgen will, hat uns dazu motiviert, die ganze Wahrheit über diese Band herauszufinden und die Zusammenhänge in denen ein solches Bild entstehen kann, zu untersuchen, und das Ganze als Antwort auf den Text des Nürnberger Projektbüros Schule aufzuschreiben. Wir wollen nun auf die Frage "Wie böse sind die Böhsen Onkelz?" antworten, wie es die Musikzeitschrift "Metal Hammer" schon 1987 tat: "Böhse Onkelz &emdash; Böse ja, rechtsradikal nein!" und in den Worten der Onkelz dazu auffordern:

"Trenne dich von allem, es ist gar nicht so schwer, von deinen Vorurteilen sowieso, sie sind am wenigsten wert" ("Nichts ist so hart wie das Leben" LP: "E.I.N.S.", 1996)

Uns geht es in diesem Referat darum, zu zeigen, was die Böhsen Onkelz wirklich für eine Band sind und dumme Vorurteile abzubauen. Denn wir sind der Meinung, daß jeder, der sich die Mühe macht, sich genauer mit dem Thema zu beschäftigen, merken wird, daß an den Vorwürfen, die Böhsen Onkelz seien heute noch eine rechtsradikale Band, nichts dran ist.

Natürlich kann man so ein Thema nur sehr schwer objektiv beschreiben, das haben wir an all den Zeitungsartikeln, die wir über die Böhsen Onkelz gelesen haben, gemerkt. Und so wird man wohl auch hier deutlich unsere Meinung heraushören. Wir wollen aber noch einmal betonen, daß wir auf gar keinen Fall das, was die Böhsen Onkelz früher gemacht haben, verharmlosen wollen, auch wenn es für euch vielleicht manchmal so klingen könnte, weil in diesem Bereich von der Presse und anderen Leuten so viel übertrieben wurde und wir richtigstellen wollten. Die Onkelz haben auf jeden Fall schlimme Fehler gemacht, um so besser daß sie das heute einsehen, finden wir.

Unsere Informationen haben wir aus der Böhse-Onkelz-Biographie "Danke Für nichts" die ein Freund der Böhsen Onkelz, Edmund Hartsch, geschrieben hat. Viel haben wir auch aus dem Internet, aus Zeitungsartikeln und Interviews aus verschiedenen Zeitschriften, aus dem Buch "Skinheads" von Klaus Farin und Eberhard Seidel-Pielen und natürlich aus den Liedern der Band. Außerdem sind wir übers Internet mit Onkelz-Fans in Kontakt getreten, von ihnen stammen die meisten der eingefügten Kommentare.

Das Buch von Edmund Hartsch hat knapp 300 Seiten - nur um zu zeigen, wie umfangreich dieses Thema ist und daß es verdammt schwer war, das in wenigen Seiten alles aufzuschreiben. Deswegen ist das Ganze auch ein bißchen länger geworden. Denn man kann die ganze Geschichte eigentlich erst verstehen, wenn man viel darüber weiß. Leider mußten wir uns auf das Wichtigste beschränken und mehrere Einzelheiten weglassen. Um es möglichst anschaulich zu machen, haben wir viele Statements der Band, ihrer Fans und Freunde, aber auch der Kritiker mit reingenommen. Die Zitate ohne Jahreszahl stammen irgendwo aus den Neunzigern

Findet die Wahrheit!


 

 

 

 

"...eine Suche nach dem, der ich bin, die Suche nach dem Sinn..."

(Die Anfänge)

"..ich wußte nicht, wohin ich ging, nicht mal, wo ich war, wie ein Schiff ohne Ruder, nichts war klar, sie nannten mich Idiot weil ich die Schule haßte, sie sperrten mich ein, weil ich ihnen nicht paßte, ich lebte von Verbrechen, von kleinen Hehlereien, ich hatte schlechte Gesellschaft und zu viele Schlägereien, zu viele Drogen, zu viele Schlägereien, ich war nicht immer Sieger aber viel zu oft dabei. Ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn Knochen splittern, ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn Hände zittern... Wir hatten wilde Herzen und dachten aus dem Bauch, unser Lehrer war das Leben, die Straße das zu Haus.... irgendwas trieb mich voran, manchmal Liebe, manchmal Haß... wir waren jung und stolz, wir hatten nichts zu verlieren, die ersten Tatoos, das erste Mal rasieren, wir waren wilde Jungs, wir hatten viel zu lernen, oft fiel man auf die Schnauze bei dem Griff zu den Sternen.... es war schon immer ein besonderer Kick Verbotenes zu tun, Gesetze sind zum Brechen da, dachte ich, und gab meinen Senf dazu, ich stand in Flammen, nichts war mir zu extrem... was man nicht durfte, reizte mich noch mehr, am Rande der Gesellschaft lebt's sich's unbeschwert, übermut tut selten gut, heute weiß ich, was das heißt, damals war's mir scheißegal, also zahlte ich den Preis... Mein Leben war oft wie ein Spiel, wie 'ne lange Reise ohne Ziel, eine Suche nach dem, der ich bin, die Suche nach dem Sinn.."

Das singen die Böhsen Onkelz heute über ihre Kindheit und Jugend.

Stephan Weidner (Bass, Texte, Musik), Matthias "Gonzo" Röhr (Gitarre, Musik), Kevin Russell (Gesang) und Peter "Pe" Schorowsky (Schlagzeug) - das sind heute die Böhsen Onkelz - wuchsen in und um Frankfurt auf. Gewalt, Kriminalität und Drogen gehörten schon in ihrer Kindheit zu ihrem Alltag. Sie wuchsen zum Teil in Verhältnissen auf, die wir uns so gar nicht vorstellen können. Stephan: "Ich bin in einer Hochhaussiedlung groß geworden. Ich weiß, was da zum Teil abgeht. Ob da einer alle vierzehn Tage vom Balkon springt, oder ob da Schreien aus der Wohnung rauskommt. Ich meine, da interessiert sich doch kein Schwein dafür." Die Schule beendeten sie mit Hauptschulabschluß oder sie wurden vorher noch wegen ihres unmöglichen Verhaltens gegenüber den Lehrern, deren Autorität sie sich auf gar keinen Fall unterwerfen wollten, von der Schule geworfen. Die Tage verbrachten sie damit, sich mit anderen zu prügeln, Bier zu saufen und auch schon härtere Drogen zu nehmen, zu Fußballspielen zu gehen, Zigarettenautomaten aufzuknacken, ihren Eltern und der Polizei aus dem Weg zu gehen.

Ende der Siebziger hörten sie von den "Sex Pistols" und waren begeistert. Sie färbten sich die Haare grün, zerrissen ihre Klamotten, steckten sie mit Sicherheitsnadeln wieder zusammen und schockierten das ganze Dorf mit ihrem asozialen Verhalten. 1979 gründeten sie eine Punkband. Im Winter kamen sie oft an einem Hügel vorbei, an dem die kleinen Kinder Schlitten fuhren, und wo sie durch ihr Aussehen als Punks Aufsehen erregten. Außerdem nahmen Stephan, Kevin und Pe den kleinen Kindern öfter mal die Schlitten weg, um ihnen zu zeigen, wer sie sind und wie man richtig Schlitten fährt. Schon bald waren sie dafür bekannt, und die größeren Kinder warnten die kleineren vor ihnen mit den Worten: "Vorsicht, da sind die bösen Onkels". Das gefiel ihnen gut, und sie beschlossen, ihre Punkband so zu nennen. Daß man Wörter falsch schrieb, war ein Gag aus der Punkbewegung. Und so änderten auch die "Bösen Onkels" die Schreibweise ihres Namens, denn die Schule hatten sie alle gehaßt, so beschlossen sie, es folgendermaßen zu schreiben: "Böhse Onkäls", mit h und ä und umgedrehtem k. Die Schreibweise änderte sich im Laufe der Zeit immer mal wieder, bis es bei "Böhse Onkelz" blieb. Sie wollten den Leuten zeigen, daß ihnen die deutsche Rechtschreibung scheißegal war. Damals waren die Jungs zwischen 16 und 19 Jahren alt.

Die Punkszene bestand zu dieser Zeit aus einem Haufen Jugendlicher, die von der konservativen Gesellschaft und der Politik angekotzt waren, die den Leuten zeigen wollten, daß sie anders sind, die provozieren wollten. Punk sein hieß "anti"-sein. Man war einfach gegen alles. Edmund Hartsch: "Absolut respektlos, hundertprozentig dagegen. Gegen wen oder was eigentlich? Das war im Moment noch egal, Hauptsache dagegen. Irgendwas war ja offensichtlich faul". Stephan: "Irgendwie zeigen, daß es noch was anderes gibt, daß die Leute nicht mit allem zufrieden sind." Aber auch damals schon Anti-Nazi. Aber was das wichtigste war: Anti-Normal, Anti-Moral, Anti-Hippie und provokant bis zum letzten. Sie wollten von den Normalbürgern gehaßt werden. Pe: "Man konnte sich gehen lassen, konnte frech und frei sein, tun und lassen, was man wollte. Eine Rebellion gegen die Moral." Die Böhsen Onkelz brachten in ihren Liedern das zum Ausdruck, was ihr Leben damals bestimmte: Saufen, Feiern, Schlägereien, Gewalt, Frauen, Sex etc., und sie nahmen dabei kein Blatt vor den Mund. Pe: "Man machte Lieder über das, was man liebte und über das, was man nicht leiden konnte. Manch-mal schoß man dann auch unüberlegt über das Ziel hinaus, was einem dann auch übel heimgezahlt wurde und zum Teil noch wird."

In dieser Zeit entstanden hauptsächlich Sauf und Partylieder wie "Mehr Pogo" oder "Hinein ins schäumende Bier" und eine Menge Haßlieder. Die Böhsen Onkelz wollten endlich mal über das singen, was sie ankotzte, denn Lieder über Liebe und Frieden gab es ihrer Meinung nach genug. Ihre Lieder waren Wutschreie aus dem Bauch heraus ohne viel Sinn. "Bullenschwein ich hasse dich", "Kill the Hippies" "Nazis ins KZ" etc. schrien sie von der Bühne. Zu dieser Zeit entstand auch das noch heute immer wieder von der Presse zitierte Lied: "Türken raus!".

Türken raus, Türken raus, Türken raus, Türken raus

Türken raus, Türken raus, alle Türken müssen raus

Türkenfotze kahlasiert, Türkenfotze naßrasiert

Türkenfotze kahlrasiert, Türkenfotze

Türken raus, Türken raus, raus aus unser'm Land

Geht zurück nach Ankara, denn ihr macht mich krank

Ein Lied mit einem ziemlich üblen Text, wie ihn so manche Fascho-Band heute singt. Aber macht dieses Lied die Böhsen Onkelz gleich zu Faschisten? Dazu muß man erstmal die genaueren Hintergründe dieses Songs betrachten. Gonzo: "Wir haben ständig von ausländischen Jugendgangs was auf's Maul bekommen und irgendwo war halt ein Ventil zum Rauslassen. Der Song hat eigentlich keinen politischen Hintergrund. Was da reininterpretiert wurde, ist was ganz anderes, als ursprünglich gemeint war." Und sicherlich hat die Frankfurter Punkszene, vor der sie damals in kleinen Freizeitheimen spielten, das auch nicht anders verstanden. Sie dachten dabei nicht an einen zweiten Faschismus sondern an die türkischen Popper-Gangs, mit denen sich viele der (z.T. auch nicht deutschen) Punks prügelten und ihr dadurch entstandener Haß auf die Türken. Die Onkelz spielten dieses Lied 1981 sogar einmal in einem Türkischen Familienzentrum, in dem sie auftraten, wo es (laut Edmund Hartsch) eher als Lachnummer angesehen wurde. Stephan: "Man muß sich mal überlegen, wo wir groß geworden sind, und daß wir im Prinzip 17, 18, 19 Jahre lang nicht über den Rand unserer Hochhäuser hinausgucken konnten. Und die Leute, mit denen wir da zu tun hatten, das sind nicht die Ausländer, die du in der Türkei oder sonst irgendwo triffst." Außerdem war das Lied eine wunderbare Provokation an all die "Hippies" und an die Nazis. Stephan: "Wir wollten provozieren, auch wenn's im nachhinein betrachtet dumm und plump war." Mit Nazisymbolen wurde in der Punkbewegung und später auch in der Skinheadbewegung viel provoziert. Auch die "Sex Pistols" trugen oft Hakenkreuze an ihren Klamotten, was bei ihnen den einzigen Grund hatte, die alten echten Nazis herauszulocken und zu provozieren.

Das Stück "Türken raus" ist nie offiziell auf einer Platte erschienen, denn es war einer der ersten Songs der Onkelz, und zu dieser Zeit konnten sie noch überhaupt keine Instrumente spielen, hatten auch keine vernünftigen, und singen konnten sie erst recht nicht. Viele Lieder hatten nicht mehr als eine Textzeile. Damals gab es auch noch keine richtige Verteilung der Instrumente, es konnte sowieso keiner richtig spielen, und daß man Gitarren auch stimmen mußte, wußte noch keiner von ihnen. Sie spielten nach ihrem eigenen Motto: Es mußte so schlecht sein, daß es schon wieder geil war. Das war das, was die Punkmusik, auf jeden Fall damals noch, ausmachte. Leute, die gar nichts konnten stellten sich auf die Bühne und brüllten ins Mikrophon. Und die Onkelz waren verdammt schlecht, aber dabei auch vollkommen von sich selbst überzeugt: Böhse Onkelz &emdash; die allergeilsten &emdash; die fantastischen Vier! Sie selbst waren wohl ihre größten Fans, aber auch die Frankfurter Punkszene fing an, die Onkelz zu lieben. Und sie wurden von Mal zu Mal besser. 1982 nahmen die Onkelz ihre erste eigene Single auf. Auf dem Cover war das, in altdeutscher Schrift geschriebene, Böhse-Onkelz-Logo mit dem "Kill the Hippies"-Slogan. Auf der Platte war unter anderem der Anti-Nazi-Song: "SS-Staat" ("SS-Staat im Staate wird's das noch mal geben, SS-Staat im Staate wir wollen's nicht erleben"). Von dieser Single gab es allerdings insgesamt nur zwei Exemplare, denn keiner von ihnen verdiente genug Geld, um die Produktion zu bezahlen. Stephan arbeitete als 16-jähriger bei seinem Vater im Puff, dann mal bei einem Reifenservice oder als Wäschefahrer fing eine Ausbildung zum Koch an, flog aber meisten schnell wieder aus seinen Jobs raus und hat nie eine richtige Ausbildung beendet. Kevin war oft arbeitslos, machte aber dann noch eine Ausbildung zum Schiffsmechaniker in Hamburg, die er aber auch nicht beenden konnte, weil er vorher rausflog, arbeitete dann mal bei der Müllabfuhr und hielt sich mit anderen Gelegenheitsjobs über Wasser. Pe machte eine Ausbildung zum Schweißer und arbeitete danach für einen Frankfurter Abflußservice. Gonzo machte eine Ausbildung zum Universalfräser und ging später zur Marine.

In den Jahren zwischen 1981 und 83 entwickelten sich die Bandmitglieder der Böhsen Onkelz nach und nach zu einigen der wenigen ersten deutschen Skinheads. Die Punkszene hatte sich verändert, sie wurde zu kommerziell, mit den vielen Punks, die neu dazu kamen, ging der Grundgedanke verloren. Die Kleidungs- und Musikindustrie versuchten aus dem Punk ihr Geschäft zu machen. Die neuen Punks kauften ihre Klamotten im Laden, kamen aus Wohlstandsfamilien und manche sogar aus der Hippieszene. Damit konnten sich viele der alten Punks nicht mehr identifizieren, auch die Onkelz und ein Großteil der alten Frankfurter Punkszene nicht. "New Romantic, neo punk, deutsche Welle macht mich krank." (Böhse Onkelz 1982). Außerdem waren viele der neuen Punks linkspolitisch, und sahen das als festen Bestandteil der Bewegung an. Mit Politik konnten aber viele der alten Punks gar nichts anfangen, außerdem stand "links" für "Hippies", "Studenten", "Kommunisten", "Pädagogen" und "Langweiler". Viele Punks, die von Anfang an dabei waren, stiegen zu dieser Zeit aus und fanden zur unpolitischen Skinheadszene, um sich von den "Modepunks" abzugrenzen. Es war aber anfangs noch keine klare Trennung zwischen den beiden Bewegungen, denn sie waren sich ähnlich, die meisten Skins kamen ja schließlich aus der Punkszene. Am Anfang waren Punks und Skins auch immer zusam-men gewesen und trafen sich beim gemeinsamen Oi!-Kult. Oi! war Musik für die rebellierenden Kids auf der Straße, vollkommen unpolitisch. "Skins und Punks im Zusammenhalt gegen euch und eure Staatsgewalt" heißt es in dem "Oi! Oi! Oi!" Onkelzsong von 1982. Die Frankfurter Szene und mit ihnen die Onkelz bestand nun aus Oi!-Punks und Oi!-Skins. Politik spielte (noch) keine große Rolle beim Oi! oder in der Skinheadszene. Noch war es egal, welche politischen Einstellungen die Leute hatten, Hauptsache, man konnte zusammen feiern und Bier trinken. Stephan: "Es hat irgend jemand damit angefangen, uns hat es interessiert, es hat Spaß gemacht, und der Punk war halt auch schon wieder in die linke Hippieszene reingedriftet, und auf Hippies hatten wir dann auch keinen Bock gehabt, und so kam das eben... Punk war ganz nett und geil, solange man zur Schule ging. Aber dann kam die Lehre. Da ging das mit dem extremen Outfit nicht mehr. Um zu zeigen, daß wir dennoch anders waren, haben wir halt auf Skinhead gemacht, das harte Image noch ein bißchen mehr betont." Pe: "Da sich die Punkszene langsam 'links' politisierte, suchte man wieder ungebremsten Untergrund und stieß dabei auf das 'Skinheadtum'. Man konnte wieder frei atmen und schlug kräftig auf die Kacke." Ein Skinhead (vorher Punk): "Wir haben uns dann für die Onkelz entschieden, nicht weil sie rechts wurden, sondern weil sie unpolitisch blieben und die ganzen Punks nach links abdrifteten" Pe 1988: "Das war ein Gefühl. Damals gab's ja noch gar keine Skinheads, wir waren ja so ziemlich mit die ersten. Die erste Reihe sozusagen. Ich war völlig begeistert davon."

(Kurze Information über die Skinheadszene: Die Skinheadszene entwickelte sich Ende der sechziger Jahre in London. Damals war sie eng mit der jamaikanischen Arbeiterbewegung der "Rude-Boys" verknüpft. Die englischen Jugendlichen begeisterten sich für die Musik der Einwanderer, und sie trafen sich gemeinsam zu Ska und Reggae-Konzerten. Sie nannten sich "Skinheads" aufgrund ihrer kurzen Haare als Markenzeichen. Es war eine buntgemischte Arbeiterbewegung. Aber erst Ende der siebziger boomte die Skinheadbewegung richtig (durch den Zuwachs von Punks und anderen Kids im Zuge der Oi!-Bewegung) und kam dann erstmals auch nach Deutschland rüber. Linke wie rechte Ideologien waren in der Szene damals verpönt, überhaupt war Politik uninteressant. Skinheads, das waren einfach Jugendliche, die für die Arbeiterbewegung standen, "hart" waren, eine Menge Spaß am Saufen, an Fußballspielen, an Prügeleien und an schwarzer Musik hatten. Erst später wurden mehrere der Skinheads rechtspolitisch, das trifft aber auch heute noch lange nicht auf alle Skinheads zu. Nur etwa zehn Prozent werden zu den Neonazis gezählt, und weitere 40% kann man als "rechts" bezeichnen. Die meisten anderen bezeichnen sich als "unpolitisch" und nichtrassistisch, wenige auch als links und anti-rassistisch. Sie bezeichnen die rechtsradikalen Skins, die sogenannten "Boneheads" als keine "echten" Skins und berufen sich immer wieder auf die Wurzeln der Skinheadszene.)

Auch für die Onkelz hieß Skin-Sein einfach, für die Arbeiterklasse zu stehen, tanzen, saufen, Spaß haben, auffallen, Leute provozieren und vor allem zusammenzuhalten. Das hatte nichts mit Rechtsradikalismus zu tun. In der Skinheadszene fanden die Onkelz ein großes Zusammengehörigkeitsgefühl, das ihnen Halt gab, den sie in ihren Familien nicht hatten. Stephan 1988: "Für uns war das eine reine Arbeiterbewegung. Das waren halt einfach alles so Mittelklassekids, so ein bißchen Frustration, und das Zusammengehörigkeitsgefühl, das war mehr so was in der Schiene. Und auch die Musik war eben schwarz, wie kann ich denn rassistisch sein, wenn ich Ska gehört habe, oder viel Reggae-Sachen und so?"

1983 entstand ein Demo-Tape der Böhsen Onkelz, welches sich schnell in den Skinhead- und Hooligankreisen verbreitete und die Böhsen Onkelz zu einer der bekanntesten und meist geachteten Skinheadbands machte. Auf diesem Tape war unter anderem auch der zweite Onkelz-Song der sich direkt gegen Ausländer richtete und später auch oft von der Presse zitiert wurde: "Deutschland den Deutschen". Dieser Song erschien aber auch auf keiner Platte und wurde nur ein einziges mal live vorgetragen. Der Song entstand aus der Wut auf die vielen Ausländergangs, mit denen sich die Onkelz immer noch rumprügelten. "..nur bis jetzt haben immer die Kanaken gesiegt.." hieß es in dem Song. Laut Edmund Hartsch gab es zu der Zeit in keiner anderen Stadt so viel Ausländermafia und soviel Gewalt wie in Frankfurt. Und die Onkelz waren sauer auf diese Leuten und die ewigen Schlägereien, so daß sie ein solches Lied schrieben. Edmund Hartsch über Stephan: "Daß die Ausländer keine Schuld an seinem Schicksal hatten und man sie nicht für all die Mißstände im Land verantwortlich machen konnte, wußte er auch damals schon. Trotzdem waren es ihm einfach zu viele... Stephan hatte den Song schnell wieder verworfen, weil er die Zeile 'Deutschland den Deutschen' Scheiße fand. Mit diesem 79er NPD Wahl-kampfsslogan würden sie automatisch den Scheitelträgern der FAP oder den Kühnen-Leuten in die Hände spielen." Und das passierte dann auch zum Teil. Vor allem die wenigen Skinheads die zu dieser Zeit schon rechts bis rechtsradikal waren, fanden Gefallen an der Musik der Böhsen Onkelz, und sogar einige rechtsextreme Parteimitglieder tauchten auf den Konzerten auf.

"Türken Raus" und "Deutschland den Deutschen" sind krasse und an sich auch eindeutige Aussagen und werden durch die Umstände, unter denen diese Songs geschrieben wurden, auch nicht besser. Aber aus den Umständen läßt sich vielleicht erklären, wie so etwas entstehen kann. Gonzo: "Also, wenn ich das heute höre und wenn ich daran denke, daß das von uns vertont wurde, muß ich ganz ehrlich gesagt kotzen, ich kann's mir heut nicht mehr anhören, ich kann's heute in keinster Weise mehr nachvollziehen und würde so was auch heute in keiner Weise mehr machen. Das ist für mich wie ein Teil aus einem anderen Leben, praktisch." Stephan: "Hatten wir indirekt eine politische Aussage in unseren Texten, war uns die nicht so bewußt. Was wir besungen haben, war eigentlich eine ziemlich dumme Reflexion dessen, was uns widerfahren ist. Jeder wird anders groß, hat andere Erfahrungen. Manchmal sagt man was, das man später bereuen kann. Entwicklung muß einem zugestanden werden."

Die Punk- und Skinheadszene trennten sich 1983 in Deutschland stark, weil einige Skinheads rechtsradikal wurden und weil immer wieder gesagt wurde: Punks sind links und Skins sind rechts. Die Medien schmissen alle Skinheads in einen Topf und berichteten immer wieder von "DEN rechtsradikalen Skinheads", und zogen so noch mehr Rechte in die Szene und zeigten den Jugendlichen, wie man sich als Skinhead zu verhalten hatte. "In Wirklichkeit waren es gar nicht so viele Skinheads, die Nazis wurden, sondern Nazis, die zu Skinheads wurden"(G. Marshall im Buch "Skinheads" von Klaus Farin und Eberhard Seidel-Pielen). Es passierte dasselbe wie zuvor mit der Punkszene, die Leute wurden plötzlich politisch, (obwohl das vorher nie Thema in diesen Szenen war), aber in die andere Richtung. Gonzo 1987: "Die Linken haben sich die Punks unter den Nagel gerissen, und die Rechten versuchen, sich die Skins unter den Nagel zu reißen." Viele britische Oi!-Bands trennten sich, als das gleiche einige Zeit vorher in England passierte, weil sie sich nicht konkret zu "links" oder "rechts" bekennen wollten und weder als "Kommunisten" noch als "Nazis" beschimpft werden wollten. Konzerte, bei denen sich Punks und Skins gemeinsam amüsierten, waren ohne daß es zu Schlägereien kam, kaum noch möglich.

Die rechtradikalen Skinheads sahen die Onkelz als "ihre" Band an, gerade wegen "Türken raus" und "Deutschland den Deutschen", und den Onkelz war es wohl vorerst egal, wer ihre Musik hörte. Die Onkelz wurden zur absoluten Kultband der Skinheads. Stephan: "Wenn wir uns dieser verheerenden Folgen unserer Aussagen bewußt gewesen wären, was da für ein Rattenschwanz dran hängt, dann wäre uns so was nie über die Lippen gekommen. Nicht weil wir so gedacht hätten und zu feige wären, so was zu sagen, sondern wenn man sich das ganze Ausmaß dieser Aussage mal vorstellt, wenn man das ganze Ding erfassen kann, dann sagt man so was nicht, man denkt es nicht einmal."


 

 

 

 

"Häßlich, brutal und gewalttätig"

(Die ersten Alben der Onkelz)

 

1984 erschien dann die erste LP der Böhsen Onkelz bei dem Plattenlabel Rock-O-Rama: "Der Nette Mann". Rock-O-Rama ist heute dafür bekannt, hauptsächlich mit Faschobands zusammenzuarbeiten, hatte aber damals fast ausschließlich Punksachen im Repertoire. Edmund Hartsch: "'Der nette Mann' handelte in erster Linie von den klassischen Interessen der Zwanzigjährigen mit asozialem Hintergrund. Saufen, Ficken, Fußball, Mord und Todschlag." Die Onkelz sangen über das, was ihr Leben bestimmte. Die Gewalt auf der Straße, die die Onkelz täglich miterlebten, wurde geschildert, es gab ein Lied über die Verbundenheit der Band zu Deutschland und gleich drei Hymnen für die Skinheadbewegung im Ska-Beat, in denen sie den Reiz des Skinhead-Seins beschrieben. Die Onkelz waren Skinheads aus voller überzeugung, und das sollte ruhig jeder wissen. "Der nette Mann" war, und ist zum Teil immer noch, eine sehr bedeutende Platte für die deutsche Skinheadszene.

 

stolz

einer von ihnen mit rasierten kopf, du steckts nicht zurück, denn du hast keine angst,

shermans, braces, jeans und boots, deutschland fahne, denn darauf bin ich stolz

man lacht über dich weil du arbeiter bist, hör nich auf den mist

du bist skinhead, du bist stolz, du bist skinhead, schreis heraus

du hörst onkelz wenn du zu hause bist, du bist einer von ihnen, denn du bist nicht alleine

du bist tätowiert auf deiner brust, denn du weißt welcher kult für dich am besten ist

die leute schauen auf dich mit haß in den augen, sie schimpfen dir nach, und erzählen lügen über dich

 

 

deutschland

auch zwölf dunklen jahre in deiner geschichte macht unsere verbundenheit zu dir nicht zu nichte

es gibt kein land frei von dreck und scherben, hier sind wir geboren, hier wollen wir sterben

deutschland, deutschland vaterland, deutschland, deutschland mein heimatland

den stolz, deutsch zu sein, wollen sie dir nehmen, das land in den dreck ziehen, die fahne verhöhnen

doch wir sind stolz, in dir geboren zu sein, wir sind stolz drauf, deutsche zu sein.

es gibt kein land frei von dreck und scherben, hier sind wir geboren, hier wollen wir sterben

deutsche frauen, deutsches bier, schwarz-rot-gold, wir steh'n zu dir

 

Die Onkelz waren wahrlich stolz darauf Deutsche zu sein bzw. in Deutschland geboren zu sein (denn Kevin ist eigentlich Halb-Engländer und hat einen britischen Paß). Das Deutschlandlied war die totale Provokation. Denn sie wollten sich das zugestehen, was in anderen Ländern als etwas ganz Normales anerkannt wurde, nämlich stolz auf sein Land zu sein. Die Onkelz wollten damit ausdrücken, daß sie keine Schuld daran tragen, was in den Jahren 1933 bis 1945 (die "zwölf dunklen Jahre") passiert ist, daß sie damit nichts zu tun haben und daß sie es beschissen fanden, daß das Land von den eigenen Landsleuten immer wieder in den Dreck gezogen wurde. Stephan in einer Talkshow 1985: "Ich kann halt dieses ganze Gerede, von diesen miesen scheiß Schuldkomplexen, von dem, was passiert ist vor vierzig Jahren, die kann ich einfach nicht mehr hören... Heute muß man sich schämen, Deutscher zu sein, das ist 'n bißchen traurig.." Das Lied sagt zwar aus, daß die Böhsen Onkelz Deutschland toll fanden, deutsche Frauen, deutsches Bier etc., hat aber keine faschistische Aussage. Es ist aber natürlich (auch dadurch, daß Nationalstolz in Deutschland ein Tabu-Thema ist und gleich als faschis-tisch angesehen wird) ein Lied, welches die Faschisten für sich auslegen können und was sie sehr anspricht. Durch dieses Lied festigte sich dann auch das Bild der Böhsen Onkelz als rechte Kultband.

Stephan meint 1988, daß sie bei einigen Provokationen zu weit gegangen sind:

"Indem wir gemerkt haben, wenn wir versucht haben, einen patriotischen Ausdruck in unsere Lieder zu bringen, daß die Leute das nicht mehr verstanden haben. Daß die die Texte halt weglassen oder nicht hören wollen in denen wir singen, daß wir das nicht wollen, wie es 33-45 war. Die hören dann einfach nur den Chor, in dem es heißt 'Deutschland, Deutschland' und fangen an, die Hand hochzurecken. Da haben wir einen Fehler ge-macht, daß wir das nicht noch klarer dargestellt haben."

"Der nette Mann" wurde 1986 von der Bundesprüfstelle für Jugendgefährdende Schriften indiziert. Aus dem Indizierungsbericht: "Sie ist geeignet, Kinder oder Jugendliche sozialethisch zu desorientieren... Einige Lieder dieser Schallplatte propagieren nationalsozialistisches Gedankengut, andere fordern zu Gewalttätigkeiten auf und eines hat pornographischen Inhalt.." Die Onkelz konnten über den Indizierungsbericht nur lachen. Die Prüfer hatten die Lieder nicht nur, ihrer Meinung nach, falsch interpretiert, sondern auch die Texte nicht verstanden und sich ganze Textzeilen ausgedacht. Die Böhsen Onkelz sagen, sie hätten nur keinen Einspruch eingelegt, weil sie auf diese Platte inzwischen keinen Wert mehr legen.

Das Propagieren von nationalsozialistischem Gedankengut bezogen die Prüfer nicht etwa auf das Deutschlandlied, denn dieses wurde mit keiner Zeile in dem Indizierungsbericht erwähnt, sondern auf den Hooligan-Song Frankreich 84:

 

frankreich 84

im sommer 84 fahren wir nach frankreich um unsere national elf siegen zu sehen

um für unser land gerade zustehen, fußball europameister es gibt nur einen

deutschland heißt er, deutschland, deutschland ist die macht

ja, wir sehen uns in jedem fall im sommer 84 beim frankreichüberfall

laß uns unsere fahne hissen unseren gegnern vor die füße pissen, zeigt ihnen wer wir sind

 

"Die Band spielt damit auf die Ereignisse im Zweiten Weltkrieg an. Sie stellen den Kriegsbeginn mit Frankreich als positiv dar.. Das französische Volk wird wie Freiwild beschrieben.", interpretiert die Bundesprüfstelle das Lied. Frankreich '84 hatte für die Onkelz nichts mit Hitler oder dem Zweiten Weltkrieg zu tun, sondern nur mit der Europameisterschaft und der übertriebenen Liebe zur deutschen Mannschaft und der Hoffnung darauf, die Gegner zu besiegen.

Stephan 1988 dazu: "Da ging das Interesse an Fußball vielleicht ein bißchen zu weit, vielleicht auch an Ausschreitungen unter Fans usw., das ging halt ein bißchen verloren, das wurde vielleicht ein bißchen zu politisch dargestellt. Vielleicht haben wir auch einen Fehler gemacht im Texteschreiben und nicht deutlich genug ausgedrückt, was wir damit meinen. Ich meine, wir haben einen ziemlichen Haß auf die Franzosen gehabt zu dieser Zeit, wir haben da so auf die Schnauze bekommen von den Bullen, und das war so ein bißchen Haßtirade auch auf die, das war schon dabei, aber es sollte eigentlich keine Volksverhetzung oder irgend so ein Quatsch sein, also damit haben wir nichts am Hut."

Von den patriotischen Texten distanzieren sich die Onkelz heute, und auch von der Gewalt haben die Onkelz abgelassen, aber das Titelstück, der nette Mann, spielen sie immer noch. Sie sind der Meinung, daß es von den Prüfern falsch verstanden wurde.

 

der nette mann

kleine kinder hab ich gern, gestückelt und in scheiben

warmes fleisch, egal vom wem, ich will's mit allen treiben

ob tiere oder menschen, ich seh' gern alle leiden

blut beschmiert und mit großer lust, wühl' ich in eingeweiden

ich bin der nette mann von neben an, und jeder könnt es sein

schaut mich an, schaut mich an, ich bin ein perverses schwein

die gier nach qual und todesschreien macht mich noch verrückt

kann mich denn kein mensch verstehen, daß mich das entzückt

komm, mein kleines du sollst heut nacht mein opfer sein

ich freu' mich schon auf dein entsetztes gesicht, und die angst in deinem schreien!

 

Die Bundesprüfstelle: "..dieses Lied verherrlicht Kindesmißhandlungen und -zerstückelungen, es predigt Mord an kleinen Kindern... Perverses Menschenschlachten wird als herrlich, vorbildlich und nachahmenswert geschildert." Stephan sagt dazu heute:

"Wenn ich Richter bin und solche Lieder indiziere, dann muß ich schon auch verstehen, wie das gemeint ist. Ich denk', Leute, die an solch einer Position sitzen, müßten ein bißchen mehr Grips im Kopf haben... Mich interessiert die Psyche von Menschen. Deswegen schreib ich oft Lieder über Verrückte oder Gewaltverbrecher oder auch Kindermörder, weil das die absoluten Normalbürger Nummer 1 sind... Sicherlich ist der Text sehr provokant, sehr blutrünstig auch. Aber das ist ja kein Thema, was man beschönigen sollte... Wenn ich mir in der BILD-Zeitung oder im Stern Bilder von Kriegen angucke, dann sind die ja auch nicht koloriert oder beschönigt... Und genauso ist es mit dem Text auch. Ich finde es ein brutales und ätzendes Thema, und das sollte man auch auf seine fieseste Art darstellen. Ich find's nicht geschmacklos, würde es heute aber etwas anders schreiben, aber die Aussage ist o.k. Ich glaub', daß Leute die das richtig anhörten, wie Alice Schwarzer, das auch verstanden haben... Ich wollte damit den Leuten 'nen Spiegel vors Gesicht halten und ihnen sagen wollen, paß mal auf, dein Nachbar könnt' so jemand sein."

Und das Skinheadpublikum der Onkelz hat es höchstwahrscheinlich auch so verstanden wie es gemeint war, denn Gewalt gegen Frauen und Kinder war in der Szene stark verpönt.

"Der nette Mann" spielen die Onkelz immer noch auf vielen ihrer Konzerte, obwohl es verboten ist und sie dafür oft Strafe zahlen müssen. In Hannover 1996 waren zwei Polizisten extra dafür da, um darauf zu achten, ob dieses Lied gespielt wird. Die Onkelz spielten es natürlich trotzdem oder gerade deshalb, und Stephan machte dazu folgende Ansage: "Wir spielen dieses Lied nicht, um eine scheiß Plattenfirma wie Rock-O-Rama zu unterstützen, sondern nur, weil wir glauben, daß es in einer Zeit, wo es von Päderasten und Kindermördern nur so wimmelt, aktueller ist denn je und um euch zu zeigen, daß wir uns von niemandem etwas verbieten lassen. "Der 'fucking' nette Mann', für die Bullen!" Dafür mußten die Onkelz dann 40.000 Mark Strafe bezahlen. Edmund Hartsch: "40.000 Eier für ein brutales Lied gegen noch brutalere Kindermörder!!"

Aber die Bundesprüfstelle kritisierte nicht nur die Texte der Platte, sondern zum guten Schluß auch noch die Musik der Band. "...wobei es ihnen nur mit Mühe gelingt, ihren offensichtlichen Ekel vor dieser Art von entarteter Kunst zwischen den Zeilen zu verstecken.." wie es Klaus Farin und Eberhard Seidel-Pielen 1993 in ihrem Buch "Skinheads" ausdrücken. "Insbesondere stellen die Lieder auf der Platte keine Kunst dar und dienen ihr auch nicht." heißt es in dem Indizierungsbericht, "Ein Kunstwerk liegt nämlich nur dann vor, wenn ein bestimmtes Maß an künstlerischem Niveau vorliegt. Dies beurteilt sich nicht allein an ästhetischen Kriterien, sondern auch nach dem Gewicht, das das Kunstwerk für die pluralistische Gesellschaft nach deren Vorstellungen über die Funktion der Kunst hat." Mit anderen bzw. Farins Worten: "Was der Mehrheit nicht gefällt, ist keine Kunst und gehört verboten." oder "Was Kunst ist, drüber entscheiden immer noch wir."(E. Hartsch) BPS: "Die Lieder der vorliegenden Platte sind für die pluralische Gesellschaft ohne jede Bedeutung. Weder die Stilrichtung der Musik noch die Inhalte der Texte sind so bedeutsam bzw. von derart hohem künstlerischem Gewicht, daß sie der Kunst dienen würden." Den Onkelz schien dieser Vorwurf zu gefallen, und brüsteten sich 1996 mit der Textzeile "...entartete Kunst von den fantastischen Viern.."

Ein Fan: "Irgendwie ist die Indizierung des Albums sicher gerechtfertigt, auch wenn die Gründe dafür, wie sie die BPS angibt, lächerlich sind."

1985 erschienen zwei weitere LP's der Böhsen Onkelz: "Böse Menschen, böse Lieder" und "Mexico". Die Stücke hatten immer noch ähnliche Themen, allerdings gab es keine Songs mehr mit patriotischen Texten, und auch Fußballgewalt war für sie uninteressant geworden. Edmund Hartsch: "Stephan war inzwischen der Meinung, daß es sich nicht lohnte, auf ein Land stolz zu sein, das die Probleme seiner Jugend nicht ernst nahm. Einigkeit und Stolz waren für ihn Dinge, die nichts mehr mit nationalen Grenzen zu tun hatten." Statt dessen kamen Themen wie Religion und Politik zum Vorschein. Die Gewalt auf der Straße wurde nur noch als überlebensnotwendig und nicht mehr nur als "just for fun" beschrieben. Das Kindermörder-Thema wurde noch einmal in eindeutigerer Form aufgegriffen in dem Lied "Ein Mensch wie du und ich". Außerdem gibt es einen Song über das, was die Presse und dadurch wohl auch die Gesellschaft schon zu dieser Zeit über Skinheads dachte und in dem sie zeigen, daß sie mit Nazis nichts zu tun haben wollen. Als die LP letztendlich erscheint, haben sich allerdings einige der Bandmitglieder die Haare schon etwas länger wachsen lassen.

 

häßlich, brutal und gewalttätig

wir tragen alle hakenkreuze skinheads haben nur gewalt im sinn

ist es das was ihr hören wolltet, daß wir hirnlose schläger sind?

gewalt, gewalt, nackte gewalt,

wir sind häßlich, brutal und gewalttätig, wir schrecken vor nichts zurück

wir sind häßlich, brutal und gewalttätig, wir sind total verrückt

in den medien steht es immer wieder, daß wir schlägertruppsfür nazis sind

doch wir haben uns nichts vorzuwerfen denn es ist ihr gerede das stinkt

lüge, alles lüge, lüge, alles lüge,

 

nennt mich gott

nennt mich gott oder wie es euch gefällt

verkauft eure sünden für teures geld

der heiligenschein ist total verdreckt

die gläubiger sind - sie sind mit sünden befleckt

nennt mich gott und betet mich an

dicke priester sie lachen euch aus

sie leben wie fürsten und nutzen euch aus

 

gesetze der straße

zeig was du denkst, tu was du willst, nur verlier' nie dein gesicht,

zeigt keine schwäche, zeig keine angst, denn verlierer zählen nicht

gesetze der straße sind gebote der gewalt

gesetze der straße sind blut auf dem asphalt

kampf in den stadien, kampf in den straßen, nie endende gewalt

sind ausdruck des unmuts und der arbeitslosigkeit

 

haß

sie hindern dich so gut es geht, deinen weg zu gehen

unsere herrn politiker, sie wollen dich nicht verstehen

ich hab'n haß, so'n haß, sie reden nur und reden und nichts kommt dabei raus

viele worte keine taten, für nichts auch noch applaus

ich hab 'n haß, so 'n haß, arbeitslose jugendliche sind heute schon normal

die reichen immer reicher, alles andere ist egal

meine verachtung haben sie, ich kann sie nicht mehr sehen

das sind menschen die von freiheit reden und nicht dazu stehen

 

Kevin 1987: "Das ist überhaupt kein Thema, weil: Politik in diesem Land ist undurchführbar. Deswegen interessiert mich Politik einen Scheißdreck, ja, ich will nur leben, wie ich will, das ist alles. Politik, und sich politisch überhaupt organisieren ist das letzte! Das ist so ne Zeitverschwendung... Wir waren nie politisch motiviert. überhaupt nicht. Uninteressant. Saufen, Pogo und richtig Gewalt ohne Ende, war alles!" Stephan 1987: "Politik ist ein pures Gerangel um Macht und Geld, der Mensch und seine Bedürfnisse gelten nichts. Die einzige Partei, die zur Zeit noch einen Hauch von Glaubwürdigkeit besitzt, sind die Grünen. Sie könnten eine echte Alternative bieten, wenn sie zur Geschlossenheit zurückfinden würden..." und 1988: "Also, ich wähl nicht mehr. Ich hab früher gewählt und eigentlich auch ziemlich links gewählt, weil mit rechten Parteien kann ich mich ja überhaupt nicht identifizieren. Aber ich kann mich mittlerweile nicht mehr mit linken Parteien identifizieren. Ich kann mich mit gar niemanden mehr identifizieren."


 

 

 

 

"Mach's gut, du schöne Zeit!"

(Ausstieg aus der Skinheadszene)

Vor einem Skinheadpublikum spielten die Böhsen Onkelz nur auf drei, vier Konzerten. Ihre Premiere als Skinheadband hatten sie im Herbst 1983 in Berlin vor einem Publikum von ca. 50 Skinheads, und nur hier wurden die Lieder "Türken Raus" und "Deutschland den Deutschen" gespielt. Beim zweiten Skin-Konzert der Onkelz im August 1985 wurden sie immer wieder vom Publikum aufgefordert, diese beiden Songs zu spielen, doch das taten die Onkelz nicht. Schon zu dieser Zeit waren die Onkelz nicht mehr fest überzeugt vom Skinheadtum. Alle bis auf Kevin hatten ihre Haare etwas länger wachsen lassen, denn sie merkten, in was für eine Richtung sich diese Szene entwickelt hatte. Nach diesem Konzert merkten schon viele der ultrarechten Fans, daß sie die Songs der Onkelz vielleicht auch ein bißchen falsch interpretiert hatten, daß die Onkelz doch nicht so "rechts" waren, wie sie selber, und somit für sie nicht wirklich "hart" waren, wie es sich für einen Skinhead ihrer Meinung nach gehörte. Stephan: "Wir waren uns damals nicht bewußt, daß wir ein Sprachrohr sind für viele Leute, die unsere Texte dann auch falsch interpretieren können." In Skinheadfanzines konnte man nach dem zweiten Konzert lesen, daß die Onkelz "zu heavy Metal" wären, auch weil sie sich nicht mehr nach den starren Klamottenregeln der Szene richteten und Gonzo sogar in einem Motörhead-T-Shirt auf die Bühne kam. Aus einem Skinheadfanzine von 1985: "...spätestens seit der zweiten LP dürfte wohl jedem aufgefallen sein, daß die Onkelz lange nicht mehr dieselben sind wie früher."

Beim dritten und letzten Konzert der Böhsen Onkelz vor einer Glatzenmenge, im November 1985, wurde ihnen endgültig klar, daß sie mit dieser Szene nichts mehr zu tun haben wollten. Die ganzen Hitler-Fanatiker, die bei dem Konzert den Arm hoben und nur noch rechte Parolen schrien, brachten sie zu diesem Schluß. Stephan: "Da wurden halt zwischen den Liedern nur ausländerfeindliche Parolen skandiert. Das war irgendwann so ekelhaft, daß wir irgendwann gesagt haben: das ist nicht mehr unser Weg. Also, wenn's nur noch darum geht, dann wollen wir damit nichts mehr zu tun haben. Und das war auch wirklich so ein auslösender Moment, wo wir auch gesagt haben: vor den Leuten nicht mehr!"

Die ersten öffentlichen Distanzierungen in Interviews gab es bereits im Frühjahr 1986: "Wir hatten keine Lust mehr, uns in eine Ecke drängen zu lassen, aus der wir nicht mehr herauskommen. Wir wollten unseren Spaß haben, und das war zum Schluß nicht mehr möglich.". Und Kevin, der noch bis 87/88 mit Glatze rumlief sagte damals: "Ich lasse mir doch von keinem Arsch sagen: Weil ich Skinhead bin, muß ich jetzt singen "Sieg Heil'". Pe 87: "Es gibt sicherlich Gruppen, die Faschistisches im Sinn haben!" Gonzo: "Aber mit so was haben wir nie etwas am Hut gehabt!" Stephan 86: "Wir waren damals, wo's in Deutschland angefangen hat, dabei und haben die ganze Bewegung mit aufgebaut. Und dann siehst du, wie ein paar Idioten die ganze Sache kaputt machen... Zu viele Leute, die früher die Bewegung geprägt haben, sind verschwunden, zu viele Leute, die diesen Ruf nicht halten können, sind dazu gekommen." Die viel besungene Einigkeit innerhalb der Szene war längst verflogen.

Die rechtsextremen Parteien versuchten, die Skinheads für sich zu gewinnen, und einige ließen sich mitziehen. Sie tauchten bei den Fußballspielen und Skinheadkonzerten auf und verteilten ihre Flugblätter. Die Onkelz haßten diese Leute, und verboten schon von Anfang an, daß sie bei ihren Konzerten Werbung für ihre Parteien machten. Stephan 1995: "Mir hat es schon damals an der Skinheadbewegung gestunken, daß irgendwann jede Scheiß-Nazi-Partei meinte, Skins für ihre Zwecke rekrutieren zu müssen und damit bei einigen Vollidioten auch noch offene Türen eingerannt hat. Diese Schlägertrupps müssen endlich aufwachen und etwas für ihren Scheißgrips tun."

Auch die Onkelz wurden immer wieder von diesen "Scheitelträgern", angesprochen, um für Skinheads zu spielen, die sie schon auf ihre Seite gezogen hatten. Edmund Hartsch: "In einer Zeit, als Konzerte rar waren, als ihnen die deutsche Skinheadszene zu Füßen lag, als sie jedes Skinheadtreffen mit einem Auftritt ihrer Band dominieren konnten und ihr Einfluß auf die Glatzen groß war, weigerten sie sich, für rechte Parteien auch nur eine Note anzuschlagen." Gonzo: "Die von der FAP und NPD kamen auf uns zu, um uns für sich zu gewinnen. Da haben wir gesagt: 'Haut ab, wir wollen nichts mit euch zu tun haben' Das wurde dann so schlimm, daß wir gesagt haben: 'Es geht nicht mehr, wir können uns damit nicht mehr identifizieren, es sind zu viele Nazis in der sogenannten Bewegung.'"

Zwischen 85 und 86 entfernten sich die Onkelz immer mehr vom Skinheadkult, von Patriotismus und ausländerfeindlichen Sprüchen und trennten sich auf dem Höhepunkt ihrer Skin-Karriere von den meisten ihrer alten Fans. Allerdings bestand ihr Fankreis auch zu ihrer Skin-Zeit nicht nur aus Skinheads und Hooligans. Immer noch gab es einige Punks, die sich nicht von den Regeln der "neuen" Punkszene vereinnahmen und sich von der immer besser werdenden Onkelzmusik begeistern ließen, und auch damals gab es schon einige Fans aus der Heavy-Metal-Szene, von denen aber kaum einer auf den Konzerten auftauchte. Ein Fan (seit 1985): "Ich habe die Entwicklung der Onkelz so gesehen, daß ihr Ruf eine Projektion ihrer Zuhörer ist. Schlimm genug, daß sie sich nicht dagegen gewehrt haben, aber sie waren für mich nie rechtsextrem. Allerdings konnte ich mich mit dem Publikum der alten Onkelz nie anfreunden, denn diese gehörten zu dieser extremen Szene. Nach dem Ausstieg der Onkelz aus der rechten Szene wurde offensichtlich, wie sehr das Publikum die Band mit ihren eigenen Definitionen behaftet hat, denn wenn man heute in rechtsextremen Kreisen das Wort 'Onkelz' in den Mund nimmt, kann man schnell rennen oder aber man läßt sich verhauen." Ein anderer Fan sagt: "Bei der Beurteilung muß man auch immer die damalige Zeit und die damaligen Umstände berücksichtigen. Man kann nicht mit dem Wissen von 1997 irgendwelche Sachen von 1982/83 beurteilen dazu muß man sich schon die Mühe machen und die damaligen Gegebenheiten betrachten."

Stephan: "Da gibt's nichts zu beschönigen: Wir waren ausländerfeindlich, aber das hatte nichts mit Politik zu tun... Wir waren ja nicht politisch motiviert, sondern im Prinzip hat uns die Straße motiviert. Die Straße hat uns diese Einsicht gegeben, die ständigen Schlägereien mit ausländischen Jugendgangs und so weiter und so fort. Das ist der Anlaß, solche Statements abzulassen. Und nicht, weil wir uns nach einem vierten Reich sehnten. Ich hab nie eine Rassenreinheit oder so was propagiert"

Für die Bandmitglieder war der Ausstieg aus der Skinheadszene wohl schon eine größere Veränderung in ihrem Leben, aber sicherlich nicht so ein großer Schritt, wie sich das später viele vorstellten, und schon gar nicht von heute auf morgen. Es war kein Wandel sondern es war ihre Entwicklung, vom Kind zum Jugendlichen, zum eigenständigen Erwachsenen mit Verantwortung. Vom Punk zum Skin zum Rocker, keiner bestimmten Gruppe zugehörig, Schritt für Schritt, vom Müllmann zum Rockstar. Und es ist auch schwer, das alles gleichermaßen auf alle vier Onkelz zu beziehen. Jeder hat sich im Lauf der Zeit individuell weiterentwickelt, Meinungen geändert, Fehler eingesehen. Sie übernahmen Verantwortung, wurden offener für andere Leute, andere Szenen und Kulturen, fingen an, viel in fremde Länder zu reisen, änderten ihren Musikgeschmack und wechselten die Freundeskreise. Und ihnen wurde wohl auch die Verantwortung bewußt, die sie gegenüber ihrem immer größer werdenden Fankreis haben. Kevin wurde zum Startätowierer in Frankfurt, Stephan machte einen Skateshop auf und Pe machte seinen Zivildienst. Edmund Hartsch schrieb in seinem Buch über seine ersten Begegnungen mit Stephan und Pe 1987:

"Stephan, ein verheirateter Mann von 24 Jahren erzählte mir damals, daß er und seine Freunde eine Band hätten, daß sie die Böhsen Onkelz hießen und in Skinhead- und Hooligankreisen eine Kultband gewesen wären, daß sie aber seit einiger Zeit das Gefühl hatten, dieser Szene entwachsen zu sein. Sie wollten sich musikalisch weiterentwickeln, und ich erinnere mich, daß ebenfalls die einsetzende Politisierung in der Skinheadszene ein Grund ihres Ausstiegs gewesen ist... Sie begegneten mir mit Toleranz und selten erlebter Offenheit und sie nahmen kein Blatt vor den Mund. Ich hatte nicht den geringsten Grund an der Ehrlichkeit ihrer Aussagen zu zweifeln. Vielleicht sollte ich erwähnen, daß ich zu dieser Zeit sehr lange Haare hatte, mit meiner afrikanischen Freundin zusammen wohnte, andere Musik als Stephan und Pe hörte und aus einem komplett anderen Milieu stammte."


 

 

 

 

"Onkelz wie wir"

(Wechsel ins Langhaarigen-Lager)

1987 wechselten die Böhsen Onkelz von Rock-O-Rama zu Metal Enterprises, weil sie mitgekriegt hatten, daß Rock-O-Rama inzwischen mit einigen faschistische Bands zusammenarbeitete. Zum anderen haben die Onkelz (bis heute) für die drei Rock-o-Rama-LP's (zusammen schätzungsweise 14.000 mal verkauft) insgesamt nur 4000, DM bekommen, obwohl einige Leute behaupten, die Onkelz würden heute noch vom Verkauf der "alten Naziplatten" profitieren.

Bei "Metal Enterprises" erschien das vierte Onkelz-Album "Onkelz wie wir". Mit dem Lied "Erinnerungen" verabschiedeten sie sich von ihrer wilden Jugend und wohl auch von der Skinheadszene. Für viele der Skinheads war das das Ende ihrer Onkelz-Begeisterung, einige hatten ebenfalls gemerkt, daß die Szene kaputt war und folgten den Onkelz.

 

erinnerungen

hast du wirklich dran geglaubt, daß die zeit nicht weitergeht

hast du wirklich dran geglaubt, daß sich alles um dich dreht

man hat sich reichlich gehaun, und nie dazugelernt

viel alkohol, viel frauen, von der wirklichkeit entfernt

ich erinnere mich gern an diese zeit, eine zeit die man nie vergisst

doch ich muß mein leben leben, meinen weg alleine gehen

machs gut, du schöne zeit, auf wiedersehen

es war nicht alles gold was glänzte, doch es war schön

es war nicht alles gold was glänzte, du trägst die narben der zeit die nie vergehen

 

Ein anderer Song auf der LP war "Falsche Propheten" Edmund Hartsch: "..die letzte Nachricht an die deutschen Skinheads. Mehr konnten sie für ihre alten Fans nicht tun."

 

falsche propheten

ganz egal wie er auch heißt, jeder gott hat seinen preis

ich gebe meinem leben einen sinn und geb mich ganz den onkelz hin

die zehn gebote lassen uns kalt, nur leere worte, wir sind priester der gewalt

liebe onkelz, macht mich fromm, euer wort will ich verkünden

ich sauf' nur noch, ich rauf' nur noch, und für euch will ich auch sündigen

onkelz und baghwahn, falsche propheten, glaubt an euch selbst, hört auf zu beten

befreit eure hirne vom falschen schein, geht eure wege, eure wege allein

 

Das Hauptthema der Platte aber war Alkohol, der immer noch eine große Rolle im Leben der Musiker spielte. Denn in ihren Songs verarbeiteten die Onkelz schon immer ihre persönlichen Erlebnisse und Eindrücke. Das änderte sich auch später nicht.

Auch das Kindermörder-Thema kam nochmal zum Vorschein, diesmal wohl als Verarschung an die Bundesprüfstelle, im Titelstück "Onkelz wie wir...":

 

 

onkelz wie wir

hast du auch schon mal mama's kleider probiert, vor'm spiegel in strapsen onaniert

bist du vizepräsident vom kindermörderclub

hast du als kind schon schwesters puppen masakriert, hast du dir selbst hinters ohr drei 6er tätowiert

ist dein einziger freund ein gummipuppenkopf

onkelz wie wir, die fantastischen vier

jürgen bartsch heißt dein idol, du magst ihn lieber noch als alkohol

ist dein traumberuf auch kindergärtnerin

 

Die Themen änderten sich nicht großartig, aber die Musik wurde rockiger und zog dadurch auch andere Fans an. Die Platte wurde 15.000 mal verkauft und fand bei vielen Metal-Fans Gefallen. Hauptsächlich bei Kids aus sozial benachteiligten Schichten. Viele der rechten Skins waren enttäuscht über den Ausstieg der Band aus der Skinheadszene und bezeichneten sie als "linke Verräter". Aus einem Skinfanzine von 1988: "Böhse Onkelz: Oh Gott! Dieser verdammte Verrat! Jeder aufrichtige Skinhead dieser Welt muß sich spätestens seit zwei Jahren klar sein, daß Böhse Onkelz die totalen Motherfucker sind! Als deutscher Skin hat man politisch zu sein. National bis zum letzten. Kein wenn und aber. Ohne Kompromiß! Wir wollen das Reich.."

Die Onkelz sagten zu dieser Zeit: "Wir glauben, daß unsere einzige Chance sowohl musikalisch wie auch menschlich-politisch im Crossover liegt. Es hat keinen Sinn, wenn Glatzen auf Punks, Metaller auf Hippies und jeder gegen jeden losgehen. Statt uns gegenseitig zu bekämpfen, sollten wir viel mehr zusammenhalten gegen die, die uns alle zusammen unterdrücken, gegen korrupte Politiker, Umweltzerstörer, Kriegstreiber und gegen ein politisches System, für das der Einzelne ein Dreck ist..."

Die Onkelz äußerten sich schon damals in Interviews eindeutig gegen Rechtsextremismus und gegen viele ihrer alten Fans und riskierten damit, daß sie treue Fans verloren. Doch einige, die es noch nicht kapiert hatten, liefen weiterhin zu ihren Konzerten, was für die Onkelz langsam zum Problem wurde. Allerdings machten die Skinheads nur noch einen sehr kleinen Teil des Onkelz-Publikums aus, auf jeden Fall nicht mehr als 10%. Trotzdem sprach die Presse von "Skinheadkonzerten". 1988 sagte Stephan in einem Interview:

"Ich kann nicht mehr auf der Bühne stehen und zugucken, wie die Leute den rechten Arm hochstrecken und 'Sieg Heil' schreien... Ich hab eigentlich keine Probleme mit Skins, solange sie sich so verhalten, wie andere Fans auch. Ich hab´s gern, wenn ein Langhaariger dasteht, ein Skin oder ein Punk, und sich eben alle bei dem Konzert verstehen, und das ist eigentlich mein einziges Problem, ansonsten hab ich keine Schwierigkeiten mit denen. Ich war ja schließlich Jahre lang selbst einer, nur kann ich mich nicht mehr unbedingt mit der ganzen politischen Ideologie identifizieren. Die Sache wird halt langsam zu kraß, und das war auch ein Ding, wo wir gesagt haben, wir wollen uns davon, auch äußerlich, ein bißchen distanzieren... Ich würde viele Texte, die ich früher geschrieben habe, niemals mehr so schreiben, das würde ich jetzt ganz anders machen. Das ist einfach der Entwicklungsprozeß. Was mich stört, ist der politische Nachgeschmack in unserem Namen, den würde ich schon ganz gerne los haben. Ich hab auch keine Lust, mit aller Gewalt, vielleicht mal einen Titel gegen Nazis zu schreiben, damit die Leute das endlich glauben würden. Das würde ich irgendwie falsch finden. Ich denk mir einfach, wir müssen was dafür tun, auf Konzerten, vielleicht mit Leuten sprechen, denen erklären, wie wir drauf sind, weißt Du, damit sie uns nicht falsch verstehen. Das ist mir wichtiger, als wenn ich das an die große Glocke häng. Da kämpf ich lieber meinen kleinen Kampf, das ist mir lieber als die Schleimerei überall."

Die Haare der Vier wurden immer länger und es erschienen noch drei weitere Alben bei Metal Enterprises: "Kneipenterroristen"(1988), "Lügenmarsch"(1989) und "Es ist so weit"(1990). Die Band bekam immer neue Fans, und ihre Platten verkauften sich immer besser. "Es ist so weit" hatte sich bereits nach zwei Wochen, ohne Werbung und mit fast keinen Live-Konzerten 30.000 Mal verkauft, was beachtlich war, betrachtet man zudem noch die Boykotte, mit der die Band belegt wurde. Weder im Radio noch im Fernsehen wurden die Lieder gespielt, und die meisten großen Geschäfte verkauften keine Onkelz-Platten. Schon zu dieser Zeit wimmelte es nur so von Gerüchten, Lügen und Spekulationen über die Band. Die Tagespresse berichtete nur sehr vereinzelt über sie. Aber wenn, dann wurden die Onkelz als Nazi- oder zumindest als Skinheadband bezeichnet. Die wenigen, die wußten, daß sich die Onkelz geändert haben wollen, hielten das für eine Lüge.

 

lügenmarsch

für die leute die uns immer wieder schreiben: mit langen haaren können wir euch nicht leiden

für die leute von der presse und so, noch ein paar lügen für die zeitung auf dem klo

für die, die unsere platten verbieten, noch ein paar klischees für all die lieben

die immer reden und reden, die alles wissen, nur nichts vom leben

und das ist unser lügenmarsch

für die unsere texte nicht verstehn, herreinspaziert, denn hier gibts was zu sehen

für all dieses gerede, für all diese lügen, für all diese leute die sich selbst betrügen

wir sind die totalen metaller, wir haben haare bis zum arsch und das ist unser lügenmarsch, leckt uns am arsch

 

nie wieder

du weißt was es heißt, du kennst den preis in diesem spiel das leben heißt

mach dich bereit, es kommt die zeit, in der du wissen mußt wie's weitergeht

du hast den dreck von der gosse geleckt, du weißt wie scheiße schmeckt

du hast die straßen geseh'n wie freunde untergehn

nie wieder, nie wieder, nie wieder letzter sein

nie wieder, nie wieder, nie wieder ganz unten sein

du sahst es nicht ein, für scheiß sperrt man dich ein, dieses signum trägst nur du allein

 

Von Anfang 1986 bis Anfang 1989 gab es gar keine Konzerte der Böhsen Onkelz, denn ihr Ruf war ihnen vorausgeeilt, und so wollte kaum ein Veranstalter oder Hallenvermieter etwas mit ihnen zu tun haben. In Frankfurt und Umgebung hatten sie schon seit Punktagen Auftrittsverbot. Außerdem waren die Onkelz auch ersteinmal vorsichtig, was ihr Publikum betraf, da sie auf keinen Fall mehr vor einem Haufen Rechtsradikaler spielen wollten, obwohl das erste Konzert vor einem gemischten Publikum, Anfang '86, recht friedlich verlief und nur noch wenige Skinheads auftauchten. Ingo Nowotny von Metal Enterprises, der eigentlich eine Managerfunktion für die Onkelz übernehmen wollte, entpuppte sich als unfähig, und die Onkelz mußten alles selbst organisieren. Zwischen 89 und 91 gab es insgesamt sieben Onkelz-Konzerte in vier verschiedenen Städten, mit einer Durchschnittszuschauerzahl von 500 Leuten. Auf drei dieser Konzerte gab es ärger mit rechten Skinheads, deren Zahl aber nie mehr als 50 Personen betrug. Der Großteil der Konzertbesucher kam aus der Metal-Szene und buhte die Skinheads mit ihren rechten Parolen jedesmal aus. Auch die Band äußerte sich jedesmal eindeutig, wenn Sprüche wie "Deutschland den Deutschen" und "Ausländer raus" oder Hitlergrüße aus dem Publikum kamen und ließen diese Leute von der Security rausschmeißen. Oft sprach Stephan auch schon vor dem Konzert einige Worte zu den Fans, um einen friedlichen Verlauf zu erzielen. Seit 1989 war die Security angewiesen, deutlich erkennbare Faschisten schon am Eingang abzuweisen und seit 1991 wurden vor dem Konzert Flyer verteilt, auf denen die Onkelz den Fans erklärten, daß sie mit Faschismus und rechten Parolen nichts (mehr) zu tun haben wollen. Bei einigen Konzerten tauchten Autonome und Antifa-Leute auf, um gegen "Fascho-Konzerte" zu demonstrieren. So kam es manchmal zu leichten Prügeleien zwischen ihnen und Onkelzfans, zu ernsten Ausschreitungen kam es aber erst 1991 in Berlin: Pe: "In Berlin gab es ein Konzert in der 'Neuen Welt'. Autonome, die nicht gerafft hatten, daß die Onkelz mit den mittlerweile rechtsverschrienen Skinheads seit Jahren nichts mehr am Hut hatten, störten die Konzertvorbereitungen erheblich und schlugen auf kleine unschuldige Onkelzfans ein. Eine traurige Sache! Maßen sie sich doch das Monopol von Gehirn und Toleranz an." Schon im Vorfeld gab es viele Diskussionen um den Auftritt der Böhsen Onkelz, und man versuchte, ihn mit allen Mitteln zu verhindern. Der Veranstalter wurde als Nazi-Sympathisant beschimpft, und andere Konzertagenturen sagten ihre geplanten Konzerte bei ihm ab. Am Tag des geplanten Auftrittes der Böhsen Onkelz demonstrierten Autonome, Antifas und türkische Kids gegen dieses Konzert und versuchten, die Halle zu versperren. Es gab große Schlägereien zwischen Onkelzfans, Autonomen und der Polizei. Fast jeder in Berlin war davon überzeugt, daß die Böhsen Onkelz eine "Naziband", eine "Nazi-Skinband", eine "Skinheadband", eine "Neonaziband", eine "Rechtsband" waren, rechte oder neonazistische Lieder spielten oder zumindest ein Neonazipublikum hatten. Das ist auf jeden Fall das, was vor und nach dem Konzert in der Presse zu lesen war. Dieser Auftritt hatte zur Folge, daß die Onkelz bis heute nicht mehr in Berlin gespielt haben, und daß viele andere Städte Angst vor Böhse-Onkelz-Konzerten kriegten.

1990 wechselten die Böhsen Onkelz wieder die Plattenfirma, da auch Ingo Nowotny von Metal-Enterprises versuchte, die Onkelz in der rechten Ecke zu halten, weil er sah, wieviel Rock-O-Rama mit dem Verkauf von Faschoplatten verdiente. Er organisierte für sie z.B. Auftritte zusammen mit Faschobands, was die Onkelz immer verweigerten, und selbst ihre Auftritte organisieren mußten. Edmund Hartsch: "Wenn es nach ihm gegangen wäre, so schien es, dann hätten sie jetzt noch Glatzen und würden mit Hosenträgern und Fred Perrys bekleidet, 'Oi, Oi, Oi' gröhlend auf einer Festzeltbühne stehen."

Bei Bellaphon Records erschien dann 1991 ihr achtes Album "Wir ham noch lange nicht genug", welches wieder sehr erfolgreich verkauft wurde. Inzwischen begeisterten die Onkelz mit ihrer Musik die unterschiedlichsten Leuten aus den verschiedensten Schichten. Stephan: "Früher hast du jeden zweiten Tag gekotzt, weil du dich wieder vollgesoffen hast. Das war ein zentrales Thema deines Lebens, und deshalb hast du auch darüber gesungen. Inzwischen sind einige Dinge dazugekommen, die vielleicht wichtiger sind als das Saufen." Zwischen den Metal Enterprises-CD's und der "Wir ham noch lange nicht genug"-CD liegt ein großer Schritt. Die Lieder sind um einiges professioneller geworden, die Texte sind anspruchsvoll und z.T. richtig philosophisch, aber eben auf Onkelz-Art, wie z.B. die Ballade: "Wieder mal 'nen Tag verschenkt"

 

wieder mal 'nen tag verschenkt

mhh, ein neuer tag beginnt, auf der suche nach dem sinn,

dem sinn in meinem leben, doch ich kann ihn nicht finden

war´s das schon, kann das alles sein, was kommt danach, wann ist es vorbei

wer kennt die antwort auf diese fragen

die tage vergehen, nichts passiert, nichts ist geschehen, und es rebelliert

in den falten meines hirns, in den ecken meiner seele

ich hab nächtelang gezecht, mich ins koma gesoffen, oft gezielt, doch nie getroffen

ich weiß wie's ist der arsch zu sein, wieder mal 'nen tag verschenkt

 

"...das sind Lieder, die das Leben schreibt, Schicksalsmelodien.." heißt es in einem anderen Lied. Edmund Hartsch: "Kein intellektuelles Drumherumgerede und weinerliches Dummmgeschwätz, sondern die Dinge beim Namen genannt, so daß jeder etwas damit anfangen konnte. Griffige prägnante Aussagen, nachvollziehbar und leicht verständlich." Wie es Onkelzsongs schon immer waren, waren auch die "W.h.n.l.n.g."-Lieder offen und direkt. In ihren Worten, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, sangen die Onkelz das, was sie dachten. Das war es, was die Band für die Fans so glaubwürdig machte. Die wenigsten Journalisten empfanden auch so. Sie fanden keinen Bezug zu den Liedern und Texten, hörten, wenn überhaupt, nur kurz rein, und bezeichneten sie eher als verlogen, banal und dumm. Vor allem, weil sie immer nur die Vergangenheit der Onkelz im Kopf hatten und ihre Meinung über die Band schon vorher feststand. Stephan: "Warum seid ihr denn Journalisten geworden? Weil ihr keine Musik machen könnt, weil ihr zu beknackt seid, die Texte zu verstehen."

Auf der „W.h.n.l.n.g."-CD gibt es unter anderem auch zwei Lieder an die gehaßte Presse:

 

zeig mir den weg

er kennt die antwort auf alle fragen, er weiß heute schon,was morgen ist,

der prophet in diesen tagen wißt ihr,wer es ist

das geschwür in meinem magen, nennt sich journalist

zeig' mir den weg, wenn du wirklich alles weißt, zeig' mir den weg

jeder braucht die zeit, die zeit zum lernen

man kommt nicht auf die welt und sieht die dinge,wie sie sind

jeder macht mal fehler große oder kleine,

jeder macht mal fehler, nur du machst keine

 

ach, sie suchen streit

...dann gibt es noch die einen, ihr wißt,von wem ich rede

die lügner & denunzianten, die nur scheiße von sich geben

was maßt ihr euch an, wer gibt euch das recht

benutzt euer gehirn bevor ihr sprecht


 

 

 

 

"Meister der Lügen"

(Presse und so)

 

"Wahrheit ist, was vom Medienmarkt als solche verkauft wird."

(Farin & Seidel-Pielen)

Daß die Medien einen großen Einfluß auf die öffentliche Meinung haben, ist klar. Wenn man uns Menschen nur oft genug aus verschiedenen Quellen eine bestimmte Sache erzählt, glauben wir es irgendwann und verbreiten diese Dinge automatisch auch an unsere Mitmenschen weiter, oft ohne, daß wir die Dinge vorher auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft haben. Man kann sich einfach nicht mit allen Themen intensiv beschäftigen, und so bleibt uns gar nichts anderes übrig, als auf die Seriosität der Medien zu vertrauen. Da die Presse viel dafür tut, eine Geschichte so aufregend wie möglich darzustellen und ihre Informationen meist auch nur aus anderen Zeitungen hat, kommt es schnell zu Gerüchten. Es entstehen Mythen, die oft wenig mit der Realität zu tun haben. Ein, zwei Zeitungen schreiben etwas, von dem sie glauben oder glauben wollen, daß es wahr ist, die anderen übernehmen dies, die Leser übernehmen das auch wieder und verbreiten es unter den Menschen, bis es fast alle, die sich nicht intensiv mit diesem Thema beschäftigt haben, glauben.

Die Medien spielten und spielen eine große Rolle dabei, daß die Böhsen Onkelz in der öffentlichkeit als Naziband darstehen.

Ein Fan: "Warum konnte Hitler die Juden umbringen lassen? Weil man den Deutschen irgendwelche Lügen oder Halbwahrheiten erzählt hatte. Diese Göbbelschen Propagandamethoden wurden nach dem II. Weltkrieg noch verfeinert heute bestimmen das Fernsehen und die Zeitungen die Meinung der meisten Menschen. Denn wenn man ihnen einen beliebigen Text vorsetzt, am besten noch mit einem netten, leicht verdaulichen Kommentar versehen kann man wunderbar die Meinung manipulieren. Die wenigsten machen sich die Mühe, diese Dinge zu hinterfragen und sich eine eigene Meinung zu bilden. O.K. der Vergleich mit Hitler und den Juden ist hier vielleicht etwas unpassend, war aber für mich der einleuchtendste und überzeugendste. Warum hat denn damals diese Sachen niemand hinterfragt weil es bequem war?!"

In den frühen Jahren der Onkelz gab es kaum irgend etwas über sie in der Presse zu lesen. Erst als sie schon längst aus der Skinheadszene ausgestiegen waren, Anfang der neunziger, wurde die Presse auf einmal aufmerksam auf sie und schrieb von der Faschoband, die sich jetzt angeblich ändern will. Wobei Leser, die die Geschichte der Böhsen Onkelz genauer kannten, beobachten konnten, daß es in den Artikeln derjenigen, die soviel Negatives über die Onkelz schrieben, von Fehlern nur so wimmelte. Daten, Namen, Fakten wurden vertauscht, manipuliert, so verändert, bis sie in das Bild, das die Presse von den Böhsen Onkelz haben wollte, paßten. Liedtexte wurden verändert oder ganz ausgedacht, es wurden Bilder von ganz anderen Bands veröffentlicht und als die Böhsen Onkelz bezeichnet, und immer wieder wurde behauptet, daß "Türken Raus" auf der ersten LP veröffentlicht wurde, und sie deshalb indiziert wurde. Außerdem verlegte die Presse die Distanzierung der Böhsen Onkelz von der Skinheadszene oft in die Jahre zwischen 90-95, die Punkzeit wurde meist ganz verschwiegen. Das paßte nicht in das Bild der Medien, sie "wußten", Punks sind links und Skins sind rechts, und in ihrer Welt mußte das alles so seinen Platz haben, und wehe, jemand brachte da was durcheinander.

Sicherlich ist es nur menschlich wenn einem mal ein paar Fehler bei einem Artikel unterlaufen, aber auffällig war es schon, daß gerade diejenigen, die über die Onkelz meckerten und sie als Naziband bezeichneten, diejenigen waren, die gar keine Ahnung von dem Thema hatten und sie unbedingt als die böse Fascho-Band darstellen wollten. Die Leser, die vorher nichts über die Onkelz wußten, mußten zwangsweise das glauben, was die Presse ihnen über diese Band berichtete.

Die Grundaussage der Presse war, daß sich die Onkelz nur deshalb von der rechten Skinheadszene abgewendet hatten, um mehr Geld zu verdienen. Ihre Vergangenheit wurde oft nur mit dem Song "Türken raus" beschrieben. Farin & Seidel-Pielen: "Ein pubertärer Haßsong, der schnell wieder in Vergessenheit geraten wäre, wenn er sich gegen Punks, Hippies oder Bullen gerichtet hätte... den kein einziger unserer Kollegen, die wir fragten, jemals gehört hat, auch nicht diejenigen, die ihn in ihren Artikeln als 'Beweis' für die rechtsradikale Ausrichtung der Onkelz anführten." Es wurde behauptet, die Onkelz hätten gemerkt, daß man in dem kleinen Kreis der Rechten nicht genug Geld machen könnte und daß die Geschäfte ihre Platten nicht verkaufen und daß sie deshalb „von heute auf morgen links geworden" sind, in Wirklichkeit aber noch rechts sind, ihre neueren Liedtexte auch nicht das Gegenteil beweisen und daß sie lauter rechtsradikale Fans haben. Die meisten Journalisten, das merkte man, schrieben nur voneinander ab. Kaum einer hielt es für nötig, genauer zu recherchieren oder sich auch nur eins ihrer Lieder einmal richtig anzuhören. Sie waren an einer aufregenden, reißerischen Story interessiert, die die Leser empören und schockieren sollte. Nur zu schreiben, "sie waren früher Skinheads und jetzt nicht mehr", wäre recht langweilig gewesen. Deshalb dichteten sie sich Dinge dazu, um es noch spannender zu machen. Stephan: "Ich krieg Presseartikel in die Hand, wo über Ausschreitungen nach Konzerten von uns die Rede war, wo Ausländerheime zerschlagen wurden, an Orten, wo wir niemals gespielt haben. BILD-Zeitung Berlin ruft mich an: 'Erzähl doch mal was über deine Naziband!' Sag ich: 'Wir sind keine Naziband.' &emdash; 'Ja, was soll ich denn dann schreiben?' So wird recherchiert."

Kommentar eines Fans: "Es gibt eben noch viel zu viele, die nur von Vorurteilen existieren können, ansonsten gehen sie jämmerlich gelangweilt zu grunde"

Edmund Hartsch: "Wer den Onkelz Rechtsradikalismus vorwerfen wollte, der mußte schon sehr tief graben, lange zurückrechnen und der durfte nicht enttäuscht sein, wenn er nur dümmlichen Patriotismus, Russellsches Wahngeschwätz und Gewalt gegen jeden und alles finden würde."

Einige verstanden es als ihren Beitrag gegen Rassismus, einen negativen Artikel über die Böhsen Onkelz zu schreiben. Immer wieder war von der "Aufhetzband für Neonazis", von "lauwarmen Distanzierungen" und von alten "Naziplatten" und der "verbotenen Platte" die Rede, ohne irgendwelche Hintergründe dazu zu kennen. Einige erwähnten nicht mal, daß sich die Onkelz von der rechten Szene distanziert hatten, sondern schrieben nur von einer Neonaziband. Die anderen versuchten krampfhaft, in ihren neueren Texten versteckte rechtsradikale Botschaften zu finden. Aus einem Antifa-Magazin: "An diesen Texten ist sehr sorgfältig und mit sprachwissenschaftlicher Gründlichkeit gefeilt worden." In einem anderen Magazin stand: "Die Texte lassen sich auf einen einzigen Kerngedanken reduzieren: Gebt uns wieder einen Führer!" Ein Journalist vom "Darmstädter Echo", Bert Hensel, trieb es auf die Spitze und schrieb in seinem Kommentar mit dem Titel "Was ist eine Jugendsünde?" folgendes: "Einfluß nehmen kann nun auch die Bundesprüfstelle nicht mehr. Neue Texte sind so verklausuliert, daß sie den Index unterschwimmen. Eine Gebrauchsanweisung geben die Onkelz bei ihrem jüngsten Ausfluß aber schon. Im Beiheft zur Platte (Heilige Lieder): 'Wenn Ihr versucht, zwischen den Zeilen zu lesen, werdet ihr eine Menge mehr über uns erfahren'. Zwischen Zeilen steht bekanntlich nichts. In einem harmlos nach Mädchennamen klingenden Songtitel aber Bekanntes. Der heißt: 'Noreira'. Von hinten entschlüsselt, liest sich das so: 'Arier on`." Das Lied, was er da entschlüsselt haben will heißt in Wirklichkeit "Noreia" und nicht "Noreira", erschien auf der "Heilige Lieder"-LP 1994 und ist eine Liebeserklärung auf Weidner-Art an seine damalige, (aus dem Iran stammende) Freundin:

 

noreia

...der psychofick, gedankensex, die nahrung für's gehirn,

ich will nicht nur deinen körper, ich will dein innerstes berühren

die zartesten gefühle, deine schmutzigsten gedanken

ich will sex mit deiner seele, deinen wahnsinn will ich

willst du mich spüren, tief in dir spüren

willst du meine seele, mein innerstes berühren &emdash; noreia

 

Und in diesem Lied sollte nun die Botschaft "Arier on" versteckt sein?

Das Lied entstand auf der Mexico-Reise von Stephan und seiner Freundin. Noreia bedeutet "Mutter Erde". Dieses Wort war in den Gesprächen zwischen den beiden oft gefallen.

Für Bert Hensel und all die anderen "paranoiden Arschlöcher", schrieben die Onkelz 1996 "Enie Tfahcstob Rüf Ediona-Rap" &emdash; Eine Botschaft für Paranoide.

Wer sich die Mühe machte, das Lied auf Tonband zu schneiden und dann rückwärts abspielen zu lassen kriegte folgendes zu hören:

Herzlichen Glückwunsch. Es muß eine Menge Arbeit gewesen sein, dieses Lied rückwärts abzuspielen. Entweder du bist eines der paranoiden Arschlöcher, für die wir dieses Lied gemacht haben, oder du bist einfach nur neugierig. Ersteren sei gesagt: Wer rückwärts gesprochene satanistische oder faschistische Botschaften auf unseren Platten sucht, muß ausgesprochen dämlich sein und außerdem unter extremem Verfolgungswahn leiden. Armes Schwein, du tust uns echt leid. Sperr dich ein und schmeiß den Schlüssel weg.

Die Leute, die die Böhsen Onkelz so stark kritisierten, meistens ohne daß sie viel über diese Band wußten, waren oft gerade diejenigen, die sich als tolerant und vorurteilsfrei bezeichneten. Stephan: "Ich bin einfach maßlos enttäuscht, muß ich ganz ehrlich sagen. Ich denke, daß ich einfach merke, wie Leute, die doch sehr, sehr, oder denen das Dogma anheftet, doch sehr offen zu sein, mit fadenscheinigen Argumenten versuchen, uns in dieser rechten Ecke zu halten." Beim Lesen der Artikel hat man das Gefühl, daß sie sich freuten, daß es da jemanden gab, über den sie herziehen konnten, sie wollten wohl geradezu, daß die Onkelz rechts sind und konnten es nicht einsehen, daß es vielleicht besser ist, jemandem, der sich ändern will, auch die Chance dazu zu geben.

Ein Fan: "Die Medien haben einen Buh-Mann gefunden, dem sie alles in die Schuhe schieben können. Nachdenken oder Nachforschen über die Ursachen und Hintergründe ist gar nicht erwünscht. Typische besch... 'Political Correctness' eben. Wer nicht in das Bild der Medien paßt (denn die regieren ja schließlich entweder mit ihrem Geld oder mit ihrer Meinungsmache) wird gnadenlos vernichtet. Daß das glücklicherweise nicht immer klappt, sieht man an den Onkelz. Allerdings habe ich mich auch schon gefragt, was geworden wäre, wenn die Medien sie einfach ignoriert hätten: Wahrscheinlich wären sie schon nach relativ kurzer Zeit wieder in der Versenkung verschwunden. Doch durch diesen Kampf und die ständige Verteidigung sind sie erst zu dem geworden, was sie heute sind."

Stephan: "Ich glaube, wir wissen ganz genau, daß die Onkelz sich gewisse Dinge auch selbst zuzuschreiben haben. Die Dimension, die das alles angenommen hat, konnte keiner von uns wissen &emdash; und steht auch in keinem Verhältnis, was man der Band so nachsagt. Wir sitzen irgendwie zwischen den Stühlen. Für die Rechten sind wir Verräter oder sonst irgendwas, Kommunisten etc... Für die Linken sind wir Nazis. Irgendwo in der Mitte ist ein Platz, an dem ich mich ganz wohl fühle, nur diese Angriffe von der Presse, die können wir so nicht auf uns sitzen lassen. Das ist einfach erstunken und erlogen."

Von der Antifa, hörte man immer wieder den Spruch "einmal rechts, immer rechts", wie auch in dem Anti-Onkelz-Song "Liebe Tanten" von der Punkband "Haß", in dem es heißt: "Nazischwein bleibt Nazischwein". Anscheinend wollte niemand, daß sich die Böhsen Onkelz geändert hatten oder daß überhaupt jemand, der "rechtsradikal" ist, irgendwann mal die Möglichkeit hat, anders zu denken.

Die Meinung der öffentlichkeit wurde durch die Medien stark manipuliert, kaum einer weiß, daß die Skinheadzeit der Onkelz inzwischen schon über zwölf Jahre her ist, und viele ließen sich von der "Wolf-im-Schafspelz"-Theorie überzeugen und kaum einer in der Musikindustrie wollte etwas mit den Böhsen Onkelz zu tun haben, so daß sie alles selbst machen mussten.

Auch heute noch sind viele Leute den Böhsen Onkelz gegenüber negativ eingestellt und wollen das Thema erst gar nicht an sich heranlassen. Ein Journalist vom "Badischen Tagesblatt" schrieb 1995: "Mir war das Frankfurter Quartett immer suspekt... Ich kannte ihre Songs nicht, ich wollte sie nicht kennenlernen, weil mir die Medienberichterbestattung über diese Band ein Bild der Abscheu eingepflanzt hatte. Erst von jungen Fans habe ich gelernt, mit dieser Musik umzugehen und mein Bild von den Onkelz korrigiert"

Der Großteil der Journalisten und andere Leute, die die Onkelz als rechtsradikal bezeichneten, trugen nicht gerade dazu bei, die Rechtsradikalen von der Band wegzubringen. Obwohl sie selbst kritisierten, daß die Onkelz noch rechte Fans hatten, daß sie sich nicht genug distanziert hätten etc., gaben sie ihnen gerade dazu keine Chance. In Frankfurt z.B. weigerten sich Udo Lindenberg und Peter Maffay 1992, an einem Rock-gegen-Rechts-Festival teilzunehmen, wenn die Böhsen Onkelz auch kommen würden. Daraufhin wurden die Onkelz sofort wieder ausgeladen.

(Böhse Onkelz Pressekonferenz 1991)

Diejenigen, die sich in der öffentlichkeit positiv über die Onkelz äußerten, waren verpönt und wurden immer wieder angegriffen und als rechtsradikal abgestempelt. Fensterscheiben, in denen Onkelz-Poster hingen, wurden eingeschmissen, Fans, die mit Onkelz-T-Shirts rumliefen wurden verprügelt, Plattenverkäufer bekamen Drohanrufe ("Liegt dir was an deiner Gesundheit, dann hör auf mit dem Verkauf"), es wurde vorgeschlagen, in Zukunft alle Bellaphon-Produkte zu boykottieren, bis sie aufhören, Onkelz-Scheiben zu produzieren, Konzertveranstalter gerieten unter Druck und mußten mit Absagen von anderen Bands rechnen, wenn sie die Böhsen Onkelz unterstützten, die Chefs der großen Musik-Firmen sollen angeblich mit Rausschmiss gedroht haben, wenn sich einer ihrer Mitarbeiter öffentlich positiv über die Onkelz äußern würde.

Die wenigen, die sich wirklich mit dem Thema auseinandersetzten, mußten danach ihre negativen Vorurteile korrigieren. Z.B. schrieb Edgar Klüsener 1987 im "Metal Hammer" folgende Plattenkritik zu der "Onkelz wie wir", weil er sich vorher auch nicht mit dem Thema beschäftigt hatte und sie nur vom Hörensagen kannte: "Die Onkelz haben ein Album rausgebracht, was ganz sicher seine Reize hat... was mit einer guten Durchschnittsnote bewertet werden könnte, wenn nicht, ja wenn nicht altbekannte Nazi-Skins der härtesten Sorte dahinterstecken würden, denen ich eine Bewußtseinsänderung nicht so ohne weiteres zutraue..." Daraufhin bekam der Metal Hammer jede Menge Leserbriefe von empörten Fans und auch die Onkelz persönlich meldeten sich bei Edgar und baten um ein Interview, um die Sache klarzustellen, denn die Meinung der Fachpresse war ihnen wichtig, und von denen wollten sie sich auf keinen Fall als Nazis beschimpfen lassen. Nach diesem Interview schrieb Edgar unter der überschrift: "Böhse Onkelz &emdash; böse ja, rechtsradikal nein!" folgendes: "...sie (die Fans) wähnten mich geistig umnachtet, vorurteilsbeladen und wünschten mir per Postkarte gute Besserung. Grundtenor: 'Wir sind weder Nazis noch Skins, wohl aber Fans der Böhsen Onkelz, und du, mein Junge, liegst voll daneben mit deiner Kritik.' Sollte ich wirklich vorschnell geurteilt haben und etwa gar einem falschen Image aufgesessen sein? Na ja, und wenn schon, dachte ich mir. Und dann meldeten sich plötzlich selbst die Böhsen Onkelz." Fazit nach dem Gespräch mit Stephan und Gonzo: "...so weit, so Onkelz. Den Vorwurf, die Böhsen Onkelz seien eine Neonaziband, nehme ich an dieser Stelle und nach diesem Gespräch ausdrücklich zurück!" Somit war der "Metal Hammer" eine der ersten Zeitschriften, die sich mit dem Thema auskannten und nicht mehr von einer Neonaziband sprachen. Mehrere Fachblätter zogen nach. Später, Anfang der 90er verteilte die Heavy-Metal-Presse, die sich wirklich mit dem Thema beschäftige, ständig Bestnoten an die Onkelz und sie wurden oft von den Lesern zu einer der besten Bands gewählt.

Der Tagespresse, die den Onkelz zu diesem Nazi-Band-Image verholfen, welches ihnen noch heute anlastet, widmeten sie zahlreiche Lieder: "10 Jahre", "Zeig mir den Weg", "Ach, sie suchen Streit", "Fahrt zur Hölle", "Meister der Lügen", "Danke für nichts":

 

danke für nichts

auf einmal mögt ihr uns, wie kann das sein, gepusht wird was verkauft, schließt das uns ein

gestern noch verschwiegen, heute auf'm cover, morgen mamas liebling, futter für die gaffer

du bist nicht wie ich, wie kannst du über mich reden, du weißt nicht wie ich denke, ich lebe mein eigenes leben

du weißt nicht wo ich herkomm' und selbst wenn du es weißt

du weißt nicht wie ich fühle, du weißt nicht was es heißt

ich zu sein. komm und sag mir was ich meine, komm und sag mir wer ich bin

analysiere mich, finde nichts, und bleib ein dummes kind

wir sind noch lange, noch lange keine freunde, wir sind noch lange nicht so weit

danke für nichts, du hilfst mir dich zu hassen, danke für nichts, danke für nichts

ändert euren namen, sagst du, ändere deinen

nur weil du alles besser weißt, fang ich nicht an zu schleimen

nichts würde sich ändern, nicht in tagen, nicht in jahren

die wahrheit ist in dir und nicht in deinem namen


 

 

 

 

"Ändert Euren Namen!"

(Namensänderung?)

"Es wäre ziemlich einfach und gleichzeitig verlogen gewesen, einen anderen Namen zu wählen" (Gonzo)

Einerseits schrieb die Presse, die Onkelz wären wie "Wölfe im Schafspelz", andererseits forderten sie die Böhsen Onkelz immer wieder auf, ihren Bandnamen zu ändern. Denn nur so könnten sie ihre rechtsradikalen Fans abschütteln und "einen glaubwürdigen Strich unter ihre Vergangenheit ziehen" (taz), hieß es. WOM (World of Music) sagte: "Aus unserer Sicht steht eindeutig fest, daß der Bandname Böhse Onkelz in der rechten Szene Symbolkraft besitzt... doch benutzt die Gruppe den Bandnamen weiter als ihr Markenzeichen und schlägt so immer noch aus den Sünden von einst Kapital." Nur deshalb, so sagen sie, boykottieren sie Böhse-Onkelz-Produkte. Eine andere Zeitung schrieb: "Den Böhsen Onkelz bleibt nur ein Weg, wenn sie es mit ihrer Abkehr von den Rechten wirklich ernst meinen und ihren Ruch der Naziband loswerden wollen: Sie müßten ihren in rechten Kreisen gut eingeführten Markennamen ablegen." Für die Onkelz war es von Anfang an indiskutabel, ihren Namen abzulegen: "Unser Name bleibt so wie unsere Erfahrungen", sagten sie und zeigen damit, daß sie die selben Menschen, die selbe Gruppe sind wie noch vor zehn Jahren, und daß sie zu den Fehlern, die sie gemacht haben, stehen. Stephan: "Du kannst dich anscheinend nicht als Mensch verändern, sondern deine Meinung liegt anscheinend in deinem Namen drin. Ich kann doch nicht jetzt irgendwas anrichten, dann benenne ich mich um und alles ist wieder gut". Mit der Textzeile "nichts würde sich ändern", haben die Onkelz sicherlich recht. Es ist unwahrscheinlich, daß die Presse ihre Meinung wirklich ändern würde, wenn die Onkelz ihren Namen ändern würden. Sie würden wahrscheinlich genauso, mit den gleichen Argumenten weitermachen: "...und jetzt meinen sie auf einmal, alles wäre vergessen und verziehen, nur weil sie anders heißen als früher..", würde es dann heißen, und die wenigen rechtsradikalen Fans, die sich nach so eindeutigen Aussagen der Band immer noch nicht hätten abschütteln lassen, würden es wohl auch nach einer Namensänderung nicht tun.

Der Name Böhse Onkelz, so hoffen die vier, soll irgendwann in der öffentlichkeit nicht mehr für "rechts" sondern für "positive Veränderung" stehen. Edmund Hartsch schrieb in seinem Buch:

"Man hat dieser Rockband immer wieder nahegelegt, ihren Namen zu ändern, um dann im öffentlichen Licht, als gleiche Personen, mit gleicher Vergangenheit, aber unter neuem Namen weiter zu machen. Man forderte, daß sie sich auf die Seite der Lügner stelle, daß sie sich und ihre Vergangenheit leugne und am Leben einer verlogenen, etablierten Gesellschaft teilnehme... Ich halte das für einen Skandal. Das Schlüpfen in eine Scheinidentität, eine heuchlerische Verkleidung aus Lüge und Leugnung soll erstrebenswerter sein als eine selbstgewaschene Weste? Es handelt sich um ein typisch deutsches Nachkriegsmißverständnis, daß ein Wandel der Einstellung, ein Lernen und ein Fortschreiten, ein Einsehen von begangenen Fehlern mit einer Verleugnung der eigenen Person einherzugehen hat. Die Böhsen Onkelz waren immer die Böhsen Onkelz, 1980 genauso wie 1997... Wölfe im Wolfspelz, von mir aus, aber keine Nazis..."

 


 

 

 

 

"Eine Naziband in den Charts?"

(Heilige Lieder)

1992 kam die neunte CD der Böhsen Onkelz auf den Markt "Heilige Lieder" und kletterten bis auf den fünften Platz der deutschen LP-Charts. 1992 erschienen auch noch eine Live-CD und ein Live-Video "Live in Vienna", welches zum zweitmeistverkauften Musikvideo Deutschlands wurde. Mit wenigen Live-Auftritten, ohne Radioairplay, ohne Videoclips und von vielen Geschäften boykottiert, hatten sie es so weit nach oben geschafft. Edmund Hartsch "Es war etwas passiert, was nach den Berechnungen der deutschen Musikindustrie niemals hätte passieren dürfen. Eine Band hatte mit ihrer Musik die Top Ten geknackt, ohne daß sie von oben 'kontrolliert', 'gehyped' oder 'gepusht' wurde. Im Gegenteil, trotz massiven Boykotts und beispielloser Diffamierungskampagne... Die Onkelz waren die wichtigste deutsche Band der neunziger Jahre. Nicht als Exportschlager und auch nicht als 'gehyptes' Produkt, sondern als Gegengewicht, als Auffanglager für die, die sich nicht ergeben wollten." Und "...man stellte die 200.000 Käufer der Heiligen Lieder als eine große radikale Bedrohung dar."

Dann ging es erst richtig los in der Presse. "Eine 'Naziband' in den Charts, wie konnte das passieren?" Einige Leute versuchten durchzusetzen, daß die Böhsen Onkelz aus den Charts ausgeschlossen werden. Stephan: "Wir sind ja im Geschäft. Momentan die bestverkaufte deutsche Gruppe mit 300.000 Exemplaren von der letzten LP. Ich könnt mir's ja auch einfach machen und sagen, o.k., ist mir doch alles scheißegal, ich verkauf ja sowieso meine Platten. Das ist mir eben nicht egal. Leute, die so was sagen wie 'Kreide gefressen', wissen nichts von mir und sollten besser das Maul halten."

"Heilige Lieder" war noch mal ein großer Schritt nach vorne in der Entwicklung der Band, sowohl textlich als auch musikalisch. Wo es in den früheren Alben nur um Sex ging, werden zum Beispiel in "Ich bin in dir" richtig tiefgehende Gefühle geschildert. Lieder über die Vergangenheit wie "Langer Weg" und "Buch der Erinnerungen" und Lieder darüber "wie geil sie doch sind", mit denen sich die Onkelz immer wieder Mut machen: "Wir feiern uns solange es uns gibt, auch wenn nicht jeder Arsch uns liebt. Gepriesen sei der Name dieser Band, betet zu Gott, daß ihr uns kennt. Manchmal ist es ganz schön hart, doch jede eurer Lügen macht uns stark...", dabei immer eine gewisse Ironie der Kirche gegenüber, wie schon auf dem Plattencover. Und auch Lieder wie "Nenn mich wie du willst", das sich eindeutig gegen eine rechte Ideologie ausspricht. In einem Antifa-Magazin(!) schrieb ein Fan(?): "Der Text könnte genauso gut von einer linken Punk-Band sein. Er zeigt einen bestimmten Sarkasmus gegen 'den Deutschen'. Auf jeden Fall zeigen die Onkelz in diesem Text, daß sie etwas gegen Leute haben, die nicht mit ihrem eigenen Kopf denken."

Stephan machte in Minden 1994 folgende Ansage zu dem Lied:

"Das nächste Lied widmen wir all den Leuten, die blinde Parolen brauchen, allen hirnlosen Mitläufern, allen Faschisten da draußen: Nenn mich wie Du willst."

 

nenn mich, wie du willst

mein verschiß'nes kleines leben haben andre in der hand

ich brauche keine freiheit, kein herz und kein verstand

ich brauch die zwänge unsres lebens, die fesseln meiner seele

ich brauch die, die für mich denken, ich brauche regeln und befehle

nenn mich,wie du willst, gib mir deinem namen

ich bin so wie alle sind, ich hab euch nichts zu sagen

ich habe zwei gesichter, ich bin nicht doof, doch auch nicht schlau

ich gehe sonntags in die kirche, montags schlag ich meine frau

ich bade mich in dummheit, bin ein übler denunziant

ich kreuzige mich selbst und ich bin stolz auf unser land

 

ich bin in dir

hörst du diese lieder? böhse onkelz immer wieder, sie sind ein teil von meinem leben, sie sind ein teil von mir

sie sind für dich, ich schenk sie dir, mehr kann und will ich dir nicht geben

weißt du wirklich, wer ich bin, wie ich denke,wie ich fühle

liebst du mich, weil ich es bin, oder weil ich dich belüge

ich bin in dir - wohin du gehst, doch siehst du auch das, was ich seh'

ich seh mich an und frag mich, warum, warum bin ich, wie ich bin

warum lach ich, wenn ich traurig bin, kann ich sehen oder bin ich blind, ich such die antwort auf meine fragen

die gedanken malen bilder, doch ich finde keinen rahmen, der wind spricht zu mir, er wünscht mir glück,

er flüstert meinen namen, er sagt: ich bin in dir, wohin du gehst, doch siehst du auch das, was ich seh

ich warte auf ein zeichen, ich warte auf ein zeichen von dir, ich such die anwort auf meine fragen

 

Edmund Hartsch: "Wer die 'Heiligen Lieder'-Texte aufmerksam las, der konnte alles über die Band erfahren, was er immer schon wissen wollte. Alles war dort niedergeschrieben. Haß, Wut, Liebe, Einsicht, Zorn, Sehnsucht, Gleichgültigkeit, Angst, Zweifel, Sucht und Größenwahn... Erlebte Erfahrungen von extremer Intensität."

Im Booklet der "Heiligen Lieder" schrieb Stephan Weidner folgendes:

"Der Tod mehrerer Freunde überschattete die letzten zwei Jahre, die zum einen, was die Band anbelangt, sehr erfolgreich waren und zum anderen voller überraschungen, Tragödien, Erfahrungen und Sehnsüchte, was das Leben betrifft. Diese Platte spiegelt einen Teil unserer Gedanken wieder. Wenn ihr versucht zwischen den Zeilen zu lesen, werdet ihr eine Menge mehr über uns erfahren. Wir wissen, daß ihr nicht in einem Meer von Dummheit schwimmt, wie einige ignorante Arschlöcher auf diesem Planeten, die uns veranlaßt haben bis auf weiteres keine Interviews mehr zu geben."

 


 

 

 

 

"Wir tragen die Schuld für das,

was hier passiert"

(Schuldige gesucht, Onkelz gefunden)

Als die Onkelz alles zum tausendsten Mal erklärt hatten und merkten, daß die Presse alles verdrehte und ihre ganzen Erklärungen nichts nutzten und soviel Scheiße über sie geschrieben wurde, hatten sie keinen Bock mehr auf das ganze Theater, entschlossen sich zu einem Interviewboykott und kümmerten sich nicht weiter um die verlogene Presse. Doch als 92/93 Rechtsradikale in Mölln, Rostock, Solingen und anderswo Brandanschläge auf Asylantenheime ausübten, unterbrachen sie diesen Boykott um sich dazu zu äußern. Man suchte Schuldige, versuchte allein die Skinheads dafür verantwortlich zu machen und stieß auf einmal auf eine rechtsradikale Musikszene.

Farin & Seidel-Pielen: "Mit der Reduzierug des Rassismus und der Gewalt auf Skinheads entledigen sich breite Teile der Gesellschafte der unbequemen Frage nach den tieferen Ursachen, ihren Eigenanteilen und ihrer Verantwortung. So billig war eine aufrechte 'antifaschistische' Grundhaltung noch nie zu haben."

"Rechtsrock" wurde zu einem großen Thema in den Medien, und "selbst die seit sechs Jahren langhaarige Heavy-Metal-Band Böhse Onkelz wurde aus den Archiven ausgegraben" (Farin & Seidel-Pielen). Die Böhsen Onkelz wurden in einem Zug mit den übelsten Fascho-Bands genannt, deren Namen wahrscheinlich kaum einer kennen würde, hätte die Presse sie nicht immer wieder erwähnt. Und die rechtsradikale Szene nutzte den Erfolg der Onkelz aus, um sich immer wieder in die Presse zu bringen.

Die hohen Verkaufszahlen der "Heiligen Lieder" wären tatsächlich beängstigend gewesen, hätte es sich bei den Böhsen Onkelz um die Faschoband gehandelt, als welche sie von einem Großteil der Presse hingestellt wurde. Mehrere der wirklichen Faschobands wurden erst, nachdem das Thema "Rechtsrock" in den Medien so heiß diskutiert wurde, erfolgreich.

Einige Leute versuchten die Böhsen Onkelz für die ausländerfeindlichen Angriffe verantwortlich zu machen. Im Göttinger Tageblatt schrieb Lars Martin sogar noch 1996:

"..die Böhsen Onkelz waren eine Kultband der Nazi-Skinheads, und sind in diesen Kreisen weiterhin beliebt. Sie trugen und tragen (moralisch und politisch) die Verantwortung für die Morde von Solingen, Mölln, Rostock und anderswo. Ihre Lieder waren Ausgangspunkt für rassistische Gewalt, Verherrlichung des Naziregimes und nationalistisch bis zum letzten Akkord.."

Stephan: "Wir werden momentan so 'n bißchen zum Sündenbock gemacht, für Versäumnisse, die meiner Meinung nach Politiker versäumt haben, oder für die Versäumnisse, die in uns Menschen sind."

Der Grund dafür war, daß z.B. in Rostock steineschmeißende Jugendliche in Onkelz-T-Shirts gesichtet wurden. Die Onkelz hatten zu dieser Zeit schon oft, vor allem auch auf den Konzerten, ihre nicht-rassistische Einstellung erklärt. Trotzdem sagten einige, die Onkelz hätten sich erst zu diesem Zeitpunkt von der rechten Skinheadszene getrennt, um nicht als Schuldige darzustehen. Diese Vorwürfe konnten die Onkelz nicht auf sich sitzen lassen. Pe: "Es gab Talk-Shows und Interviews. Die Onkelz nahmen Stellung, denn das war zu viel. Hatte man jahrelang auf die Scheiße der Medien einen Furz gelassen, konnte man jetzt nicht mehr mit Gleichgültigkeit über diese Vorfälle reagieren"

Stephan: "Wir haben unseren Interviewboykott gebrochen, weil wir gesagt haben, wir können zu den Vorfällen, die momentan stattfinden, nicht schweigen. Für mich ist das alles ziemlich schlimm, zumal ich natürlich auch im Fernsehen Leute gesehen habe, die dort anwesend waren, die unter anderem auch unsere T-Shirts getragen haben. Und das ist natürlich eine Sache, die mich sehr belastet und ich kann einfach nur mit Abscheu darauf reagieren, auf das, was da passiert. Ich weiß nicht, was in solchen Leuten ihren Köpfen vorgeht. "

Gonzo: "Jeder hat die Pflicht, in einer Zeit, in der die Gewalt gegenüber Andersdenkenden, Ausländern oder Menschen anderer Konfessionen derart zunimmt, seine Stimme zu erheben." Die Onkelz machten in Anzeigen, Interviews und Talkshows immer wieder eindeutig ihren Standpunkt klar. Nämlich, daß sie gegen rechte wie linke Gewalt sind, daß sie aus ihren Fehlern gelernt haben, daß sie auf keinen Fall mit Bands wie Störkraft oder Endstufe in einen Topf geworfen werden wollen, daß sie absolut keine Sympathien für Fans aus dem rechten Lager haben und auf jeden Fall dazu bereit wären gegen Faschismus zu kämpfen und bei Gegen-rechts-Veranstaltungen mitzumachen.

(Anzeige von 1992)

Ein Fan: "..da ich als Ausländerin so etwas wie eine Intuition für das Phänomen Ausländerhaß bekommen habe, liegt es mir völlig fern, Einzelpersonen wie Euch ungerechterweise zu Sündenböcken verurteilen zu wollen.."

1993 veröffentlichten sie das Lied "Lieber stehend sterben", mit dem sie zeigen, daß sie jetzt erst recht weiter machen würden und trotz aller Versuche, die Onkelz zu vernichten, auf gar keinen Fall aufgeben werden.

 

lieber stehend sterben

wir sollen bezahlen, für das was hier passiert, wir tragen die schuld, für euch, die ihr regiert,

niemand kennt die wahrheit, doch ihr wollt uns belehren

eure last auf unseren schultern, das haben wir nicht gern

denn wir sind anders, wir sind stolz und unbequem

niemand tötet unseren willen, darum müsst ihr doch verstehen:

ich will lieber stehend sterben, als kniend leben, lieber tausend qualen leiden, als einmal aufzugeben...

 

Stephan: "Ein Trotzlied auf das, was uns im letzten Jahr passiert ist: Politiker, die unsere Konzerte unter irgendwelchen fadenscheinigen Vorwänden verboten und uns zu Sündenböcken für eine politische Situation gemacht haben, an der wir keine Schuld tragen. Ein Song also, der einerseits eine Trotzreaktion ist, mit dem wir uns andererseits aber auch selbst Mut machen wollen."

Ein weiteres Lied, das 1993 von den Onkelz veröffentlicht wurde ist "Deutschland im Herbst":

 

Nachrichtensprecher am Anfang:

Rostock: Nach den gestrigen Ausschreitungen in der zentralen Anlaufstelle für Asylbewerber in Mecklenburg Vorpommern lieferten sich auch heute rund 1000, meist Jugendliche Rechtsradikale Straßenschlachten mit der Polizei. Bei den zum Teil bürgerkriegsähnlichen Krawallen gingen die Randalierer mit Steinen, Flaschen und Feuerwerkskörpern gegen die Sicherheitskräfte vor. Mehr als 110 Beamte wurden zum Teil schwer verletzt. Die Rechtsradikalen, die aus dem ganzen Bundesgebiet anreisten, drangen in das Erdgeschoß des Asylantenwohnheims ein und steckten, unter dem Beifall von rund 2000 Schaulustigen, Wohnungen in Brand. Die Polizei nahm 60 Personen fest. Das Ausland reagierte, in Erinnerung an das nationalsozialistische Deutschland, auf die anhaltenden Unruhen im Stadtteil Lichtenhagen, mit Sorge über zunehmenden Fremdenhaß.

ich sehe alle gegen alle, jeder gegen jeden

keine achtung vor sich selbst, keine achtung vor dem leben

ich sehe blinden haß, blinde wut

feige morde, kinderblut

ich sehe braune scheiße töten, ich sehe dich

deutschland im herbst

ich höre weiße geräusche, rassenreine lieder

ich höre hirnlose parolen von idioten und verlierern

ich hör die lügen der regierung, die lüge eures lebens

ich hör die lüge über uns, ich höre dich

 

Der HR2 sagte dazu 1997: "Eine klare Absage an dumpfen Rassismus und Gewalt. Entstanden ist das Stück in der Hochphase blutiger und mörderischer übergriffe von Rechten auf Ausländer, im Jahr 1993. Eine eindeutige Botschaft an gefährdete Jugendliche, die aber keiner hören will. Außer ihren Fans."

Die Musikzeitschrift "Rock Hard" schrieb: "..wer nach eindeutigen Songs wie "Deutschland im Herbst" immer noch nichts begriffen hat, dem ist sowieso nicht mehr zu helfen."

Stephan: "Die Vorfälle im letzten Jahr, Rostock, Mölln usw. sind an uns nicht spurlos vorbeigegangen. Deutschland im Herbst ist unsere Reaktion auf diese Ausschreitungen, und die Wortwahl zeigt deutlich, was wir davon halten: 'Braune Scheiße', das sind diese Chaoten für mich, nicht mehr und nicht weniger."

Stephan auf MTV: "The autumn was pretty bad in Germany... You read the papers and you read what happens and you always read your name in all these things. Your read that people who went into this riots were wearing your T-Shirts... So we wanted that our Fans exactly know what we think about all these things."


 

 

 

 

 

"Städte zittern vor den Böhsen Onkelz"

(Auftrittsverbote)

1992 hatten die Böhsen Onkelz zum ersten Mal eine Deutschland-Tournee geplant, die sie dann aber wegen eines fast bundesweiten Auftrittsverbots abbrechen mußten. Die Medien hatten überall verbreitet, daß die Böhsen Onkelz eine Faschoband wären, oder zumindest noch immer ganz gefährliche, rechtsradikale Fans hätten. Sie erinnerten immer wieder an Konzerte, bei denen es zu Prügeleien gekommen war. Dadurch fühlten sich auch die Linksradikalen und verschiedene Ausländergruppen genötigt, etwas dagegen zu tun und riefen zu Demonstrationen gegen Onkelzkonzerte auf. Dabei war nur noch ein ganz kleiner Teil der Fans rechtsradikale Skinheads, von denen aber tatsächlich einige vor und nach einem oder zwei Konzerten für Unruhe in den Städten sorgten. Von einem Skinheadaufmarsch zu sprechen, war aber in keinster Weise gerechtfertigt. In fast allen Städten bekamen die Böhsen Onkelz Auftrittsverbote. Politiker die sonst nicht viel gegen Rassismus im Lande taten, konnten sich bei antifaschistischen Bürgern beliebt machen, indem sie ein Onkelzkonzert verboten. Stephan: "Es sind Konzerte von uns in bayrischen Städten verboten worden, in denen zwei Wochen vorher die Flüchtlingsheime geschlossen und die Leute vertrieben wurden. Dann meinte sogar ein CSU-Bürgermeister, als wir kommen wollten: 'Also, die Onkelz dürfen hier nicht spielen, wir wollen keine Rechtsradikalen in unserer Stadt.'" Als Grund wurde die Gefährdung der öffentlichen Sicherheit angegeben. Stephan: "Ein Gummiparagraph, danach dürfte kein Bundesligaspiel mehr stattfinden. Da geschieht viel mehr Gewalt und Ausländerfeindlichkeit als anderswo." Die Frankfurter Rundschau schrieb im Dezember 1992:

"Herb auch für die Fans meist zwischen zwölf und dreißig Jahre alt. Dennoch irrt nach Weidners Meinung die Autorin Edith Kohn, die in der 'Weltwoche' von weichgespülten Texten der Onkelz schreibt, weil's ihnen mit dem Auftrittsverbot 'an den Geldbeutel geht'. Das Live-Verbot sei zwar bitter, 'aber Geld verdienen wir auch so gut', sagt Weidner. Doch sei es für einen Musiker wichtig, daß er den Kontakt zu seinem Publikum hat, 'zu sehen, daß die Musik, die du geschrieben hast, Emotionen in den Leuten hervorruft, einfach mit den Leuten Aug' in Aug' dazustehen, die direkte Reaktion zu haben'. Das sei ihm nicht vergönnt, 'das tut mir weh. Und ich denke, daß es nicht gerechtfertigt ist, uns eine Art Berufsverbot darauf läuft es ja irgendwie hinaus auszusprechen.'"

In den wenigen Städten, in denen die Konzerte stattfinden konnten, waren vorher "böse Dinge" über die Band in der Presse zu lesen, und ganze Städte zitterten vor den Böhsen Onkelz, versuchten die Konzerte zu verbieten und beschimpften alle, die ein Onkelz-Konzert duldeten, als Faschisten: "Stoppt die rechten Rocker!", "Kultband der Kahlköpfe spielt in der Eissporthalle", "Konzertverbot für rechte Rockband" waren die überschriften in der Presse. Es gab massive Drohungen der Antifa gegen Veranstalter, Ticketverkäufer, Hallenvermieter und Plakatekleber. Nach den Konzerten wurde aber meist über "unbegründete Angst", "störungsfreien Verlauf" und "ganz normale Hard-Rock Konzerte" geschrieben: "Die Szene erinnerte mehr an einen Umtrunk im Freien, als an einen Aufmarsch gewalttätiger Skinheads... die zahlreichen Pickel im Gesicht, verrieten, daß es sich eher um pubertierende Jugendliche, denn um gewaltbereite Rechtsradikale handelte", "wären die Fans gekommen, die man der Band nachsagt, hätte Rendsburg sicherlich keinen ruhigen Abend erlebt, zumal gewaltbereite Linke auf eine Konfrontation mit rechtsradikalen Skinheads nur zu warten schienen. Die Stadtväter müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, durch ihr zögerliches Verhalten eine Eskalation provoziert zu haben." Dr. Phil. Beate Mathsius schrieb in einem Leserbrief in der Frankfurter Rundschau:

"Diese Gruppe weiterhin ins rechte Lager zu setzen und mit Auftrittsverboten zu belegen, hat zur Folge, daß die interne Auseinandersetzung unterbunden wird. Die Jugendlichen solidarisieren sich eher mit dem der Gruppe zugeschriebenen Image. Mit der politischen Wandlung der Musiker wird sich dadurch nicht auseinandergesetzt. Die Chance, die Abwendung von rechtsradikalen Ideen nicht nur ihrem Publikum zu vermitteln, sondern eine interne Diskussion, unabhängig vom öffentlichen Stigma zu erreichen, wird erschwert... Die inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Fremden und nicht die Zuschreibung 'Die Ausländer', 'Die Skinheads', ist die Grundlage demokratischer Prozesse."

Stephan: "Also, um es für alle mal klarzustellen. Jeder, der meint, die Onkelz seien 'ne faschistische Band, und meint mit seinem schrägen Gedankengut irgendwie auf unsere Konzerte kommen zu müssen, ja, der soll sich verpissen!! Wir ham' auf dieses ganze Nazipack kein Bock!! Leckt uns am Arsch!!"

Text eines Flyers, der vor den Konzerten der "Heiligen Lieder"-Tour verteilt wurde:

Wir sind nicht das, was uns die öffentlichkeit und die Medien nachsagen. Das heißt: Wir sind keine Nazis! Deshalb dulden wir auf unseren Konzerten keine faschistischen Parolen. Sollte es einige Unverbesserliche unter Euch geben, so müssen diese damit rechnen, vom Konzert ausgeschlossen zu werden. Es war ohnehin schwer genug einen Veranstalter für ein ONKELZ-Konzert zu finden. Daher bitten wir Euch, Euch auch nach dem Konzert friedlich zu verhalten, um denjenigen das Gegenteil zu beweisen, die behaupten, ONKELZ-Konzerte seien ein Aufruf zu Massenschlägereien. Wir hoffen auf eure Unterstützung!

 


 

 

 

 

"Böse Menschen, böse Lieder, Böhse Onkelz immer wieder"

(Böhse Onkelz heute)

1993 kam ein Doppelalbum der Böhsen Onkelz auf den Markt "Schwarz" und "Weiß", ein textlich sehr anspruchsvolles Werk. Mit Lieder über das Gute und das Böse im Menschen, viel über sich selbst, über die Band, über die Lügen, die über sie erzählt werden, über die Gesellschaft, die Politik, die Welt, die Menschen und das Leben allgemein. Die Texte sind sehr persönlich und gerade deshalb wohl so ehrlich.

"Sag dem Himmel guten Tag, daß ich mein verschissenes Leben mag, drum bleib ich noch hier, der Himmel kann warten, das Leben macht mich hungrig und ich krieg nicht genug",

"ich sehe meine Lüge, ich bin nicht blind geboren, ich lerne aus meinen Fehlern und mache daraus ein Lied... ich mache was ich will wenn es Freude bringt, ich will jemand sein, der sein Schicksal selbst bestimmt... Ich bin so wie ich bin, wollt ihr euch beschweren, ich weiß ich bin ein Bastard, scheißegal ob ihr mich liebt, ich hab mich gern",

"Unser Leben war nicht keimfrei, nicht von Engeln bewacht, doch es ist schon ganz schön hart, was ihr daraus macht... Für die Blinden und die Tauben, noch ein allerletztes Mal, ihr wollt es immer noch nicht glauben, ihr könnt's nicht ändern, es ist wahr, fahrt zur Hölle mit euren Lügen... wir lassen uns nicht unterkriegen... ihr hört eh nur was ihr hören wollt, nicht was wir sagen"

"Hinter deinen Träumen ist ein Geheimnis, es liegt nur verborgen, du kannst es nicht sehen. Das Rätsel des Lebens, das Wunder des Daseins, fang an es zu lösen und du wirst mich verstehen. Diese Worte sind Gemälde, Bilder meiner Seele du brauchst 'ne Menge Phantasie um mich zu verstehen",

"Erkennen sie die Melodie, dieses Lied vergesst es nie, denn was wir euch hier geben, sind die Lieder eurer Leben",

"1000 Fragen, die mir das Leben stellt, 1000 Fragen über mich und diese Welt. Kann ich mich finden, indem ich mich verlier, suche ich im Nichts, bin ich ein Blinder Passagier? Woher weiß der Wind woher er weht, woher weiß der Schmerz wann er kommt und wann er geht, ich will wissen wie's im Himmel ist, wohin die Flüsse fließen..."

Stephan sagt dazu: "Ich bin ein Mensch, der lebenshungrig ist und der ständig darauf aus ist, neue Erfahrungen zu sammeln. Wenn du das Leben lebst, hast du 1000 Fragen im Kopf. Jeden Tag bekommst du eine beantwortet, aber es kommen auch immer wieder neue hinzu. Das unendliche Spiel des Lebens eben." über das Stück "Erkennen Sie die Melodie" sagt er: "Die Lieder des Lebens, die Klagen der Sehnsucht. Alles ist mit Geräuschen verbunden, und alles formt sich irgendwie zu einem Lied. Die Fans schreiben uns immer wieder, wieviel wir ihnen mit unseren Songs und unseren Texten geben..."

Auch diese Alben landeten wieder hoch in den deutschen LP-Charts und wurden von der deutschen Heavy-Metal-Presse hochgelobt. 1994 brachte Bellaphon noch ein Best-of-Album mit dem Namen "Gehaßt, verdammt, vergöttert ...die letzten Jahre" heraus, in dessen Booklet die Botschaft "Die Wahrheit erschließt sich einem nicht auf den ersten Blick" untergebracht ist. Was wohl zweierlei bedeuten kann. Erstens, daß man sich mit der Geschichte der Böhsen Onkelz näher beschäftigen muß, als es einige Journalisten tun, um sie zu verstehen, andererseits aber auch, daß man sich einige Liedtexte öfter anhören muß, bevor man sie versteht.

Texte im Stil von "Der nette Mann" findet man auf fast allen Onkelz-Alben. Es sind ironisch in der Ich-Form geschriebene Texte meist über Menschen, die die Onkelz am wenigsten verstehen können, in die sich Texteschreiber Stephan Weidner versucht hineinzuversetzten. Natürlich sollen diese Texte auch ein bißchen provozieren. Denn erst die Leute, die sich den Text genauer angucken bzw. anhören, werden ihn verstehen. Wenn man davon nur Liedfetzen mitbekommt, können sie leicht mißverstanden werden. Stephan 1988: "Mir ist es lieber, jemand regt sich über einen Text auf, als daß es ihn total kalt läßt, oder irgend so ein lalala, da habe ich keinen Bock drauf. Ich will manchmal schon ein bißchen mißverstanden werden."

Das sind Texte wie "Ich bin nekrophil"(1990), "Alles Fotzen außer Mutti"(1993) oder "Bomberpilot"(1987)

Stephan 1988: "...die Ironie steckt einfach darin, daß die meisten Sachen in der Ich-Form geschrieben sind und halt nicht so gemeint sind, daß wir uns einfach in die Leute reinversetzten und aus deren Sicht halt Sachen singen, nicht daß wir unbedingt dahinter stehen oder das positiv fänden, was die tun."

 

bomberpilot

über den wolken fühl ich mich zu haus, ich suche mir hier oben die schönsten plätze aus

ich weiß es ist gemein, doch die welt ist viel zu klein

also laßt euch bombardiern, bombardiern, ich bin bomberpilot ich bringe euch den tod

10 000 meter hoch, schneller als der schall, schaue ich meinen bomben nach und warte auf den knall

verwüsten und zerstören ist alles was ich kann und seh ich was, was mir gefällt fang ich zu bomben an

 

Stephan 1995 darüber, daß sie auf einem Konzert den alten Song "Bomberpilot" gespielt haben: "Natürlich war es auch eine Provokation, genauso wie der Song, 'Der nette Mann'. Ich steh immer noch hinter den Texten beider Lieder. Was die Leute in den Song reininterpretiert haben, ist ja eine ganz andere Geschichte. Ich habe vor dem Lied eine ganz klare, eindeutige Ansage losgelassen. 'Bomberpilot' ist eigentlich ein Antikriegslied, das den Wahn beschreibt, auf schwarze Punkte am Boden Bomben zu schmeißen. ähnlich befasse ich mich mit dem Wahnsinn eines Kindermörders. Die Ironie des Songs wurde total falsch verstanden. Der Großteil der Fans wird es aber verstanden haben."

Mit diesem Thema beschäftigt sich auch der 1990 erschienene Song "Nichts ist für die Ewigkeit" auf der "Es ist so weit"-CD:

 

glaubst du alles was ich sage, glaubst du du weißt wer ich bin

stellst du niemals fragen, warum wir wurden wie wir sind

die ironie mit der wir spielen, die ihr so schwer versteht

der schatten im verstand, der in jedem von uns lebt

nichts ist für die ewigkeit, nichts ist wie es war

nur 4 jungs aus frankfurt sind schon lange, lange da

die welt hat uns verlangt, sie hat nichts besseres verdient

habt ihr noch nicht erkannt, warum es böhse onkelz gibt

glaubst du, daß ich kinder töten kann, glaubst du ich bin nekrophil

denkst du, daß ich nur besoffen bin, wie es ist erfährst du nie.

fragen über fragen, es ist nicht leicht uns zu verstehen,

denken kann nicht schaden, vielleicht kannst du die wahrheit sehen

 

Nach und nach wuchs die Zahl der Journalisten, die sich näher mit den Böhsen Onkelz beschäftigten und sich danach positiv über sie äußerten. Dadurch trauten sich immer mehr Journalisten, auch mal was Positives über die Onkelz zu schreiben. Stephan 1997: "Das Thema normalisiert sich allmählich, auch wenn die Onkelz noch lange nicht wie andere Rockbands behandelt werden. Der Trend geht aber in die richtige Richtung." Andere hatten sich so oft und so eindeutig gegen die Onkelz geäußert, daß sie jetzt nicht mehr zurück konnten. Von vielen Leuten wurden die Onkelz aber auch einfach ignoriert, weil ihnen das Thema wohl zu heikel war und sie nicht riskieren wollten, in der öffentlichkeit als Nazi-Sympathisanten darzustehen. Zum großen Teil waren das die Radiosender. So kam es, daß die Musik der Böhsen Onkelz relativ unbekannt blieb, was für eine Band mit so großem Erfolg in den Deutschen Charts ungewöhnlich ist. VIVA drehte mal eine Reportage mit den Onkelz, die sie sich dann aber doch nicht trauten auszustrahlen. Viele Geschäfte boykottierten immer noch die Onkelz-Platten. In den aushängenden Charts wurden die Onkelz einfach übersprungen. Edmund Hartsch: "Die Onkelz standen, obwohl auf Platz 5 in den Top Ten, bei WOM niemals in den Longplay-Charts. Es gab auch Radiosendungen, die eineinhalb Stunden lang über deutsche Bands und Musiker berichteten, die den Sprung in die Top Ten geschafft hatten, ohne die Onkelz mit einem Wort zu erwähnen."

Viele Leute glaubten immer noch an die Wolf-im-Schafspelz-Theorie, andere lobten die Wandlung der Böhsen Onkelz, und sahen sie als gutes Vorbild für die Jugend. In einigen Schulen wurde Schüler, die mit Onkelz-T-Shirts rumliefen oder Poster in Klassenräumen aufhängen wollten mit Rausschmiß gedroht oder es wurde vom Bürgermeister verboten Böhse-Onkelz-Kassetten in der Schulbücherei zu verleihen. In anderen Schulen wurden Stephan Weidners Texte im Deutsch-, Religions- oder Philosophieunterricht durchgenommen und sogar Schulbücher befassten sich mit den Texten. Es gab Presseüberschriften wie "Die Böhsen Onkelz spalten den Handel", "Wandel oder Schwindel?" oder "Böhse Onkelz als Symbol mißbraucht?". Edmund Hartsch: "Selten hatte eine Band mit ihrer Musik so viele verschiedene Meinungen provoziert." Das war es, was den Böhsen Onkelz den Titel der "kontroversesten Band Deutschlands" einbrachte.

1995 wechselten die Böhsen Onkelz zum Majorlabel Virgin Records. Für viele war es unverständlich, daß Virgin so eine Band unter Vertrag nahm. Campino: "ich kann mich nur wundern, daß Virgin sowas unters Volk bringt" und: "Mit uns wäre das nicht zu machen gewesen", denn Die Toten Hosen waren vorher selbst bei Virgin unter Vertrag gewesen. Bei Virgin wurden wochenlang kistenweise Material über die Böhsen Onkelz von 1980 bis 1994 durchgearbeitet: Platten, Demos, Live-Videos, Interviews etc. Sie hatten alles ganz genau überprüft und waren zu dem Schluß gekommen, die Böhsen Onkelz bei sich unter Vertrag zu nehmen. Virgin-Chef Udo Lange hatte sich immer wieder zu rechtfertigen.

 

Zusammengefasst seine Gründe für das Signing (aus ME-Sounds):

a. Die Veröffentlichungen der letzten sechs Jahre beinhalten keine rechtsradikalen/ rechtsfreundlichen Texte

b. Die Onkelz haben sich seit Jahren deutlich und immer wieder von der rechtsradikalen Szene distanziert

c. die Band setzt sich heute für eine multikulturelle und multinationale Gesellschaft ein

d. Die Ignoranz und Uniformiertheit einiger Medien und Handelspartnern, die die vor Jahren vollzogende Wandlung der Onkelz nicht wahrhaben wollen. Viele der Kritiker haben nie einen Ton der Onkelz gehört.

e. durch die Aufrufe der Band an ihre Fans nicht "den gleichen scheiss" zu machen wie die Onkelz in der Anfangszeit der Band und zum gegenseitigen Verständnis und friedlichen Miteinander der Bevölkerungsgruppen beizutragen.

f. Letztendlich sind die Onkelz eine klasse Rockband

 

Stephan: "Ich glaube, das hat auch die Virgin im Vorfeld falsch eingeschätzt, die hatten sich das offensichtlich leichter vorgestellt. Udo Lange hatte halt keinerlei Erfahrungen, wie das bei gewissen Leuten abgeht, wenn es um das Thema Onkelz geht."

Bei Virgin erschien dann 1995 das Album "Hier sind die Onkelz", 1996 das Album "E.I.N.S." und 1997 das neuste Live-Album "Live in Dortmund".

Virgin: "Aussage, Anhänger, Ambitionen &emdash; vieles hat sich bei den Böhsen Onkelz im Laufe ihrer 15-jährigen Bandgeschichte verändert. Doch eines nie: Sie sind Rebellen geblieben, und so gehen die Vier auch anno 1995 kompromißlos hart und gewohnt direkt zur Sache, um gegen Verlogenheit, Ignoranz und Doppelmoral zu fighten."

Für die Onkelz sind ihre Lieder immer noch ein ganz persönliches Ventil um ihre Gedanken und Emotionen zu verarbeiten. Und da tauchen natürlich auch immer wieder die Probleme mit dem Image, das ihnen zugeschrieben wird und auch ihre Erlebnisse aus der Vergangenheit auf: "Ich schlief zu wenig, und ich trank zuviel, die Schmerzen im Kopf waren ein vertrautes Gefühl ...das Gras war grüner, die Linien schneller, der Reiz war größer und die Nächte waren länger. Alles Geschichte, und ich bin froh, das es so ist, oder glaubst du, es ist schön, wenn man Scheiße frißt". Die Onkelz selbst bezeichnen sich und ihre Musik immer noch als "unpolitisch". Was wohl heißt, daß sie nichts von der offiziellen Parteipolitik halten, daß sie weder "rechts" noch "links" sind. Trotzdem werden in ihren Texten zum Teil auch politische Themen behandelt, in denen aber nur die Probleme geschildert werden, Fragen aufgeworfen werden, aber keine Antworten gegeben werden. Stephan: "Ich würde sagen, daß wir alle ziemlich unpolitisch sind, aber was ist schon unpolitisch, alles was du tust ist irgendwie politisch." Nie fehlen darf auch das typische "Wir-sind-die-allergeilsten-Willkommens-Lied". Sie kritisieren in ihren Texten Mitläufer, die Kirche und die Gesellschaft, geben Lebenshilfen für ihre Fans und schimpfen auf Die Toten Hosen und Die ärzte, die keine Gelegenheit auslassen um sich negativ über die Onkelz zu äußern. ("Ich dachte erst noch leckt mich, doch ihr habt es übertrieben...ihr habt zu lange provoziert, zuviel Scheiße erzählt und nichts kapiert... was wollt ihr damit bezwecken, was beweisen...ihr habt es geschafft, ich beginne euch zu hassen..."). Stephan: "Natürlich waren wir uns darüber bewußt, daß der Song jede Menge Negativresonanz auslösen würde, aber das interessiert uns nicht. Wir sind 'ne provokante Band und werden auch weiterhin provokante Texte schreiben." Die Onkelz sagen sehr direkt und offen ihre Meinung heraus, obwohl sie genau wissen, daß vieles davon wieder Empörung bei einigen Leuten auslösen wird. Doch die Onkelz können sich das leisten, da sie sowieso schon von vielen Leuten gehaßt werden, deren Meinung den Onkelz wohl auch nicht besonders wichtig ist und sie diese nur noch ein bißchen mehr provozieren wollen. Sie verlieren durch diese direkten Aussagen nichts, denn ihre Fans lieben gerade das an ihnen. Sie sagen das, was sie denken, ohne darauf zu achten, was die öffentlichkeit dazu sagen wird und was das für Diskussionen auslösen könnte. Da sie einerseits nicht so im Licht der öffentlichkeit stehen wie andere Bands dieser Größe und es ihnen wohl auch scheißegal ist: "Im Gegensatz zu Euch kann uns nichts passieren, denn wer keine Sympathie hat, kann sie auch nicht verlieren.."

Die Böhsen Onkelz haben, wie schon zu ihrer Punkzeit, immer noch Spaß daran, die Leute zu provozieren und zu schocken. Mit Textzeilen wie "..und wenn wir einmal Engel sind, dann ficken wir im fliegen" verarschen sie die Kirche und provozieren die konservativen Bürger. Stephan: "Wir liegen mit allen im Chlinch und machen auch weiter so. Nicht nur die Hosen bekommen ihr Fett weg, sondern auch der Papst, die Menschen an sich. Wir mögen die Gesellschaft nicht besonders, und das gilt sicherlich auch umgekehrt." Eine weitere Antwort auf die Frage: "Wie böse sind die Böhsen Onkelz?" und ein weiterer Grund dafür, daß diese Band so gehaßt, verdammt und vergöttert wird.

Auch über die Presse wird in ihren Liedern immer noch geschimpft, doch die Onkelz nehmen nicht mehr die Opferrolle ein, denn schließlich haben sie es ja nicht geschafft, die Onkelz "wegzuwischen".

 

meister der lügen (1996)

ich schätze die mühe, die du dir machst, um mich zu bekämpfen, auch wenn du's nicht schaffst

es ist leider zu spät, du wirst mich nicht los, vergeblich deine mühe, ich bin schon zu groß

doch ich bin wirklich gespannt, was du noch inszenierst, welche lügen du erfindest, wie du noch manipulierst

meister der lügen, du verkanntes genie, merk dir eins: ein onkel fügt sich nie

du hast dich überschätzt, dich und deine macht, jetzt bin es ich, der über dich lacht

ich bin sonst nicht so gehässig, doch ich muß dir gestehen, es ist ein geiles gefühl, dich am boden zu sehen.

du hast dich nie informiert, nie deinen auftrag erfüllt, mich mit scheiße beschmiert, immer als erster gebrüllt

doch ich bin zäher, als du dachtest, ich gedeihe im dreck, ich bin härter als hart, mich wischt man nicht weg

Die Onkelz haben es trotz aller Diffamierungen an die Spitze der deutschen Hardrockszene geschafft. Ihre Platten landen regelmäßig in den Top Ten und wurden inzwischen fast alle mit "Gold" ausgezeichnet, ihre Konzerte werden im Schnitt von fast 10.000 Zuschauern besucht und ihre Fans "vergöttern" sie.

 

 

 

"Futter für die Seele"

(Die Musik)

Was war es denn jetzt eigentlich, was die Böhsen Onkelz so erfolgreich machte?

Die Onkelz beschreiben das in ihren Lieder so:

"Diese Lieder sagen mehr als tausend Worte, sie sind immer für dich da, sie waren der Trost, der Freund in deinem Leben, wenn niemand bei dir war"

"Wir schlagen Löcher in die Mauern aus Lügen, unsere Waffe ist das Wort, unsere Lieder bauen Brücken, ganz gleich an welchem Ort... Das ist die Nahrung für Genies, kein Futter für Idioten."

"Hier sind Reime aus dem Leben, Lieder wie Orkane, Rhythmen, die das Land bewegen, mehr als nur Schikane... flüssiger Wahnsinn, ein Schluck Poesie..."

"Diese Band hat etwas Magisches, zog mich in ihren Bann und so wie es mir selbst ging, geht es jedem irgendwann, sie ist wie ein Virus, und bist du erst infiziert, wird alles andere egal und es lebt sich ungeniert.. sie ist ein magisches Theater, Futter für die Seele, etwas das mich antreibt... wir sind wie du, glaub es oder nicht... Gibt es etwas schöneres als diese Lieder zu teilen, sie gemeinsam zu erleben, zusammen lachen und weinen.. Wir sind zu nah an der Wahrheit, zu nah am Leben, zu penetrant um ignoriert zu werden. Uns hört man nicht so nebenbei, wir wollen alles oder nichts, wir fordern dich heraus, sieh der Wahrheit ins Gesicht"

"Wo Genie und Wahnsinn sich verbinden, Worte nicht nach Lügen stinken"

"Hier ist die lieblichste Musik, die schönsten Melodien, Hier ist alles, was ihr liebt, hier sind Lieder gegen Dummheit, Lieder für das Herz, Lieder die die Stimmung heben, Lieder gegen Schmerz.."

Unterschiedliche Kommentare über die Musik und die Texte der Böhsen Onkelz:

Musikexpress: "...diffus und die eigene Bedeutung maßlos überschätzend fällt auch der größte Teil von Weidners neuen Songtexten aus. Wobei man die Tatsache schon fast als Trost empfinden darf. Denn immerhin nehmen sich Stephan Weidners wirre Worte neben den gewaltverherrlichenden Texten einiger US-Rapper beinahe schon besinnlich aus."

Ein Wiener Veranstalter: "Die Onkelz sind das, was Die Toten Hosen und Die ärzte gerne wären, hart, dreckig, wild"

Ein Fan: "Stephan Weidners Dichtung ist Gegenstand von Abituraufsätzen und fasziniert Deutschlehrer ebenso wie Philosophielehrer."

Metal Hammer: "Die eingängigen, teilweise hymnenhaften Songs und die Direktheit der behandelten Themen sprechen eine deutliche Sprache im Sinne des Wortes. Sie erreichen die Kids da draußen, weil's weder belehrend noch pseudo, sondern echt klingt."

Edmund Hartsch: "Die Böhsen Onkelz bemühten sich, ihren Fans etwas mit auf den Weg zu geben. Um die Lieder zu verstehen, mußte man sie unpolitisch, widerstandsorientiert und onkelzphilosophisch betrachten... Weder das Klischee der 'Anarcho-Punkband', noch das der 'Nazi-Skinband', noch das der 'satanistischen Hard Rockband' traf den Kern der Sache."

BreakOut: "Die Böhsen Onkelz fühlen sich durch die Beschreibung 'die kontroverseste Band Deutschlands' eher geschmeichelt und werden auch in Zukunft ihr Möglichstes tun, nicht Liebkind der Nation zu werden. Sie wollen mit ihrer Musik auch an die Rolle der Rockmusik in den Sechziger und Siebziger anschließen, die provoziert und die Menschen zum Nachdenken anregen soll."

Antifa-Aachen: "Tenor der Aachener Presse war, daß die B. O.'s sich vom neofaschistischen Lager zwar getrennt hätten, mittlerweile aber einen dumpf frauenfeindlichen, nationalistischen Tenor verbreiteten, der zwar ekelerregend geschmacksunsicher sei, aber eben eine Geschmackssache."

Ein Musikkritiker: "Einzigartig, da nicht in eine bestimmte Schublade passend, 'machen sie, fern vom trivialen Frohsinn der Kelly Family und dem klebrigen Gesäusel von Pur, ihren hirntreibenden Metal-Punk: hart, laut, schnell'(Stern). Punk-Stücke à la Ramones wechseln sich ab mit Metal-Nummern und Balladen, die unter die Haut gehen. Fernab vom Mainstream verzichten sie auf überflüssige Effekte und setzen stattdessen auf einen knallharten Gitarrensound. Auch der 1995 vollzogene Plattenfirmen-Wechsel änderte nichts an dem geraden Onkelz-Sound."

Journalist: "Ihre Songs sind provozierend, zynisch und sarkastisch. Aber eines sind sie nicht: rechtsradikal, nationalistisch oder neofaschistisch."

Stephan: "Ein Song muß frei interpretierbar sein. Ich will dem Publikum Freiräume lassen für seine Gefühle und Emotionen. Den Leuten irgendwas vorzuschreiben, ist der falsche Weg. Anhand meiner eigenen Geschichte möchte ich etwas los werden, aber gleichzeitig Platz schaffen für die Phantasie der Leute, sonst besteht die Gefahr, daß man mit irgendwelchen Parolen um sich schmeißt.

HR2: "Aber nicht nur auf Musik und Durchhalteparolen fahren die Fans ab. Sie beobachten die Entwicklung ihrer Idole sehr genau und auch die Inhalte der anspruchsvolleren Songs spielen für sie eine Rolle.. Sie haben geschafft, was keine andere Band vor ihnen vermochte. Sie haben einem kleinen Teil der deutschsprechenden Jugend ein Stück Identität zurückgegeben, das ihr von einer profitorientierten Gesellschaft wegkonditioniert wurde... "

Stephan Weidner sagt über seine Lieder und Texte: "Die Onkelz sind nichts, was sich einem beim ersten Hören erschließt. Das wirst du drei, viermal anhören müssen, bevor du sagst, daß dir daran was aufgefallen ist. Man muß den Leuten versuchen klarzumachen, daß das, was an der Oberfläche zu hören und zu sehen ist, nur ein geringer Bruchteil von dem ist, was eigentlich zu sehen wäre. Wenn ich all meine Sinne wirklich aufmachen würde, wenn ich mir Mühe geben würde, mich da voll reinzuhängen, den Text kennenzulernen. Meine Texte sprechen im Prinzip eine einfache Sprache, aber zwischen den Zeilen steckt einfach viel mehr drin. Und man kann das raushören, wenn man seine Sinne schärft. Ich weiß, daß wir gute Sachen transportieren und die Leute damit auf einen guten Weg bringen... Und darauf bin ich stolz.."

Journalist: "Im Gegensatz zu vielen anderen Bands entfernen sich die Böhsen Onkelz mit steigender Popularität nicht von ihrem Publikum. Daß sie sich persönlich um ihren Fan-Club, den B.O.S.C., kümmern, ist hierfür nur ein Beleg. Die ehrlichen und direkten Texte ein anderer. Die Fans danken es mit 'ausgelassener Partystimmung' (Metal Hammer) bei den Konzerten und einer einzigartigen Treue."

Ein Journalist sagte, daß die jungen Leute, denen die Toten Hosen zu brav und die ärzte zu lustig sind, die Onkelz hören.

Virgin: "'Zu viele Drogen, zu viele Schlägereien, ich war nicht immer Sieger, aber viel zu oft dabei' formulieren die Böhsen Onkelz 'den Frust vieler Kids am Rande der Wohlstandsgesellschaft'(Spiegel) und Zehntausende fühlen sich davon angesprochen... Lieder wie Hymnen, Festgesänge auf Gerechtigkeit, Unbeugsamkeit und den Mut zur Selbstverwirklichung. Denn die Onkelz präsentieren adäquate Radikalität: Rebellion als Lebensphilosophie, hart gegen sich und andere, die Probleme der Zeit thematisierend, fähig zur Selbstkritik und vor allem: bedingungslos unangepaßt. Kein heikles Jonglieren mit Gewaltsymbolen, sondern das Ideal der Selbstachtung für sich und andere in Anspruch nehmend."

Stephan: "Ich glaub, daß wir 'ne Band sind, die ihre Texte lebt, die das lebt, was sie singt, daß wir einfach ehrlich sind und daß die Leute das spüren. Das glaube ich, ist die große Faszination an der ganzen Sache."

Gonzo: "Wir sind die geilste Rock 'n' Roll Band Deutschlands."

 

Die Fans:

"Früher hab ich die Toten Hosen gehört, was ja so ungefähr in die Richtung geht, und dann hab ich die Onkelz-Lieder gehört und dachte: Wahnsinn! Da steckt so viel Wahrheit drin. Ich kann die Lieder 20 mal hören und finde immer wieder was Neues. Ich mein, die Hosen sind auch geil, so zum Mitgrölen, aber oberflächlich!"

"Ja, wie sie sie einfach rüberbringen und die verschiedenen Texte, wie zum Beispiel jetzt von der Schwarzen und der Weißen, 'Für immer' oder 'Deutschland im Herbst' von den Texten her sind sie einfach genial."

"Als allererstes habe ich die Doppel-CD 'Live in Dortmund' gehört und habe gemerkt, daß keines von meinen Vorurteilen stimmte. Geile Musik, sehr gute Texte, und eine irre Stimmung haben mich sofort zum Fan gemacht. Diese Musik hat mir in einer sehr schwierigen persönlichen Lage geholfen, meinem Leben neue Bahnen zu geben. Nicht, irgendwie ins Rechtsradikale abzudriften, sondern daß man aufrecht seinen Weg gehen sollte. Jeder, der sich die Mühe macht, ihre Lieder zu hören und auch auf die Texte zu achten, kann über die Vorurteile und die blöde Anmache von anderen Leuten nur lachen. Warum ich Onkelz höre: Weil die Musik gut ist, weil sie sehr gute, treffende Texte haben und auch den Mut, diese deutsch zu singen. Schwachsinnige Texte kann man am besten verbergen, indem man englisch singt. Sie treffen mit ihren Lieder sehr oft meine Vorstellungen und Gedanken. Ich habe nicht den Eindruck, daß sie für Geld ihre Ideale über den Haufen werfen würden."

"..sie haben mein Leben, vor allem mein Denken verändert. Ohne die Onkelz wäre ich heute mit 90%iger Sicherheit tot. Eine Zeitlang waren sie der einzige Sinn meines Lebens und der einzige Grund, warum ich mich nicht umgebracht habe."

"..ich habe schon xmal versucht, mir die Pulsadern aufzuschneiden, aber bevor das passieren kann, kommt mir immer wieder eins eurer Lieder in den Sinn"

"Sie animieren eigentlich speziell auch die Jugendlichen, selbst zu denken, einfach wirklich seine eigene Meinung, sein eigenes Denken durchzusetzen, und für das, was man denkt, auch einzustehen. Und das ist wirklich das, was ich total gut finde."

 


 

 

 

 

"..irgendwie seelenverwandt.."

(Die Fans)

"Wir wissen von den Schwierigkeiten, die ihr habt, wenn ihr euch zu uns bekennt", schrieben die Böhsen Onkelz an ihre Fans. Denn auch die Fans der Böhsen Onkelz werden von vielen Leuten immer noch kritisiert und müssen sich für ihren Musikgeschmack rechtfertigen. Auch in den Liedern wird dieses Problem thematisiert: "Wir sind dein kleiner Bürgerkrieg, wir sind der Prinz, den du so liebst.." und "Mit dieser Band hast du nicht viele Freunde, doch die die du hast teilen deine Träume, die die du hast teilen alles mit dir" Ein Fan dazu: "Oder ist das auch schon rechtsradikal? Welche Träume dahinter stecken, wissen wir Fans wohl besser als die Schreiber von 'Spiegel', 'Stern' etc. Ich muß mir ihre Texte nicht von irgendwelchen Besserwissern interpretieren lassen, ich habe meinen eigenen Kopf und kann selber denken!"

Im Internet auf den Homepages der Fans findet man oft Texte wie diesen hier:

"Um es vorwegzunehmen: Ich bin weder rechts noch Skin &emdash; und trotzdem höre ich Böhse Onkelz. 'Kaum zu glauben' denkt Ihr? Oder: 'Alles gelogen'? Na dann ist diese Seite vielleicht nötiger, als ich dachte. Schön wäre es nämlich, wenn man draußen mit einem Onkelz-T-Shirt rumlaufen könnte, ohne gleich mit 'NAZI' dumm angemacht zu werden."

Die Onkelz-Fans müssen immer wieder betonen, daß sie nicht rechtsradikal sind, obwohl sie diese Musik gut finden.

"Bei uns, in Grevenbroich, wird man sofort von Ausländern angesprochen, wenn man eine Bomberjacke mit Böhse-Onkelz-Aufnäher anhat. Man wird dann sofort als Rechter abgestempelt und wenn man dann keine gute Ausrede hat, wird man sofort zusammengeschlagen. Das liegt sicherlich an den vielen Gerüchten, die von den Medien über die Onkelz in die Welt gesetzt werden. Wir haben nichts gegen Ausländer, aber wir finden es nicht richtig, daß sie uns vorschreiben wollen, welche Musikgruppe man hören darf und welche nicht?!! Glücklicherweise sind nicht alle so. Wir haben auch viele ausländische Freunde, die nichts dagegen haben, wenn wir diese Musik hören. Aber was kann man gegen diese Vorurteile tun? Wir haben keine Lust, uns ständig zu streiten. Es mag sein, daß es einige deutsche Jugendliche gibt, die rechts sind und die die Musik der Onkelz hören. Aber das heißt doch noch lange nicht, daß alle, die die Böhsen Onkelz hören, rechts sind."

Ein Fan: "Ich war seit ich einen CD-Player mein Eigen nenne immer Onkelz-Fan, bin Onkelz-Fan und werde es auch immer bleiben. Egal, was das vielleicht für gesellschaftliche Nachteile bringt. Weiter so, Onkelz."

Die Fans sind diejenigen, die die Band jahrelang unterstützt haben und immer zu ihnen gehalten haben, egal was die anderen sagten und sie sind diejenigen, die mit den persönlichen Texte von Stephan Weidner etwas anfangen können. Dadurch ist ein besonderes Verhältnis zwischen den Fans und der Band entstanden. Die Onkelz beschreiben es in dem Lied "Zu nah an der Wahrheit" so:

"Wir kennen uns nicht, doch wir sind uns vertraut, irgendwie seelenverwandt, auch wenn du's nicht glaubst, vielleicht stehe ich vor Dir und Du erkennst mich nicht, spielt das eine Rolle, wir sahen ins gleiche Licht, wir sind wie du, glaub es oder nicht, früher oder später kriegen wir auch dich..."

Stephan: "Ich kann mir nicht vorstellen, daß es noch irgend'ne Band gibt, die ähnliche Fans hat wie wir. Das gibt's nicht." "Ihr seid die geilsten!!!"

HR2: "Hunderttausende von Jugendlichen identifizieren sich mit dem Werdegang und dem Aufstieg der Band. Mit einer Karriere von Außenseitern... Die Onkelz sind Identifikationsfiguren einer Generation von Jugendlichen, die in dieser Gesellschaft kaum mehr Berücksichtigung findet. Die Böhsen Onkelz als Feindbild und mit ihnen ihre Fans stehen am Rande dieser satten Gesellschaft."

Die Böhsen Onkelz haben, wie viele andere Bands auch, ein sehr breitgestreutes Publikum. Sicherlich gehen da auch ihre politischen Einstellungen sehr auseinander. Ein Großteil teilt aber wohl die Meinung der Onkelz und verabscheut sowohl rechte wie linke Extreme. Edmund Hartsch beschreibt ihre Fans so:

"Stahlharte Rocker, Gymnasiasten und Hauptschüler, Teenies und Erwachsene, Kern-Asis, Rocker, Sonderschüler und Freaks, Normalos und Fertige, härteste Punks und krasseste Skins, zappelnde Teenies mit bunten Haaren und auch ausländische Jugendliche, Azubis und Studenten, Fußballfans, Härtner, Hools, Langhaarige, Normalos, Leute mit Dreadlocks, Baseballkappen, Wollmützen und sogar Antifa-T-shirts"

Und von allen zusammen werden die bei den Konzerten gespielten Onkelzsongs Zeile für Zeile mitgesungen.

Frank Hinz: "Es sind Skins da, ich weiß nicht, ob Rechte da sind. Es kann durchaus sein, daß da noch welche rumlaufen, ohne Frage, es kann genausogut sein, daß da linke Punks rumlaufen. Es ist bei den Onkelz sicherlich eher möglich als bei den ärzten, daß da Rechte rumlaufen, aber du kannst es nicht kontrollieren. Es sind auf jeden Fall keine offensichtlichen Rechten zu sehen, die dann die typischen Merkmale haben wie Doc Martens mit weißen Schnürsenkeln oder so was. Aber ich denke, sie sind für die rechte Szene, für die richtig rechte Szene mehr als uninterressant. Denn von denen gibt es mehrere Songs gegen die Onkelz. Und in der Szene werden die Onkelz als linke Verräter beschimpft."

Gonzo: "Man versucht eben immer, bei uns ganz genau zu gucken: Ah, da sind die Faschos, obwohl über neunzig Prozent aller Fans ganz anders drauf sind. Aber dies registriert niemand bzw. will auch keiner."

Die Onkelz ziehen mit ihrer Musik inzwischen wohl nicht viel mehr Rechtsradikale an als andere deutschsprachige Hardrockbands. Der Großteil der rechten Szene ist wahrscheinlich tatsächlich von den Böhsen Onkelz enttäuscht. Eine Skinheadband sang 1992 in einem Lied gegen die Onkelz: "...das Signum des Verrats steht euch mitten im Gesicht, wir kotzen, wir pissen, wir scheißen auf Euch und noch viel mehr, wir kotzen, wir pissen, wir scheißen auf Euch und spucken noch hinterher" Eine andere faschistische Band stellt in einen Lied Stephan Weidner als schwulen Vergewaltiger und Kinderficker dar, oder die Onkelz werden in solchen Liedern als Kommerz-Rocker beschimpft.

Werbung von Virgin: "...und vielleicht kommen diesmal auch jene, die sich bislang nicht getraut haben. Denn jeder, der die Onkelz auf dieser Tour verpasst, der wird wieder nicht ihre unbeschreibliche Energie und pure Kraft spüren, dem werden sich nicht die Nackenhaare aufstellen und der wird nicht den unglaublichsten Background-Chor der Republik hören nämlich den der Onkelzfans."

Stephan auf einem Konzert: "Beim nächsten Lied hoffe ich auf eure lautstarke Unterstützung. Beweist uns, daß ihr nicht zu unrecht, der beste Chor der Welt genannt werdet."

Edmund Hartsch: "Und wenn mal wirklich jemand hingeschaut hätte, dann hätte er sehr schnell gemerkt, daß es die gleiche Crowd war, die auch zu Metallica oder Motörhead ging. Nicht die Onkelz haben die Gewalt in die Herzen der Jugendlichen gepflanzt und auch nicht nur die netten Männer, die Väter, Pfarrer, Politiker oder Nachbarn. Gewalt war in uns... Bei den Konzerten konnten die Fans, wer auch immer diese Leute waren, die Gewalt heraussingen. Das, und nichts anderes, machte das Faszinosum 'Böhse Onkelz' aus."

 


 

 

 

 

"...ich lerne aus meinen Fehlern und mache daraus ein Lied..."

(Böhse Onkelz als Vorbild für gefährdete Jugendliche)

YM: "Die Welt nach dem Schubladensystem zu ordnen, macht das Leben einfach. Gut und böse, arm und reich, männlich und weiblich: Das sind eindeutige Kategorien. Schwierig wird es in den Grauzonen, wenn nicht klar ist, wohin etwas gepackt werden soll. Und wenn einen andere in eine Ecke drängen, weil in deren Köpfen alles seinen Platz haben muß."

Matthias Güldner und Klaus Sieveking (taz-bremen, 1/98): "In der kleinen Welt, in der Rassisten und Anti-Rassisten leben, hat man den Eindruck: Es gibt nur entweder gute Deutsche und böse Ausländer oder umgekehrt. Eine Aussage wird heute schnell mit den Etikett 'fremdenfeindlich' belegt, auch wenn sie nichts als die von vielen erfahrene tägliche Realität wiedergibt. "

In unserer Gesellschaft werden Jugendliche, die sich gegen Ausländer äußern, schnell in eine Ecke gedrängt, werden sofort als "rechtsradikal" und "böse" bezeichnet und ausgegrenzt. Dadurch geraten diese Jugendlichen oft erst richtig in die rechtsradikale Szene hinein und man läßt sie aus dieser Ecke auch nicht mehr raus, denn "einmal rechts, immer rechts". Man setzt sich kaum mit diesen Jugendlichen auseinander, denn es will keiner was mit solchen Leuten zu tun haben. Es wird nicht hinterfragt, woher das vielleicht kommt und vor allem, wie man sie von diesem Weg abbringen kann. Hier soll nicht das Faschismus-Problem verharmlost werden, denn natürlich gibt es auch Leute, die vom Faschismus überzeugt sind. Aber gerade bei jungen Leuten steckt oft nicht viel dahinter. Oft ist es nur die eigene Orientierungslosigkeit, das Suchen nach Schuldigen für ihre eigene miserable Situation, das Zusammengehörigkeitsgefühl, schlechte Erfahrungen mit Ausländergangs, so wie es bei den Onkelz war, oder auch nur Provokation, weil es die einzige Sache ist, mit der sie ihre Eltern oder Lehrer noch richtig schocken können.

Die Böhsen Onkelz haben sich, obwohl sie von allen in diese Ecke gedrängt wurden, nicht davon beirren lassen, sondern sind ihren eigenen Weg gegangen und haben das gatan, was sie für richtig hielten, und nicht das, was die Gesellschaft von ihnen fordert, nämlich daß sie ihren Namen ändern oder sich ganz auflösen. Hätten sie gleich aufgegeben, wären sie für immer die Kultband der rechten Skinheads geblieben, und die Jugendlichen hätten weiterhin nur ihre alten Lieder gehört. Wie Stephan schon 1986 zum Ausstieg aus der Skinheadszene sagte: "Wir hatten keine Lust mehr, uns in eine Ecke drängen zu lassen, aus der wir nicht mehr herauskommen". Das wollen sie jetzt ihren Fans mit auf den Weg geben: Daß das, was sie früher gemacht haben falsch ist, daß man sich ändern und aus seinen Fehlern lernen kann und daß man sich selbst immer wieder hinterfragt. Daß man nur das tut, was man selbst für richtig hält, sich nicht von anderen in eine Ecke drängen läßt und nicht irgendwelchen dumpfen Parolen folgt. Sie machen mit ihren Texten den Jugendlichen Mut, ihre eigenen Ideen durchzusetzen und das Beste aus ihrem Leben in dieser "beschissenen Welt" zu machen. Selbstvertrauen, der Glaube daran, daß der Weg, den sie eingeschlagen hatten und daß das, was sie machten, gut und richtig war, hatte die Onkelz so weit nach oben gebracht und hat sie trotz all dem ärger nicht aufgeben lassen.

"....es gab 'nen langen Weg zu gehen, den Weg der Wahrheit, nicht jeder kann ihn sehen, kann ihn gehen. Es war eine langer, langer Weg und niemand sagte, es wird leicht. Wir hatten nichts zu verlieren, und keine Weg war uns zu weit." (Böhse Onkelz: „Langer Weg" 1992)

Ein Fan: "Wer Stephan Weidner und seine Texte wirklich versteht, weiß, wovon er singt und schreibt. Er versucht, den Zuhörern klar zu machen, daß eine eigene Persönlichkeit wichtig ist, eigenes Denken, eigene Ideen. Er versucht, dich wachzurütteln, nicht nur 'blind' mitzulaufen und etwas tun, weil es alle tun."

Stephan: "Die Onkelz haben aufgrund von Texten sowie Musik eine gewisse Rolle und Funktion in der Gesellschaft. Wir sprechen im Grunde in irgendeiner Form auch die Leute an, die am Rande der Gesellschaft stehen. Dies sollte eben mal die Presse erkennen, daß wir Lebenshilfen geben und anhand unserer Geschichte zeigen, wie man sich entwickeln kann und sein Schicksal selbst ein bißchen in die Hand nimmt."

 

finde die wahrheit

ich rieche angst, ich rieche korruption, erlahmten glauben, resignation

ich rieche eine kranke, eine kranke müde welt, ich rieche gier, die gier nach geld

finde die wahrheit, hab keine angst, finde die wahrheit, solange du noch kannst

denn die wege sind lang, und selbst der tod ist nicht ihr ende

wach endlich auf, reich mir die hände - werde legende

ich laufe durch die straßen und alles was ich seh' - sind verlorene seelen, gesichtlose armeen

korrupte bullen, schulen voller idioten, die falschen götter, die falschen drogen

ich rieche böses und bitterkeit befällt mich, das leben stinkt, es stinkt gewaltig

ich seh die armut der reichen, ihre ketten aus gold, den schatten des himmels, eine landschaft in moll

 

das problem bist du

ich starre auf mein bild und lese in mir selbst, aus dem legendenbuch, aus meiner welt

ich wusste nicht wohin ich ging, nicht mal, wo ich war, wie ein schiff ohne ruder - nichts war klar

sie nannten mich idiot, weil ich die schule haßte, sie sperrten mich ein, weil ich denen nicht paßte

ich lebte von verbrechen, von kleinen hehlereien, ich hatte "schlechte" gesellschaft und zu viele schlägereien

ich will dich nicht belehren, du bist selber alt genug, doch es ist traurig aber wahr, das problem bist du

die hölle ist in dir und kein ort, an den man geht. unsere hölle schaffen wir und nicht der, der vor uns steht

zu viele drogen, zu viele schlägereien, ich war nicht immer sieger, aber viel zu oft dabei

ich weiß wie es sich anfühlt, wenn knochen splittern, ich weiß wie es sich anfühlt, wenn die hände zittern

doch es ist nicht der schmerz, der mir sorgen macht. es ist die hölle, die du dir schaffst

denn jeder kann zaubern, seine ziele erreichen, du mußt es nur wollen, du stellst die weichen

 

ich mache was ich will

ich weiß es ist nicht leicht, wenn man seine ziele nicht erreicht,

ich kenne dein problem, ich kann dich gut verstehen

doch wenn du wirklich lebst, wenn du für deine wahrheit gehst

wenn du wirklich an dich glaubst, bekommst du alles was du brauchst

ich mache was ich will, ich tue das woran ich glaube, ich lebe meine wahrheit, ich traue meinen augen

ich gehöre meinen worten, nur mir selbst, ich mache was ich will, ich mache das, was mir gefällt

ich rede nicht vom geld, sondern von dem was wirklich zählt, nicht vom kleinen glück, halt mich für verrückt

doch ich weiß wovon ich rede, ich weiß warum ich lebe,

du bist das was du daraus machst und du bekommst das was du erschaffst

und wenn ich tausendmal verliere, wenn ich dafür krepiere,

du machst mir keine angst, ich tue nicht was du verlangst

ich gehöre meinen worten, meinen worten meinen liedern,

und falls du meine sprache sprichst sehn wir uns wieder

 

entfache dieses feuer

ich seh eine kleines mädchen betteln und drehe mich herum, ich seh den himmel weinen und frage mich warum

ich sehe flüsse voller tränen, seen voller leid, meere voller dummheit, was ist los mit dieser zeit

was ist los mit uns, ich kann uns nicht verstehen, doch reich mir deine hand, lass uns träumen gehen

lass uns fliegen schöne sehnsucht, näher an unsere träume, lass uns wieder atmen, lass uns wieder sehen

entfache dieses feuer, in mir dieses feuer und nichts als dieser traum wird wahr

ein traum so fern und doch so nah

es ist nicht grad berauschend, was ich hier seh, ich seh die bullen töten schwarze in l.a.

ich seh den krieg in jugoslawien, den hass in unserem land, wenn ihr etwas ändern wollt, fangt bei euch an

das hier ist euer erbe und wenn's euch nicht gefällt, dann werdet bessre menschen und ihr kriegt ne bessre welt

 

das wunder der persönlichkeit

glaubst du meinen glauben, sprichst du meine sprache, trägst du meine kleidung, glaubst du alles was ich sage

sei dein eigener meister, dein eigener jesus, regiere dich selbst, es ist dein ich, das du sehen musst

nimm nicht was man dir bietet, werde erst du selbst, das ist das wunder der persönlichkeit,

das wunder, das du bist, das wunder, das wir alle sind, du genau wie ich,

denn bevor man andere lieben kann, liebe erstmal dich

folgst du meinen zielen, bist du mein spiegelbild, siehst du mit meinen augen oder bist du etwa blind,

hörst du auf meinen namen, trägst du mein lächeln im gesicht,

nur wenn du das nicht tust, dann bist du wie ich,

 

Mit solchen Liedern und ihrer eigenen Geschichte versuchen die Onkelz auch gerade die Jugendliche, die gefährdet sind in die rechte Szene reinzurutschen zu erreichen. Und sie haben damit bestimmt größeren Erfolg als irgendwelche Politiker, Lehrer, Eltern oder Sozialarbeiter, weil ihre Texte trotzdem nicht wirklich belehrend oder moralisch klingen. Die Böhsen Onkelz sprachen mit ihrer Musik, ihren Texten und ihrer Geschichte schon immer viele jugendliche Randgruppen an. Junge Leute, die ähnlich aufgewachsen waren wie die Onkelz selbst, Kids von der Straße, die ihr Leben zum Kotzen finden. Und gerade diese Jugendlichen sind es, die nach Halt in ihrem Leben suchen, die nach jedem Strohhalm greifen, den man ihnen reicht, bei denen die rechtsextremen Parteien Erfolg haben und die anfällig sind für nationalistissche und rechtsradikale Parolen. Die Böhsen Onkelz können ein Vorbild sein, indem sie zeigen, was sie aus sich gemacht haben.

Stephan: "Hier geht's um Leute, die Äußerungen wie 'Ich bin stolz ein Deutscher zu sein' oder 'Scheiß-Ausländer' relativ unmotiviert von sich geben und gar nicht merken, welche Statements sie da abgeben, genauso wie wir das damals auch nicht gecheckt haben... Wenn Du die Leute dazu motivierst, selbständig denkende Menschen zu sein, dann können sie keine Rechtsradikale mehr werden. Denn das sind Blinde, die irgendwelchen dumpfen Parolen folgen. Und das ist genau das Ziel, das die Onkelz verfolgen, Leute zu selbständig denkenden Menschen zu machen. Und dann besteht auch keine Gefahr, in solch ein Lager abzudriften. Falsch finde ich, daß nicht erkannt wird, daß gerade 'ne Band wie wir mit der Historie, und Fakt ist ja auch, daß ich schon glaube, es ist zwar ein kleiner Teil unserer Fans, aber das spielt keine Rolle, wie groß der ist, es sind nicht nur unsere Fans, Gefahr läuft, ins rechte Lager abzudriften. Und daß eine Band mit unserer Historie und mit dem Werdegang, daß das nicht erkannt wird, welche Funktion wir damit bei den Jugendlichen haben, welchen Einfluß wir auf junge Menschen haben, gerade anhand unserer Historie. Nicht, weil wir den Finger hochheben und sagen: Wir sind die Guten und Ihr die Bösen! Sondern wir sind durch die ganze Scheiße gegangen. Es ist nicht nötig, daß Ihr das auch tut... Ziel muß es eigentlich sein, das Gespräch zu suchen und nicht Leute auszugrenzen. Das ist genau das, was die Gesellschaft mit Rechtsradikalen macht. Sie drängen sie weiter noch in eine Ecke und lassen sie nicht mehr raus. Und die fühlen sich dann komplett allein gelassen und finden den Zusammenhalt nur noch in ihrem kleinen Kreis. Und da ist natürlich die Gruppendynamik wieder da... Es gibt immer nur gut und böse, nur Schubladen. Wenn irgend etwas nicht in eine Schublade reinpaßt, dann fangen wir an, die Kontrolle zu verlieren... Deswegen packen wir alles irgendwo ein. Und so werden Feindbilder geschaffen. Rechts ist böse, Links ist gut. Oben ist der Himmel, unten die Erde. Wenn man Leute sofort ausgrenzt und sagt: 'Die sind sowieso schlecht', dann wird niemals eine Kommunikation, ein Veränderungsprozeß stattfinden. Welcher Sozialarbeiter hat denn Lust, mit rechtsradikalen Jugendlichen zusammenzuarbeiten? Ich glaube, genauso leicht, wie du sie dazu bekommst, den Hitlergruß zu machen, bekommst du sie auch wieder weg davon. Es ist doch eigentlich oft nur der Reiz des Verbotenen, der Reiz, böse zu sein."

HR2: "Vielleicht steht mit den Böhsen Onkelz nicht eine Band zur Diskussion, sondern die Gesellschaft selbst, welche sich weigert, gemeinsam eine Chance wahrzunehmen."

Alice Schwarzer: "Also, ich weiß nicht wie es Ihnen geht, aber wenn alle Jugendlichen, die irgendwann mal aus welcher Stimmung oder aus welchem Unrecht heraus mal gesagt haben 'Türken raus', wenn die so viel Zeit und Energie damit verbringen würden wie Stephan zu sagen es tut mir leid und ich hab mich geändert und ich will dagegen ankämpfen, dann wär ich eigentlich schon ziemlich erleichtert. Also, ich hoffe, das Beispiel macht Schule."

Daniel Cohn-Bendit: "Durch ihre Geschichte beeinflussen sie viele Jugendliche, die rechtsradikale Tendenzen haben, und durch ihre Einsichten wollen sie da raus, und sie könnten Jugendliche da raus ziehen. Ich bin absolut dafür, daß man einerseits in der Gesellschaft zeigt, daß man den rechtsradikalen Grenzen setzt, daß man eine Gegenbewegung, auch gegen sie mobilisiert, daß sie bestraft werden, wenn sie so was machen wie Mölln, das ist Mord, das ist ganz klar zu betrafen. Aber daß man den Jugendlichen die Möglichkeit gibt, jeder Zeit daraus zu kommen."

Daniel Cohn-Bendit, Politiker der Grünen und Frankfurter Dezernent für Multikulturelle Angelegenheiten, sah mit den Onkelz auch eine mögliche Chance, Jugendliche vom rechten Rand wegzubringen und lud 1992, nachdem die Onkelz vom Rock-gegen-Rechts-Festival in Frankfurt ausgeschlossen worden waren, zu einer Diskussionsrunde mit und über die Böhsen Onkelz ein, auch um über neue Auftrittsmöglichkeiten zu sprechen. Bei dem dann stattfindenden Gespräch wurde heftig diskutiert. Während CDU-Politiker Friedmann und einige Konzertveranstalter die Onkelz weiterhin kritisierten, sprach sich Cohn-Bendit eindeutig für die Onkelz aus. Die Veranstaltung wurde von einer Gruppe der Frankfurter Antifa gestört, deren Demonstration sich gegen "jeglichen Dialog mit angeblich gewandelten Faschos" richtete. Cohn-Bendit war nämlich einer der wenigen, der dazu bereit war, sich wirklich mit den Böhsen Onkelz auseinanderzusetzen. Er kritisierte, daß die großartige Chance vertan wurde, die Böhsen Onkelz bei dem Rock-gegen-Rechts-Festival auftreten zu lassen. ähnlich äußerte sich auch die FAZ:

"Denn die umstrittenen Böhsen Onkelz wollten sich gern durch eine Teilnahme an dieser Aktion des guten Willens rehabilitieren. Leider wurde ihr guter Wille nicht zugelassen und damit die Chance vertan, populäre Identifikationsfiguren von Jugendlichen, die für ausländerfeindliche Parolen anfällig sind, in die Aktion für Freiheit, Gleichheit und Menschlichkeit zu integrieren. Vielleicht hätten die Böhsen Onkelz den kommunikativen Brückenschlag zum feindlichen Lager geschafft, vielleicht wäre die Versöhnungsgeste ihrer Beteiligung als Signal von jenen Jugendlichen verstanden worden, die eben nicht nur die 'guten BAP-Menschen' aus Köln hören."

So sah das auch Frank Hinz, ehemaliger Radio-Bremen-4-Moderator und organisierte 1993 eine Rock-gegen-Rechts-Veranstaltung in Bremen, wo die Böhsen Onkelz als Hauptact auftraten, um endlich mal die Jugendlichen ansprechen zu können, die normalerweise nicht zu Gegen-Rechts-Veranstaltungen gehen.


 

 

 

 

Frank Hinz und das Rock-gegen-Rechts-Konzert in Bremen

(Bezug zu Bremen)

Frank Hinz machte von 1987 bis 1997 eine Hardrocksendung namens "Wild Side" auf Radio Bremen 4. Als er dort 87 anfing hat er persönlich noch gesagt, eine Band wie die Böhsen Onkelz würde in seiner Sendung niemals laufen: "Da hab ich einfach auch genau den gleichen Fehler gemacht wie alle, daß ich mich nicht informiert hab. Ich kannte die Onkelz auch nur vom Hörensagen und jeder sagte: 'das sind Faschos, mit denen brauchst du nichts machen.'" sagt Frank heute. 1989 bekam er die "Kneipenterroristen"-LP in die Hand, hat sich die angehört, fand sie klasse und konnte nichts Faschistisches feststellen, woraufhin er Kontakt mit der Band aufnahm und sie nach Bremen zum Interview einlud, "obwohl man mir bei Radio Bremen damals schon gesagt hat: wenn dieses Interview in die Hose geht, fliegst du raus." Er machte ein zweistündiges Interview mit den Böhsen Onkelz, bei dem auch die Hörer anrufen konnten. "Das ist heute für mich immer noch das beste Interview, was ich je gemacht habe. In diesen zwei Stunden konnten sie alle Fragen beantworten, sie haben alles super ehrlich beantwortet, auch zur Vergangenheit. Und das war auch super interessant gewesen, auch seitens der Band. Die sind komplett gekommen, die Band selber hat auch gesagt, das war das beste Interview, was sie bis dahin gemacht hatten." Ab da an hat sich Frank Hinz für die Onkelz eingesetzt und ihre Musik jedesmal in seiner Sendung gespielt. Die Fans haben sich gefreut, daß sich endlich mal jemand an das Thema herantraut und sich mit den Böhsen Onkelz auseinandersetzt. 1991 hatte er das erste Mal ein Konzert mit den Böhsen Onkelz im Aladin geplant, wurde dann aber von Punks bedroht: "Vom äußeren Erscheinungsbild her waren das Punks, die mich dann sozusagen an die Wand gedrückt hatten und gesagt hatten, wenn du die Onkelz nach Bremen holst, wenn die in Bremen spielen, machen wir dich platt und deine Kneipe wird zerhauen. Und dann hab ich halt da von mir aus Muffe gekriegt und hab das Ganze erstmal sein gelassen."

1993 plante Frank Hinz mit seinem Bruder und der Ausländerbehörde zusammen, ein größeres Rock-gegen-rechts zu veranstalten.

Frank Hinz: "Und dann hab ich gedacht, dieses Rock-gegen-rechts wäre der perfekte Weg, einfach um zu zeigen, daß die Onkelz nicht mehr das sind, was sie früher mal waren. Ich hab sie ja auch privat in Frankfurt besucht, bevor wir dieses erste Interview gemacht haben. Und sie waren auch wirklich offen zu mir, sie haben mir auch gesagt, daß sie halt früher irgendwie nationalistisch drauf gewesen sind. Ich meine, es gibt ja auch die alten Songs, z.B. 'Türken raus', na gut, das ist traurig, daß sowas entstanden ist, aber andererseits: sie stehen zu ihrer Vergangenheit. Und das hat mich damals schon motiviert, was mit denen zu machen, weil sie stehen zu ihrer Vergangenheit, sie sagen, daß sie früher Scheiße gemacht haben, und heutzutage zeigen sie ein anderes Bild. Wie kann man besser darstelllen, daß sich jemand ändern kann in seiner Entwicklung und mit 15, 16 Jahren ganz anders drauf sein kann als mit 25 oder 35, als die Onkelz selber."

Mehrere Leute in Bremen teilten diese Ansicht, und so kam es, daß das Konzert zusammen mit dem Dachverband der Ausländerkulturvereine Bremen (DHB), dem Deutschen Gewerkschafstsbund (DGB) und der damaligen Grünen Senatorin für Kultur und Ausländerarbeit, Helga Trüpel, veranstaltet wurde. Auch die Ausländerbeauftragte Dagmar Lill war begeistert von der Idee und engagierte sich sehr dafür, daß die Onkelz bei dieser Veranstaltung auch mitmachten.

Helga Trüpel: "Das könnte ja auch so ein Stück exemplarisches Lernen für andere sein. Warum waren die Böhsen Onkelz rechts und was hat sie bewogen, auch so wie sich unsere Gesellschaft entwickelt hat, davon wieder Abstand zu nehmen. Die erreichen am ehesten Leute, Jugendliche, die vielleicht mit einem Bein tendenziell im rechten Lager stehen. Und da wir sonst mit unseren so gut gemeinten Aktionen eigentlich immer nur die gleichen Leute erreichen, ist es mir hier besonders wichtig, daß Szenen sich auch mischen. Und das ist doch irgendwie die Chance, auf die ich immer noch hoffe, daß es da diese Veränderungsprozesse gibt. Wenn es die nicht mehr gibt, dann müßten wir ganz viele Jugendliche vergessen, und das möcht' ich nicht."

Frank Hinz: "Dadurch, daß die Böhsen Onkelz Skinheads waren und diesen Song 'Türken raus', gemacht haben, wurden sie natürlich gleich in die rechte Ecke gedrängt. Ich denke mal, Nationalismus war da, rechte Tendenzen waren auch da... aber wie soll ich das bewerten? Voller Fascho, halber Fascho? Im Endeffekt muß man einfach sehen was aus der Band geworden ist. Obwohl ich dem schon glaube, daß sie irgendwann, als die Skinheadszene politisiert wurde, sich dann davon gelöst haben, daß sie eigentlich nie politisch rechte Skins gewesen sind, das glaub ich schon. Obwohl sie natürlich scheiße gebaut haben, ohne Ende, ohne Frage, das ist auch unbestritten. Und ich denke aber andererseits, sie haben 'ne Menge getan, um da rauszukommen, und sie haben auch 'ne Menge getan um das Ganze gerade zu biegen. Ich bin heute der Meinung: kaum jemand kann wirklich, jemanden, der jung ist und irgendwie auch rechtspolitisch gelagert ist, den kann kaum einer so gut erreichen, kein Politiker, kein Sozialarbeiter, wie die Onkelz selber. Denn sie sind ja ein gutes Beispiel dafür was aus ihnen geworden ist, oder was man selber machen kann, auch um aus der Szene rauskommen. Einerseits haben sie scheiße gebaut, andererseits haben sie das, meiner Meinung nach, auch wieder richtig relativiert, das ganze auf dem richtigen Wege auch. Mit ihrem eigenen Namen weitergemacht, mit dem richtigen Programm weitergemacht, mit Songs wie 'Deutschland im Herbst' weitergemacht. Das war, denk ich mal, der richtige Weg, wie sie da rausgekommen sind."

Die Onkelz fanden das Rock-gegen-Rechts in Bremen eine gute Gelegenheit klarzustellen, was sie wirklich denken. Die ganze Veranstaltung trug den Titel "Mensch!?" und fand in der Stadthalle statt. Die Böhsen Onkelz und einige andere kleinere Bands spielten dort, und außerdem wurden Arbeiten zum Thema Ausländerfeindlichkeit ausgestellt, wo sich auch die ganzen Bremer Kulturvereine vorstellten.

Stephan: "Das war, denk ich, eine sehr wichtige Sache für uns. Wir haben ja quasi die ganze Veranstaltung, auch die Ausstellung zum Thema Fremdenhaß vor dem Konzert, finanziert, weil wir auf unsere Gage verzichtet haben, und die Leute letztendlich wegen uns gekommen sind. Wir wollten ein Zeichen setzen vor allem auch, um gewissen Fans aus der rechten Ecke zu zeigen, daß wir absolut keine Sympathie mehr für sie haben. Solchen Leuten wollten wir klipp und klar zeigen, wo wir stehen. Andererseits wollten wir der öffentlichkeit vor Augen führen, wozu die Onkelz in der Lage sind und was wir in politischer Hinsicht tun können."

Allerdings tauchte bei dieser Gegen-Rechts-Veranstaltung doch tatsächlich eine kleine Gruppe von Skinheads auf, die dann anfingen, rechte Parolen zu schreien.

Stephan: "Das waren irgendwelche Leute, die immer noch ein ganz falsches Bild von uns im Kopf haben und nicht geregelt kriegen, uns so zu sehen, wie wir sind. Die fingen dann an, irgendwelche Parolen zu schreien und sind daraufhin ziemlich schnell rausgeflogen. Was mich in dem Moment ganz besonders gefreut hat, ist die Tatsache, daß 99 Prozent der Leute spontan 'Nazis raus!' gebrüllt haben."

Edmund Hartsch: "Während der Provokant aus der Halle geworfen wurde, begleiteten ihn die Stimmen von 7000 Zuschauern, die alle 'Nazis raus!' riefen. Solche Lektionen waren weitaus hilfreicher, um fehlgeleiteten Fans die Richtung zu weisen, als verleumderische Hetze in der Tagespresse. Das war es, was Dr. Beate Mathesius mit 'millieuinterner Auseinandersetzung' meinte. Von 7000 Onkelzfans rausgeworfen zu werden, war mit Sicherheit ein einschneidendes Erlebnis für diesen Fan. Die Chance, die man in Frankfurt vertan hatte, wollte man sich in Bremen nicht entgehen lassen. Der DGB, wie auch die Stadt Bremen, zeigten sich beeindruckt."

taz-bremen 1996: "Nach einer tiefbraunen Vergangenheit als Hetz- und Partyband für Neonazis waren nur ein paar lauwarme Distanzierungen nötig, bis die ehemalige Naziband vor zwei Jahren mit DGB und Behörden-Segen sowie der Hilfe von Radio-Bremen-Moderator Frank Hinz offiziell in Bremen gegen Rechts rocken durfte. Von da an waren die Frankfurter im Musikgeschäft wieder hoffähig."

Frank Hinz: "Das war ja damals das erste große Konzert von den Böhsen Onkelz. Das war erst das zehnte Konzert in der gesamten Karriere der Band und dann gleich so ein riesengroßes Ding. Und da kam dann damals, durch dieses Rock-gegen-Rechts in Bremen, dieser Stein eigentlich ins Rollen mit den Auftritten in den ganz großen Hallen, dann beginnt sozusagen richtig der Weg nach oben für die Onkelz."


 

 

 

 

"..Gepusht wird was verkauft, schließt das uns ein?"

(Verkaufs-Boykott)

Auch heute werden die Produkte der Böhsen Onkelz von einigen Plattenläden und einigen großen Ladenketten noch boykottiert. Wir sind im November 1997 in der Bremer Innenstadt rumgelaufen und haben uns in den verschiedenen CD-Läden erkundigt. Was dabei rauskam, hat uns ziemlich überrascht, denn bis vor kurzem gab es in der Bremer Innenstadt nur bei Go Bäng Onkelz-CD's zu kaufen. Aber inzwischen haben wohl fast alle gemerkt, daß man mit Onkelz-Platten-Verkauf eine Menge Geld verdienen kann.

Die meisten Angestellten in den Läden wußten nicht viel über die Onkelz, hatten keine Zeit und wohl auch keine Lust, uns unsere Fragen zu beantworten, waren deshalb, wenn überhaupt, nur kurz angebunden.

Als erstes waren wir bei Karstadt, wo wir absolut sicher waren, daß dort keine CD's der Böhsen Onkelz verkauft werden. Denn es hieß immer WOM, Karstadt und Saturn seien DIE drei großen Ketten, die die Onkelz-Platten boykottieren. Aber der Verkäufer erzählte dann, daß sie die doch im Regal stehen haben. Als wir fragten warum denn auf einmal, sagte er nur, weil die Nachfrage da wäre und weil Karstadt wohl Geld verdienen wolle. Allerdings hatten sie auch nur die zwei neusten CD's.

Die Verkäuferin bei Horten bzw. Galeria Kaufhof wußte darüber gar nicht bescheid, sagte dann aber, daß sie die wohl nicht verkaufen würden, weil die "so aggressive Texte" hätten. Genaueres konnte sie uns nicht sagen. Nur daß das bei mehreren anderen Bands ja auch so wäre, z.B. bei den ärzten, und daß sie bis vor ein, zwei Jahren auch noch alle CD's der Onkelz hatten und sie zwischendurch auch mal wieder nur die ganz neue hatten. Anscheinend kann man sich bei Horten nicht so recht entscheiden, ob man nun die CD's verkaufen soll oder nicht.

Bei Brinkmann konnten wir mit dem Geschäftsführer sprechen, der sagte: "Wir haben die Böhsen Onkelz im letzten Jahr aus dem Programm genommen, wie sie noch extrem rechtsradikale Texte hatten..." Im Moment führen sie sie wieder, allerdings nur die ganz neue Live-in-Dortmund (auf der jede Menge Lieder der E.I.N.S.-CD sind, die vor einem Jahr erschien). Die Texte, sagte er, hätte er nicht selbst untersucht, sondern seine Angestellten und der Lieferant hätten ihn darüber informiert, daß die Texte (vor einem Jahr) rechtsradikal gewesen seien. Ob die Onkelz nun rechtsradikal wären oder nicht, könnte er persönlich nicht sagen, nur daß sie auf jeden Fall ein rechtradikales Image hätten.

Bei Saturn Hansa waren wir auch wieder sehr überrascht, daß sie alle CD's ab der "Onkelz wie wir" groß im Regal angepriesen hatten und sogar das Buch und die Live-Videos hatten. Dort konnten wir allerdings mit niemandem darüber reden. Frank Hinz erzählte uns, daß, als er 1989 das erste Interview mit den Onkelz gemacht hat, jemand von der Plattenabteilung bei Saturn angerufen, und gesagt hat, Böhse Onkelz würden sie bei ihnen niemals verkaufen. Frank Hinz: "Wenn mit dieser Band Geld zu verdienen ist, dann werfen einige Leute ihre alten Bedenken über Bord."

Bei JPC, wo wir vor knapp einem Jahr mal ziemlich angemacht wurden, als wir nur nach den Onkelz fragten, hatte sie gar keine Zeit für uns. Und eine WOM-Filiale gibt es in Bremen ja nicht, die inzwischen wohl die einzige Ladenkette sind, die die Onkelz noch komplett boykottieren. Am Ende unseres Rundganges hatten wir auf einmal fast das Gefühl, die Onkelz seien eine ganz "normale" Band, die man in jedem gut sortierten Plattenladen finden kann... Daß das aber nicht so ist, schrieben uns mehrere Onkelzfans aus anderen Städten:

"Also bei Saturn wundert mich das ziemlich stark, ich hab hier in Köln auch mal vor einem halben Jahr so was gemacht, da haben die uns bei Saturn wirklich aus dem Laden geschmissen. Ohne Scherz!"

"Ich war vorgestern bei Media-Markt. Auf meine Frage nach der 'Live in Dortmund' sagte mir der bis dahin sehr nette Verkäufer 'Onkelz? Wir verkaufen keine Musik von Nazis!' und verschwand mit einer abfälligen Handbewegung..."

"Ich habe hier in Berlin mal massig Läden abgeklappert und gefragt, ob die was von den Onkelz führen. Aus einem entgegenkommenden, freundlichen Lächeln wurde dann plötzlich ein forsches 'Nein' mit meist noch einer klugen Bemerkung hintendran und haben sich dann wieder ihren Beschäftigungen gewidmet."

"Also, in dem Mülheimer Media-Markt gibt es definitiv keine Onkelz-CD's. Auf meine Anfrage (schon etwas länger her), warum das so sei, bekam ich nur die Antwort: 'Frag mal bei den Rep's....' (kein Scherz!)"

"Ich kauf meine Onkelz-CD's eh nicht in irgendwelchen großen Ketten, die den Onkelz vorwerfen, aus ihrer Vergangenheit Kohle zu machen und dann, wenn sie merken, daß sich das richtig lohnt, vergessen, daß die Onkelz ja eindeutig rechts sind..."

 


 

 

 

"..bis im HR3 erklingt..."

(Boykott bei Radiostationen)

1989 haben sich die Böhsen Onkelz zur Aufgabe gemacht:

"Wir spielen, bis ganz Deutschland singt, bis im HR3 erklingt: böse Menschen, böse Lieder, Böhse Onkelz immer wieder..."

"Die Schüler und Schülerinnen starten eine Umfrage unter den lokalen Radiosendern: Wo haben sie ihre 'Schmerzgrenze'?" Diese "geniale Idee" wollten wir uns natürlich nicht entgehen lassen...

Wir haben bei den Radiosendern hier in Norddeutschland angerufen und uns mal erkundigt. Viele haben gesagt, daß die Musik nicht in ihr Programm paßt und sie entweder gar keine deutschen oder nicht so rockige Sachen spielen. FFN hat das auch gesagt, meinte aber noch, auch wenn sie sowas spielen würden, würden sie die Böhsen Onkelz nicht spielen, weil "ich mir nicht unterstellen lassen will, ich unterstütze rechtsradikale Tendenzen in Niedersachsen", sagte eine der Musikredakteurinnen, obwohl sie ganz gut darüber beischeid wußte und die Böhsen Onkelz und ihre Fans auch nicht als rechtsradikal bezeichnete. Anders war das bei Njoy-Radio. Die haben gesagt, daß sie die alten Texte kennen und daß sie persönlich glauben, daß das in den Köpfen der Onkelz auch noch drin ist, auch wenn sie das nach außen hin nicht so zeigen. Deswegen werden sie die Musik der Onkelz niemals in ihrem Programm spielen. Bei Delta-Radio in Kiel haben sie sich wohl schon ein bißchen mehr mit dem Thema beschäftigt und haben uns auch gleich auf das Buch hingewiesen. Sie sagten, daß sie im Moment noch keine Musik der Böhsen Onkelz spielen, aber gerade dabei sind, Hörer-Umfragen zu diesem Thema zu machen und daß sie, wenn die Resonanz darauf positiv ist, die Onkelz auch spielen werden. Bei Radio Bremen 4 haben sie sich ein bißchen rausgeredet. Zuerst meinten sie, das hätte keine politschen Gründe, daß sie die Böhsen Onkelz nicht spielen, sondern nur den, daß sie nicht in ihr Programm passen (obwohl dort ja eigentlich auch sehr viel Tote Hosen oder sogar Rammstein gespielt werden). Dann sagte der Musikredakteur noch, daß die Singles der Onkelz ja nie so hoch in die Charts gekommen seien, und daß es ja auch schon länger her sei, seit die letzte Single rauskam und ihnen die letzten Sachen nicht so gut gefallen haben. Die meisten Radiosender haben wohl Angst, daß sich die Hörer beschweren würden, wenn auf einmal "Nazi-Musik" bei ihnen laufen würde.

Frank Hinz: "Bei Radio Bremen gab es Kollegen, die noch bis vor zwei, drei Jahren angezweifelt haben, daß das wirklich gut war, was ich damals mit den Onkelz gemacht hab. Da war z.B. mal die Sendung 'Rocktelefon' auf Bremen 4, wo dann die Moderatorin gesagt hat: 'Bands, deren Gesinnung die Farbe von Scheiße hat, werden wir hier nicht spielen'. Bei Radio Bremen ist es wirklich das Problem, daß sich keiner mit dem Thema auseinandersetzt und, daß die, glaub ich, auch fürchten, daß es da Kritik seitens der Hörer geben könnte. Bei mir war das so, ich hab's jahrelang gemacht und gespielt, und so wußten die Hörer meiner speziellen Sendung, daß ich die Onkelz akzeptiere, und daß das so laufen konnte, bei meiner Sendung, bei der 'Wild Side'. Aber wenn im normalen Ablauf, im Tagesprogramm, auf einmal die Onkelz laufen würden, denk ich, würden Leute, die abends meine Sendung nicht gehört haben, erstmal drauf kommen, und sagen z.B. ups, was ist das denn, Faschos hier. Denn das hab ich bei meiner Sendung auch noch gehabt, daß so vereinzelt, alle 5, 6 Wochen mal jemand angerufen hat und dann fragte: 'Warum spielt Ihr die Onkelz?' Und dann muß man halt immer wieder von vorne anfangen."

 

 

 

 

"...und dieses endlose Geheimnis hatte unendlich viel zu sagen..."

(Schlußworte)

Die Böhsen Onkelz haben es geschafft, sich gegen die Macht der Medien und die, der Musikindustrie durchzusetzen, und haben es allein durch ihre Musik ganz nach oben geschafft. Aber sie sind wohl immer noch Deutschlands umstrittenste Rockband. Immer noch müssen sie sich für die Dinge rechtfertigen, die sie vor mehr als 12 Jahren gemacht haben, für zwei, drei Songs, die 1983 das letzte Mal gespielt worden sind, für drei Konzerte, für eine von 16 Platten und für drei Jahre ihrer nun 18jährigen Bandgeschichte. Und dieser Ruf wird sicherlich auch immer an ihnen haften bleiben, auch wenn es die Band in 20 Jahren noch geben sollte. Obwohl wir bei unseren Recherchen festgestellt haben, daß das Ganze beginnt sich mehr und mehr aufzulockern, was uns immer wieder überrascht hat, denn normalerweise ist man nur auf negative Reaktionen eingestellt, wenn man das Thema "Böhse Onkelz" anspricht.

Als wir vor circa zwei Jahren das erste Mal die Böhsen Onkelz hörten, wußten wir gar nichts über sie, außer daß das eine Band ist. Das heißt, wir sind das ganz ohne Vorurteile angegangen, und uns haben einfach die Musik und die Texte gefallen. Als wir dann immer wieder von allen Seiten hörten, daß die früher mal Faschos waren und jetzt nur aus kommerziellen Gründen ihre Meinung geändert haben, fanden wir das auch schon damals ziemlich schwachsinnig, aber wir wußten nicht genug darüber um das Gegenteil zu behaupten, und uns war es vorerst auch egal, denn die Texte, die wir uns anhörten waren alles andere als rechtsradikal. Und schließlich hatten wir zuvor auch nur die Bands gehört, deren Musik oder Texte uns gefallen hatten und nicht weil wir die Leute, die diese Musik machten so unwahrscheinlich sympathisch fanden. Viele Leute verstehen ja nicht einmal die Texte der Bands, die sie hören, geschweige denn, wissen was über die politische Einstellung oder Vergangenheit der Bandmitglieder. Die Leute, die die Musik amerikanischer Gangsta-Rappern hören, müssen sich nie dafür rechtfertigen, daß sie Musik von Leuten hören, die die übelsten Gewalttaten verübten.

Als wir angefangen haben, uns mehr mit den Böhsen Onkelz zu beschäftigen, wurde uns dann eindeutig klar, daß diese Band auf gar keinen Fall eine Faschoband ist. Außerdem haben wir gemerkt, wieviel mit diesem Thema eigentlich zusammenhängt. Wir hatten viele Gespräche über Rassimus, Nationalstolz, Skinheads, Medienbeherrschung, "links" und "rechts" und überhaupt Politik.

Uns wurde bewußt, wie extrem wir uns doch alle von den Medien beeinflussen lassen, und daß es bestimmt noch eine ganze Menge Dinge gibt, von denen wir ein ganz falsches Bild im Kopf haben, weil man sich einfach nicht mit allen Themen so weit beschäftigt, bis man wirklich unterscheiden kann zwischen dem, was nur Meinungsmache der Medien ist und dem, was wirklich stimmt. Uns wurde verdeutlicht, daß man sich intensiv mit Themen auseinandersetzen muß, bevor man sich wirklich ein Urteil darüber bilden kann, und daß das genauere Hinterfragen von Dingen ganz neue Sichtweisen zum Vorschein bringen kann.

Wir haben angefangen uns über das Thema Nationalstolz mal ernsthaft Gedanken zu machen. Vorher dachten wir einfach nur, daß es Unsinn ist, stolz auf seine Nationalität zu sein. Von diesem Standpunkt sind wir zwar inzwischen nicht abgewichen, haben aber gemerkt, daß wir unbewußt bei Leuten anderer Nationalitäten akzeptieren, was wir beim eigenen Land kritisieren. Wenn Türken mit der Flagge ihres Landes rumlaufen stört das keinen, wenn Italiener T-Shirts mit der Aufschrift: "Italians do it better" tragen, ist das eher lustig. In Deutschland aber wäre das unmöglich und sofort "rechts".

Auch darüber, was überhaupt "rechts" ist, haben wir viel diskutiert, weil wir uns immer wieder fragten, ob die Böhsen Onkelz denn nun "rechts" waren oder nicht. Inzwischen denken wir, daß es Quatsch ist, ihre damalige Einstellung überhaupt mit (so) einem Wort beschreiben zu wollen. Wir haben beschrieben, soweit es hier möglich war, wie ihr Leben verlaufen ist, was sie gesagt, getan und gesungen haben, das sagt alles aus. Und wenn jemand das mit den Worten "rechtsradikal", "rassistisch", "rechts", "faschistisch" oder sonst irgendwie benennen will, kann er das machen, aber wir wollten endlich mal von diesen Begriffen runterkommen und einfach nur die Lebenssituation dieser vier Menschen beschreiben und das kann man nicht mit einem Wort. Schließlich gibt es noch mehr als nur "rechts" oder "nicht rechts". Wir denken, nach all dem was wir jetzt über die Onkelz und ihre Vergangenheit wissen (und das ist noch 'ne Menge mehr als hier drin steht), daß die Onkelz selbst nie wirklich überzeugte(!) Rassisten waren, was sich wohl auch so in etwa mit ihren eigenen Aussagen deckt. Aber wir denken, daß das im Prinzip überhaupt keine Rolle spielt, denn schließlich haben sie ja rassistische Lieder gemacht und wurden dafür von der rechten Szene verehrt. Es läßt einen nur den Ausstieg der Vier aus dieser Szene besser verstehen.

Wir haben uns auch das erste Mal richtig mit dem Thema Rassismus auseinandergesetzt. Sicher haben wir da in der Schule schon oft mal darüber geredet, haben dagegen demonstriert etc., aber viel mehr als "Rassisten sind Scheiße!" kam dabei nie raus. Für uns gab es eigentlich auch nur "links ist gut und rechts ist böse". Uns ist klar geworden, daß es da zwischen einfach noch viel mehr gibt. Durch dieses Referat haben wir angefangen mehr darüber nachzudenken. Woher kommt Ausländerfeindlichkeit? Und was kann man vielleicht auch wirklich dagegen tun? Das sind ja die interessanten Fragen dazu. Und uns ist klar geworden, wie wichtig es ist, mit diesen Leuten ein Gespräch anzufangen, um diese Fragen zu klären und sie nicht gleich auszugrenzen.

Für uns sind die Böhsen Onkelz eine der wenigen deutschen Musikgruppen die wirklich interessante Texte haben und gleichzeitig Musik machen, die uns gefällt. Ihre Texte sind oft relativ beliebig interpretierbar und geben so fast jedem die Möglichkeit, sich damit zu identifizieren und eigene Erlebnisse damit zu verbinden. Gerade deshalb zieht ihre Musik wohl auch so viele verschiedene Leute an. Und vor allem regen ihre Texte viel zum Nachdenken und diskutieren an. Dadurch, daß wir jetzt die ganze Lebensgeschichte der Böhsen Onkelz kennen, können wir viele Texte besser nachvollziehen. Wir waren aber auch immer wieder überrascht, daß wir uns mit vielen Songs identifizieren können, die in Situationen entstanden sind, die wir so noch nicht einmal annähernd durchlebt haben.

Für uns war es sehr interessant, uns dieses ganze Thema so genau zu erarbeiten. Vor allem auch, weil die Böhsen Onkelz ein Leben hinter sich haben, welches so weit entfernt ist von unserem. Bewundernswert finden wir auch, daß sie dann trotzdem ihr Leben in die Hand genommen haben und etwas daraus gemacht haben. Mit der Zeit verändern sich Standpunkte und Sichtweisen bei den Onkelz wie bei jedem anderen auch. Das Recht auf Entwicklung und Meinungsänderung sollte wohl jedem zugestanden werden.

Wir hatten jede Menge Spaß beim Schreiben, Lesen und Recherchieren. Deshalb ist das Ganze auch so lang geworden, weil wir immer wieder etwas gefunden haben, was wir unbedingt auch noch hier rein schreiben wollten. Wir haben noch nie so eine große Arbeit für die Schule geschrieben, hatten aber wohl auch noch nie soviel Spaß und Interesse an einem "Schulthema".

Wir sind gespannt, wie es mit der Band weitergeht, ob sie es dieses Jahr vielleicht sogar auf den 1. Platz der Charts schaffen, und ob ihre Lieder irgendwann mal in den Radiostationen rauf und runter laufen werden und sie wie andere Rockbands auch behandelt werden.

Die Platten:




 
Der nette Mann 1984    Böse Menschen, böse Lieder 1985    Mexico 1985    Onkelz wie wir 1987
Kneipenterroristen 1988    Lügenmarsch 1989    Es ist soweit 1990    Wir ham' noch lange nicht genug 1991Live in Vienna 1992    Heilige Lieder 1992    Schwarzes Album 1993       
Weisses Album 1993 Hier sind die Onkelz 1995    E.I.N.S. 1996    Live in Dortmund 1997Viva los Tioz 1998    Ein böses Märxhen ...aus tausend finsteren Nächten 2000  Gehasst, verdammt, vergöttert 1994
 
                                         Die Maxis:ÖS
 

 

rule23 Records 2002
rule23 Records 2000
Virgin 1998
Shape CD Tour ´98
E MENSCHEN, BÖSE LIEDER


ONKELZ WIE WIR



LÜGENMARSCH



WIR HAM NOCH LANGE NICHT GENUG



HEILIGE LIEDER



HIER SIND DIE ONKELZ




 

Das Onkelzgebet!

Ich glaube an die Böhsen Onkelz,

an Stephan den Allmächtigen,

den Schöpfer der Heilligen Lieder

und an Kevin, Pe und Gonzo

Seine besten Freunde, unsere Idole.

Empfangen durch die Plattenfirma Rock-o-Rama,

geboren in einem Keller bei Hösbach.

Gehasst von der Presse,

verdammt von ihren Feinden,

vergötter von ihren Fans,

angefangen am Rande der Hölle,

nach Jahren auferstanden zu Göttern,

Aufgefahren in das Reich der Sieger.

Sie sitzen zu Rechten Gottes,

von dort werden sie kommen,

Zu richten DIE BLINDEN UND TAUBEN.

Ich glaube an die Böhsen Onkelz,

die Heilligen Lieder,

Gemeinschaft der Fans,

Vergebung an alle Zeiten,

Abrechnung mit den Medien

und nichts ist für die Ewigkeit,

So soll es sein!

 




16.Juni 1990

An einem Abend traf Kevin in der Kneipe "Speak Easy" Andreas Trimborn. Dieser Typ war der
witzigste Mensch, dem Kevin je begegnet war. 19 Jahre alt, langhaarig und gut gelaunt.
Seine Freunde, von denen er unzählige zu haben schien, nannten ihn entweder Andy
oder Trimmi. Er arbeitete als Geselle bei "Elektro-Fuchs" und sogar sein Chef und seine
Kollegen liebten ihn. Trimmi war so unbeschreiblich komisch, dass Kevin ihn gern haben
mußte. Wenn Trimmi loslegte, dann lispelte er irgendwas total Trockenes in tiefstem
hessisch daher und war dabei so liebenswürdig und freundlich, dass er grundsätzlich
eine kleine Gruppe von Lachern und Fans um sich herum stehen hatte. Als Trimmi schließlich
auf Stephan und Gonzo traf, waren sie schon vorgewarnt gewesen. Kevin hatte ihnen mehr als
einmal von Trimmi erzählt. Die persönliche Begegnung übertraf ihre Erwartungen
jedoch bei weitem. Stundenlang hatten sie nach einem W.A.S.P. Konzert mit Trimmi im Park auf
einer Bank gesessen, Bier getrunken und sich vor lachen fast übergeben. Trimmi war einer von
den Menschen, die man sofort ins Herz schloss. Immer machte er einen guten Witz und immer
konnte er eine schlechte Stimmung in eine gute verwandeln. Manchmal brauchte er gar nichts zu
sagen, dann reichte es, wenn man ihn anschaute um gut drauf zu sein. Trimmi wurde schnell zum
Besten Freund der Böhsen Onkelz, und war ab 1986 Kevins ständiger Begleiter.



Am 16.Juni 1990 bestellten Trimmi, Auge und Kevin sich ein Taxi und ließen sich nach
Sachsenhausen ins "Speak Easy" fahren. Pe's Geburtstag war um 24 Uhr schon vorbei. Im
Speak Easy konnte im Moment sowieso niemand daran denken, weil Trimmi schon wieder im
offenen Hemd dastand, bereit den ganzen Laden einzuladen. Das tat er oft, wenn er etwas
Geld in der Tasche hatte, und gut gelaunt war. An diesem Abend war er besonders guter
Laune. Zwischen all dem Gejohle, dem Gesaufe und Geschiebe musste Trimmi irgendwann auf
die Toilette. Auf dem Klo traf er Auge, vollbärtig und angetrunken. Nebeneinander
standen sie vor der Rinne und lachten über Witze, die sie sich kurz zuvor an der
Theke erzählt hatten. Aus einer der Toilettenkabinen kamen Geräusche, die sich
verdächtig danach anhörten, als wenn sich dort zwei Typen gerade eine Nase Koka
reinziehen würden. Auge war als erster mit dem Pinkeln fertig und verließ auch
als erster das Klo. Nicht ohne sich auf halben Wege zur Bar noch einmal umzudrehen.
Durch die offene Toilettentür musste er eine Szene beobachten, die so kurz und
so irreal war, dass die ganze Welt um ihn herum zu gefrieren schien. Alles was sich
zwischen Auge und dieser Szene befand, erstarrte in der Bewegung. Die zwei Typen, die aus
dem Klo gekommen waren, hatten Trimmi in ihrer Mitte stehen. Trimmi, mit einem Bierglas
in der Hand, sah aus, als wenn er dringend Hilfe benötigte. Die Situation schrie
nach einem Eingriff, aber Auge konnte sich nicht bewegen. Einer der zwei Männer hatte
ein Messer in der Hand, und stach es Trimmi in die Brust. Einfach so.

 

Trimmi stürzte daraufhin panisch aus der Toilette, durch den Flur und genau in Auges
Arme. Er stammelte etwas davon, dass er gestochen worden war, und er schrie Auge an,
das er etwas unternehmen sollte. Dann riss er sich los, und flog auf Kevin zu, der
ungläubig auf Trimmi's blutende Brust starrte und dann nach Auge schielte. Auge hatte
sich wieder gefangen, und brach krachend durch die Klotür.
Der Täter, der nicht größer war, als er selber und auf den ersten Blick
absolut ungefährlich aussah, stach sofort mit seinem Messer auf Auge ein. Auge hatte
ein paar Schwinger landen können, blutete aber stark aus mehreren Wunden. Keine 5 Sekunden
später lag Auge auf dem Boden, und fürchtete um sein Leben. Kevin hockte draußen
auf der Straße und hielt den schwer blutenden Trimmi in seinen Armen.
Trimmi war kreidebleich und keuchte. Die nackte Panik sprach aus seinen Augen. Mit einer Hand
hielt er Kevins Kragen fest, die andere hielt er auf die Wunde gepresst.
Sprechen konnten sie beide nicht.



Auge wehrte sich mit Händen und Füßen, während der Typ mit dem Messer
immer noch auf Auge einhackte. Stefan Winter, das Tier, das damals Kevin fast Totgeschlagen
hatte, war mit dem Garderobenständer in die Herrentoiletten eingefallen und schlug nun
den Messerstecher damit nieder. Gott im Himmel, wie haben Winter und Auge diese zwei Typen
zusammengetreten. Dem einen hatten sie ein Ohr abgeschlagen, das später wieder
angenäht werden musste. Im Notarztwagen vor dem Speak Easy sah Auge seinen Freund
Trimmi liegen, dessen Körper sich unter den Stromstößen des Elektroschockgerätes
noch einmal aufbäumte und dann rührungslos liegen blieb. Trimmi,
zu diesem Zeitpunkt 23 Jahre alt, war schon nach drei Minuten, noch bevor
der Krankenwagen eingebogen war, in Kevins Armen verblutet.

Der Tod verließ die Szene gegen 00:40 Uhr kopfnickend.

Hier das Lied, was für Trimmi geschrieben wurde:
NUR DIE BESTEN STERBEN JUNG

Wir waren mehr als Freunde
wir war'n wie Brüder
viele Jahre sangen wir
die gleichen Lieder
nur die Besten sterben jung
Du warst der Beste
nur noch Erinnerung
sag mir warum
nur die besten sterben jung
nur die besten sterben jung
die Zeit heilt Wunden
doch vergessen kann ich nicht
die Zeit heilt Wunden
doch ich denke oft an dich
ganz egal wo Du auch bist
Du weißt so gut wie ich
irgendwann seh'n wir uns wieder
in meinen Träumen
in unsern Liedern
 
By Mike und mir
 
 
Tourdaten:
 

19.05.2002 

Kreuth-Rieden, Ostbayernhalle

  20.05.2002 

Zürich, Hallenstadion

  22.05.2002 

A-Innsbruck, Olympiahalle

  23.05.2002 

A-Wien, Libro Music Hall

  25.05.2002 

A-Wiener Neustadt, Arena Nova

  26.05.2002 

München, Olympiahalle

  28.05.2002 

Ulm, Donauhalle

  29.05.2002 

Mannheim, Maimarkthalle

  31.05.2002 

Karlsruhe, Europahalle

  01.06.2002 

Stuttgart, Schleyerhalle

  03.06.2002 

Saarbrücken, Saarlandhalle

  05.06.2002 

Dresden, Eissporthalle

  06.06.2002 

Kassel, Messehalle

  08.06.2002 

Frankfurt, Festhalle

  11.06.2002 

Koblenz, Oberwerth-Halle

  12.06.2002 

Leipzig, Messehalle

  14.06.2002 

Berlin, Velodrom

  17.06.2002 

Kiel, Ostseehalle

  18.06.2002 

Hannover, Preussag-Arena

  20.06.2002 

Bremen, Stadthalle

  22.06.2002 

Magdeburg, Bördelandhalle

  23.06.2002 

Schwerin, Sport- und Kongresshalle

  25.06.2002 

Bremerhaven, Stadthalle

  26.06.2002 

Erfurt, Messehalle

  28.06.2002 

Dortmund, Westfalenhalle




 
   Tickets könnt ihr telefonisch unter 06102 / 77 66 5 oder
   direkt über das Internet unter www.ticketcenter.de (ohne SSL) bzw.
   hier mit SSL Verschlüsselung bestellen




So sieht die Eintrittskarte aus:

 
Die neue Single der Onkelz :
 
Waren die Onkelz wirklich Rechts? :

...wovor man euch warnen will...
(...oder "wie rechts waren die onkelz?")

von Stephan Weidner

Glaubt man den Medien, sind wir so ziemlich das Schlimmste, was der Welt passieren konnte. Außer dem Vorwurf der Rechtsradikalität müssen wir mit dem Dogma leben, frauenfeindlich, sexistisch und gewaltverherrlichend zu sein. Da ich davon ausgehen muss, dass Ihr Euch als unsere Fans auch des öfteren mit dieser Problematik auseinander müsst, nehme ich dies als Anlass, zu dem immer wiederkehrenden Pressegespenst „Die Onkelz und ihre Vergangenheit“ Stellung zu nehmen. Vor allem die ewigen Unterstellungen, ein Neo-Nazi zu sein, zehrten und zehren an meinen Nerven und ließen mich selbst schon manchmal glauben, das alles sei wahr. Zeit genug, deshalb einmal in mich zu gehen und Licht in das Dunkel zu bringen. Es werde Licht!

Ich denke, es hat keinen Sinn, wenn ich beginne, irgendwelche Anekdoten zu erzählen, die Rückschlüsse zulassen, wir seien rechtsradikal gewesen. Die hat es sicher gegeben, aber für viel wichtiger halte ich es, von dem Gefühl zu reden, das wir früher in uns trugen. Ich spreche im Namen der Band, wenn ich sage, dass es Zeiten gab, in denen wir, ohne etwas beschönigen zu können, eine ausländerfeindliche Einstellung hatten, auch auf sogenannte „Rote“ und ihre Sympathisanten hatte keiner von uns Bock. Wir lieferten uns mehr als einmal regelrechte Straßenschlachten mit ihnen, obwohl wir ja ursprünglich selbst aus der Punkbewegung kamen und zu dieser Zeit alles andere als „rechts“ waren. Ich könnte jetzt beginnen, Euch davon zu erzählen, wie und unter welchen Umständen wir aufgewachsen sind. Ich könnte mich in irgendwelchem sozialpädagogischen Geschwätz verlieren und nach Ursachen für unser Verhalten forschen. Ich könnte Euch von missratener Kindheit, Frankfurter Ghettos, Alkohol und Drogenproblemen erzählen, und, und, und... Aber ich schreibe dies nicht, um nach Entschuldigungen zu suchen. Was war, war, und ist nicht mehr rückgängig zu machen. Ich schreibe dies, damit Ihr nicht den gleichen Scheiß baut wie wir. Auch wenn einem das Wasser bis zum Hals steht und man meint, einen Schuldigen zu brauchen, gibt es andere Möglichkeiten, mit seinen Problemen umzugehen als Fremdenfeindlichkeit. Das Beste ist, etwas gegen seinen eigenen Mist zu machen. Hass begrenzt, und mein jetziges Erlebnis ist grenzenlos. Hass ist verschwendete Zeit. Es gibt wirklich wichtigeres.


Reden wir weiter von Gefühlen. Reden wir von Unwissen und Dummheit. Reden wir von Ignoranz und Intoleranz. Reden wir von Rechtsradikalismus. Wie „rechts“ waren die Onkelz wirklich? Fakt ist, wir waren niemals Angehörige oder Sympathisanten einer rechten Partei oder Organisation. Wir hatten und haben eine Aversion gegen Obrigkeitsdenken und blinde Parolen. Wir haben niemals in unseren Konzerten rechtes Gedankengut propagiert, auch wenn ich einräumen muss, dass das ein Teil der Zuhörer nicht davon abgehalten hat, ausländerfeindliche Parolen von sich zu geben. Wir sind weder „Sieg Heil“ schreiend durch die Gegend gezogen, noch haben wir uns mit nationalsozialistischen Emblemen geschmückt. Auch wurden nach unseren Konzerten keine Asylantenheime angesteckt, wie schon mehrmals fälschlicherweise in der Presse berichtet wurde, da wir in diesen Städten niemals gespielt haben. Was bleibt, ist die Tatsache, dass wir zwei fremdenfeindliche Lieder für ein Demotape aufgenommen haben, auf die wir heute alles andere als stolz sind. Es stimmt auch, dass unsere erste Platte verboten wurde, wegen Gewaltverherrlichung und Pornographie, und dass wir Skins waren mit Haut und (ohne) Haar. Wahr ist mit Sicherheit auch, dass wir eine Tendenz hatten, ins „rechte Lager“ abzudriften, wir uns aber über die verheerenden Folgen früh genug bewusst geworden sind. Ich würde sagen unbewusst-bewusst geworden sind, da wir in dieser Zeit mehr aus dem Bauch gelebt haben, als dass wir unser Hirn oder Herz gefragt hätten.


Das alles ist 15 Jahre her. Mann, wir haben das rausgeschrieen, was uns berührte, ohne groß nachzudenken. Keiner war sich der Folge bewusst. Fragt Euch mal selbst, wie viel Scheiße Ihr in eurem Leben von Euch gelassen habt, und Ihr wisst, was ich meine. Wichtig ist, dass ich weiß, wie ich drauf war, und noch wichtiger ist, wie ich drauf bin: Wir haben uns geändert, und dieses Recht sollte man, verdammt noch mal, jedem zubilligen. Um es hier einmal ganz deutlich zu sagen: Wir und auch sonst niemand in unserem Umfeld hängt rechtem Gedankengut nach oder hat irgendwelche Sympathien für solchen Mist. Niemand von uns toleriert Fremdenhass und Ausländerfeindlichkeit. Wenn wir mit unseren Möglichkeiten etwas gegen braunen Hass und blinde Spießerwut tun können, dann tun wir es. Nur tun wir es nicht, weil wir´s unserer Geschichte schuldig sind – sondern aus Überzeugung. Ich finde, dass Ihr, als unsere treuesten Fans, das wissen sollt.


Und ihr, die euer ganzes Leben damit verbracht habt, euch den Arsch in euren Sesseln platt zu sitzen, erzählt mir nichts vom Leben. Ich habe die Scheiße gefressen, in der ihr nie gelebt habt, und ich stehe hier vor euch als MENSCH. Mich könnt ihr nicht beeindrucken, und ich hoffe, unseren Fans geht es genauso.

Die Mitglieder im einzelnen:
 
um näheres zu erfahren bitte auf die Bilder Klicken.
 
                                                         Kevin                                              Pe
Kevin Richard Russel    Peter "Pe" Schorowsky
Stephan Weidner    Matthias "Gonzo" Röhr
 
                                         Stephan                                   Gonzo
 
 

Die Biographie der Onkelz:

Inhalt:

     Vorwort
     Kapitel 01 - 1940 - 1979 - "Erinnerungen"
     Kapitel 02 - 1964 - 1981 - "Türkähn rauhs"
     Kapitel 03 - 1962 - 1981 - "Double life Gonzo und die Frontstadt Frankfurt"
     Kapitel 04 - 1981 -           "Böhse Onkelz"
     Kapitel 05 - 1980 - 1982 - "Oi, Oi, Oi"
     Kapitel 06 - 1982 - 1983 - "Das Demotape"
     Kapitel 07 - 1983 -           "Doc Marten's Beat"
     Kapitel 08 - 1984 -           "Der nette Mann"
     Kapitel 09 - 1985 -           "Böse Menschen - böse Lieder"
     Kapitel 10 - 1986 -           "Der Ausstieg"
     Kapitel 11 - 1987 -           "Aus der Ferne betrachtet..."
     Kapitel 12 - 1988 -           "Kneipenterroristen"
     Kapitel 13 - 1989 -           "Nightmare on Weberstraße"
     Kapitel 14 - 1990 -           "Auf dem Rücken der Klapperschlange"
     Kapitel 15 - 1991 -           "Noch lange nicht genug"
     Kapitel 16 - 1992 -           "El señor es mi pastor, nada me faltara"
     Kapitel 17 - 1992 -           "Bezirksmeisterschaften im Geschicklichkeitsgrillen"
     Kapitel 18 - 1993 -           "Hessisch Baja"
     Kapitel 19 - 1994 -           "Das Rainbow Projekt"
     Kapitel 20 - 1995 -           "Die Elvis-Falle"
     Kapitel 21 - 1995 - 1996 - "Unter dem Auge des Gonz"
     Credits

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